Tierpark Göppingen Ein Serval ersetzt den Goldfisch

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Mit einem Bebauungsplan will die Stadt den Konflikt zwischen Tierpark und Anwohnern beenden. Nicht alle sind überzeugt - trotz des süßen Servalbabies.

Junges Serval-Weibchen im Göppinger Tierpark Foto: Pressefoto Horst Rudel
Junges Serval-Weibchen im Göppinger Tierpark Foto: Pressefoto Horst Rudel

Göppingen - Wie süß! Der Göppinger Tierpark freut sich über ein neues Servalbaby. Am 14. September erblickte das noch namenlose Tier das Licht der Welt. Doch bei vielen Anwohnern hat diese frohe Botschaft Skepsis statt Freude ausgelöst. Schließlich hat sich der Tierpark verpflichtet, seinen Tierbestand zu reduzieren. "Doch was bringt uns das, wenn ein Goldfisch und ein altersschwacher Papagei abgeschafft werden und dann wieder neue Tiere zur Welt kommen", schimpfte eine Frau aus der Schickhardtstraße bei der Anwohneranhörung am Montag im Rathaus.

Der Tierpark ist eine Göppinger Institution, aber für viele auch eine Zumutung. Klagen über Lärm und Gestank sind an der Tagesordnung - und berechtigt, wie verschiedene Gutachten belegen. Durch eine Reduzierung des Tierbestands und etliche Umbauten sollen und können diese Missstände aber weitgehend behoben werden. Die Voraussetzung dafür ist ein Bebauungsplan, für dessen Formulierung der Gemeinderat am Donnerstag den Startschuss geben soll. Offiziell ist das Gelände zwischen Schickhardtstraße und Alter Lorcher Straße immer noch Grünland, obwohl die Wurzeln des Zoos bis ins Jahr 1925 zurückreichen.

Unangenehme Gerüche könnten auf ein akzeptables Maß reduziert werden, sagte der Geruchsgutachter Axel Rühling. Das heiße, der Gestank sei nur noch an zehn Prozent der Tage auf den Nachbargrundstücken wahrnehmbar. Der Lärmgutachter Wolfgang Schröder versprach, nach dem Fortzug der nachtaktiven Vögel würden auch die Lärmgrenzwerte, die sonst für Gewerbebetriebe gälten, eingehalten.

Bebauungsplan für unbebautes Gelände

"Ein Bebauungsplanverfahren ist auch immer ein Verfahren zur Konfliktbewältigung", warb der Baubürgermeister Olav Brinker. Es gebe der Stadt auch eine Rechtsgrundlage, um die Interessen der Anwohner zu vertreten. Hinzu komme ein handfester finanzieller Aspekt. Wenn die Stadt, wie seit langem geplant, die Schickhardtstraße ausbaut, werden alle Anwohner zur Kasse gebeten. Der Eigentümer eines Geländes, das aber offiziell gar nicht bebaut ist, kann vom Steueramt nicht herangezogen werden. Die veranschlagten 130.000 Euro müssen folglich von den übrigen Anwohnern allein getragen werden.

Dennoch stößt das Vorhaben auf Skepsis. "Ich habe noch nie einen Bebauungsplan gesehen, in dem nichts eingezeichnet ist", sagte ein Anwohner. Tatsächlich weist die Stadt das Areal als Sondergebiet aus, das zu 60 Prozent bebaut werden darf, vermeidet aber Festlegungen. Es sei nicht sinnvoll ein Zookonzept zu erstellen. Das überlasse die Stadt dem Tierparkverein, sagte die Stadtplanerin Eva Noller. Es sei auch nicht möglich, den Tierbestand genau zu fixieren, sagte Peter Arndt vom Landratsamt. Mit der Zoogenehmigung, die sein Umweltschutzamt erteilt habe, sei nur eine Beachtung des Tierschutzes sicher gestellt.

Das Servalmädchen wird übrigens nicht in Göppingen bleiben. Wenn es groß genug sei, werde es verkauft, sagte der Tierparkleiter Heiko Eger. "Am liebsten tauschen wir es gegen zwei Flamingos ein." Schließlich muss die kleine Flamingofamilie artgerecht zu einer Gruppe vergrößert werden.

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