Tierpark Göppingen Anforderungen sind zu hoch

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Der Tierparkverein Göppingen muss seine Hausaufgaben machen, bevor er baurechtlich von der Stadt legalisiert wird.

Inmitten seiner Viechla fühlt sich Heiko Eger am wohlsten. Von einigen will er sich über kurz oder lang dennoch trennen. Foto: Rudel
Inmitten seiner "Viechla" fühlt sich Heiko Eger am wohlsten. Von einigen will er sich über kurz oder lang dennoch trennen. Foto: Rudel
Göppingen - Den drei Amazonen dürfte in der Nachbarschaft des Göppinger Tierparks niemand so recht nachtrauern. "Das sind arge Schreier", räumt selbst Heiko Eger ein, und der hat sonst immer ein offenes Ohr für seine Schützlinge. Im kleinen Göppinger Tierpark ist er Tierpfleger, Vereinsvorsitzender und Zoodirektor in Personalunion, und jetzt auch noch Geflügeltransporteur.

Forderungen unerfüllbar


Neulich hat er die grünen Papageienvögel fortgebracht. Zusammen mit zwei Trauerschwänen, einem Diamantfasan und zwei Graupapageien fuhren sie im VW-Transporter an den Bodensee. "Ich bin froh, im Haustierpark Reutemühle bei Überlingen einen guten Platz für die Tiere gefunden zu haben", sagt Eger.

Der Göppinger Tierpark kommt damit einer Auflage des Kreisveterinäramts nach. Die Behörde hatte unter anderem für die Schwäne einen Teich mit 150 Quadratmetern Fläche gefordert. "Das schaffen wir nicht", sagt Eger. So blieb nur der Auszug. Der Fasan wiederum war in Göppingen nicht nur alt, sondern auch einsam geworden. Vor kurzem war seine Partnerin gestorben. In Überlingen werde das gesellige Tier wieder eine Kameradin haben.

Auch der Trampeltierhengst Kürsür wurde vor einigen Wochen umgesiedelt. Er fand im Familienpark Westerheim (Alb-Donau-Kreis) eine neue Heimat. Von weiteren Tieren möchte sich Heiko Eger aber vorerst nicht trennen. Er setzt vielmehr auf die natürliche Fluktuation: "Die Paviane werden wir nicht mehr auffüllen." Auch andere Tierarten würden auf diese Weise dezimiert. "Der Puma ist am Nikolaustag gestorben", sagt Eger. Jetzt gibt es noch einen 16 Jahre alten Panther. "Wenn er gestorben ist, dann gibt es hier keine Großkatzen mehr."

Zoogenehmigung war völliges Neuland


Noch erfreut sich der Räuber guter Gesundheit, und so könnten Jahre ins Land ziehen, ehe der Tierpark alle Auflagen aus der Zoogenehmigung des Göppinger Landratsamtes erfüllt. Eger hat keine Eile. Zum einen räumt ihm die Behörde teilweise selbst lange Übergangsfristen ein. Zum anderen brauchte sie eine halbe Ewigkeit, um die Zoogenehmigung zu erarbeiten. Im Jahr 2003 hatte der Tierpark seine Unterlagen eingereicht. Damit sollte einer Richtlinie der Europäischen Union Genüge getan werden.

Doch es dauerte bis zum Februar 2010, ehe die Zoogenehmigung erteilt werden konnte. "Wir sind Verwaltungsbeamte und keine Biologen", begründet der Leiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, Peter Arndt, die lange Bearbeitungszeit. Seine Mitarbeiter und er hätten völliges Neuland betreten: "Wir hatten davor nie etwas mit einer Zoogenehmigung zu tun, und wir werden danach nie mehr eine bearbeiten müssen". In diesem Fall gab es allerdings kein Entrinnen. Mit mehr als fünf Tierarten, die zur Schau gestellt werden, war der Göppinger Tierpark verwaltungstechnisch als Zoo einzustufen.

Nachdem auch in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium zunächst kaum Fortschritte erzielt werden konnten, schaltete Arndt auf Honorarbasis einen Biologen ein. An dessen Weisheit hegt Eger aber einige Zweifel: "Er hat sogar ausgerechnet, wie viele Kubikmeter Wasser ein Goldfisch benötigt." Bei manchen Tierarten sei er dabei zu Platzanforderungen gekommen, die nicht einmal die Wilhelma erfüllen könnte.

Der Tierpark ist ein Magnet für Kinder


Wenn er den Experten gefragt habe, wo er denn bitte schön einen Ort finden solle, der den Tieren überhaupt einen solchen Auslauf bietet, habe er eine verblüffende Antwort erhalten. Hauptsache die Tiere seien weg, habe der Experte gesagt. "Das kann es ja wohl nicht sein", meint Eger.

Das sehen auch die Stadtverwaltung und der Gemeinderat ein, die den vor allem bei Kindern beliebten Tierpark endlich legalisieren wollen. Genau genommen handelt es sich bei den bis zu 50 Jahre alten Gehegen an der Schickhardtstraße nämlich immer noch um Schwarzbauten. Bis zum Jahresende soll ein Bebauungsplan verabschiedet werden, der auch Umbauten möglich macht (wir berichteten).

Damit, so die Hoffnung, sollen auch die Anwohner besänftigt werden, aus deren Umfeld immer wieder Klagen kommen. Wie eine Umfrage der Lokalzeitung ergeben hat, scheint sich der Unmut aber in Grenzen zu halten. 81,6 Prozent von 207 befragten Anliegern seien für einen Verbleib des Tierparks in ihrer Nachbarschaft. Die Bundesstraße, die direkt am Park vorbeiführt, sei sowieso lauter, vermutet Eger. Jetzt, da die Amazonen in Überlingen wohnen, dürfte dies mehr denn je der Fall sein.

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