Tierpark-Ranking Tierhaltung

Von  

Unterm Strich landet die Wilhelma in diesem Bereich auf Platz 13 der insgesamt 30 getesteten Zoos, die jährlich mehr als eine Million Besucher haben. Sie liegt damit noch hinter den deutschen Zoos in Berlin, Leipzig, München, Hamburg und Köln. Die Bewertung selbst ist sehr unterschiedlich. Der Reichtum des Tierbestandes sei in der Wilhelma "absolut top", sagt Sheridan. Er gibt dafür 29 von 30 möglichen Punkten.

Bei der Haltung der Tiere sieht es dagegen teils richtig miserabel aus. Der Brite hat knapp 30 Säugetiere, Vögel und Reptilien herausgegriffen und geprüft, wie gut deren Haltung ist und wie natürlich sich die Gehege den Besuchern präsentieren. In der Punkteskala von 1 (ganz schlecht) bis 6 (ausgezeichnet) erhält die Wilhelma lediglich bei den Erdmännchen, den Pelikanen, den Flamingos und den Krokodilen vier Punkte. Alle anderen Noten sind schlechter. Für die Anlagen der Elefanten, Nashörner und Flusspferde verteilt Sheridan sogar nur je einen Punkt. Zwei Punkte erhalten die Giraffen, Tiger, Menschenaffen, Eisbären, Zebras, Seelöwen, Pinguine, Strauße und der Python. "Es gibt in der Wilhelma viel zu viel Beton", kritisiert Anthony Sheridan vor allem.

Wilhelma-Direktor Dieter Jauch kann diese Urteile teilweise sogar akzeptieren: "Wir haben viele ältere Zoogehege, die nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen - da hat Sheridan eindeutig recht", sagt er. Vor allem für die Menschenaffen, die Elefanten, die Nashörner und die Flusspferde seien die Bedingungen nicht mehr ideal. Jauch verweist aber auf die Bemühungen, die die Wilhelma derzeit unternimmt. Das neue Gelände für die Bonobos und Gorillas ist bereits im Bau.

Das nächste große Projekt sei dann eine neue Elefantenanlage, die allerdings erst in Angriff genommen werden könne, wenn klar sei, ob der Rosensteintunnel tatsächlich realisiert werde. Jauch schätzt, dass der Startschuss für die neue Anlage deshalb nicht vor dem Jahr 2018 fallen wird. Und dann erst kann das Gehege der Nashörner vergrößert werden - sie erhalten den Platz dazu, den heute die Elefanten einnehmen. Die Haltung der Flusspferde, die sich derzeit in ihrem Minitümpel kaum drehen können, will die Wilhelma ganz aufgeben.

Jauch betont allerdings auch, dass die Tiere andere Maßstäbe als die Menschen anlegen würden. Die Gibbons beispielsweise fänden in ihrem luftigen Käfig gute Lebensbedingungen vor; der Besucher dagegen, der die Tiere am liebsten wie in freier Wildbahn erleben würde, betrachte das Gebäude zu Recht als scheußlichen 60er-Jahre-Bau. Insgesamt leide die Wilhelma eben unter der Last der vielen älteren Gehege: "Eigentlich sollte man Zoogebäude möglichst günstig bauen, damit man sie nach 30 Jahren auch wieder abreißen darf - spätestens dann sind die Erkenntnisse über die Tiere so weit fortgeschritten, dass neue Areale benötigt werden."

Sonderthemen