Holzgerlingen - Ein Behandlungstisch, diverse Kanülen sowie Medikamente und Sauerstoffmasken in den verschiedensten Größen: Das Team der Tierrettung Schönbuch ist voll ausgestattet für tierische Notfälle. Als der gemeinnützige Verein – damals noch unter dem Namen „Animal Rescue“ – im letzten Jahr einen Spendenaufruf für einen neuen Einsatzwagen über die sozialen Medien und unsere Zeitung startete, „war die Resonanz gigantisch“, erzählt Petra Schukalski, die den Verein leitet.
Das neue Auto, das komplett durch die Spenden finanziert werden konnte, sei ein echter „Glücksgriff“ gewesen. Knapp 10 000 Euro habe es gekostet, sei „technisch einwandfrei“und kürzlich erst durch den Tüv gelaufen, sagt Schukalski. Als sie und ihr Mann im August 2019 die Tierrettung als gemeinnützigen Verein gründeten, hätten sie schnell vor dem Problem gestanden, dass kein Auto zur Verfügung stand. Der Wagen, den sie sich zwischenzeitlich geliehen hatten, sei reparaturbedürftig gewesen, was sich aber nicht gerechnet hätte, erzählt die 48-Jährige.
Ein 24-Stunden-Job
Im neuen Einsatzwagen kann das Team jetzt wieder Tiere erstversorgen – vom kleinen Nagetier bis zum großen Hund. „Die Sauerstoffkragen für Katzen können wir zum Sauerstoffzelt für Nager umfunktionieren“, erläutert Schukalski. Gerade bei Katzen seien die Sauerstoffmasken schwierig, „weil sie sich immer so doll wehren“.
Etwa 15 Einsätze fährt das Team der Tierrettung pro Woche – doch wenn Petra Schukalski Dienst hat, sei das theoretisch ein 24-Stunden-Job: Über die Tierrettungsleitstelle in Stuttgart werden die Notrufe, die in ihr Einsatzgebiet fallen, an ihr Handy weitergeleitet. In der Regel liegen die Notfälle in einem Radius von etwa 35 Kilometern rund um Holzgerlingen, erzählt die 48-Jährige. Sobald sie an der Unfallstelle ankommt, gibt sie eine „Statusmeldung“ an die Leitstelle ab: „zum Beispiel über ein gebrochenes Bein oder wenn eine Verdachtsdiagnose besteht“. Die Leitstelle wiederum melde das Tier schon einmal in der Klinik oder beim Tierarzt an.
„Man ist oft ein Stück weit Seelsorger“
Manche Einsätze halten die studierte Tierheilpraktikerin die halbe Nacht wach. Kürzlich sei sie zum Beispiel um zwei Uhr morgens nach Dettenhausen gerufen worden. „Eine ältere Dame hatte einen Hund zu Gast bei sich, der plötzlich erbrochen und starken Durchfall bekommen hat“, erzählt Schukalski. Sie habe den Hund erstversorgt, und ihm Medikamente gegeben, doch beim Abhören „ein Lungengeräusch“ gehört. Deshalb habe sie in der Tierklinik angerufen und den Hund mit dem Notfallwagen in die 24-Stunden-Tierklinik in Stuttgart-Plieningen gefahren. „Die haben viel zu tun“, erzählt die Tierretterin, „weil Tierärzte fehlen und generell das Klinik-Personal“. Nachdem Medikamente gegen seine Kreislaufprobleme geholfen hatten, sei er nach fast drei Stunden wieder entlassen worden. „Man ist oft ein Stück weit Seelsorger“, sagt Schukalski.
Sie habe „schon immer gewusst“, dass sie beruflich etwas mit Tieren machen wolle. Nach langjähriger Tätigkeit als Tierheilpraktikerin habe sie gemerkt, „dass man nicht immer nur Homöopathie anwenden kann“ und eine Weiterbildung zur Tierrettungssanitäterin gemacht. Schukalskis Aha-Moment sei gewesen, als sie mitbekommen habe, wie eine Halterin verzweifelt versuchte, einen Haustierarzt zu erreichen. „Seitdem war ich mit dem Tierrettungsvirus infiziert“, sagt sie schmunzelnd. Schukalskis Mann, der selbstständig arbeitet, fahre auch im Rettungswagen mit – „wann immer er kann“.
Zwischendurch erlebt die Tierretterin auch Schönes
Die Tierrettung Schönbuch, die durch Spenden finanziert ist, erhebe für die Einsätze „eine kleine Aufwandspauschale“, berichtet die 48-Jährige. Davon könnten so gerade der Sprit für die Fahrt, Medikamente und gegebenenfalls der Sauerstoff abgedeckt werden. Bereits 400 Notrufe seien dieses Jahr schon im Bereich Böblingen, Schönbuch und Neckar-Alb eingegangen, häufig ginge es um angefahrene Katzen oder Jungvögel, die von Spaziergängern aufgefunden wurden. Bei der Fülle an Einsätzen benötige das Team der Tierrettung definitiv bald neue Kollegen: Wir sind auf der Suche nach neuen Ersthelfern“, erläutert Schukalski und ergänzt: „Erst einmal steht ein Pflichtpraktikum beim Tierarzt an. Mit der Arbeit muss man psychisch klarkommen.“
Wenn es ein Tier mal nicht schaffe, frage sie sich manchmal: Hätte ich nicht etwas anders machen können? Die schwersten Fälle seien diejenigen, „wo schlimme Verletzungen vorliegen“ oder das Tier die einzige Bezugsperson für den Besitzer ist, erzählt die 48-Jährige. Aber sie erlebe auch viel Schönes: die Zusammenarbeit im Team und auch mit den Tierärzten zum Beispiel: „Das schönste ist, wenn das Tier es geschafft hat.“