Der Verein Happy Paws kümmert sich um Straßenhunde in Rumänien. Besonders am Herzen liegen den Tierschützern die Kastrationsprojekte vor Ort, denn die Welpenflut nimmt kein Ende. Tote Hunde auf den Straßen gehören in Rumänien zum traurigen Alltag.
Diesen Anblick kann Anja Krieger nicht mehr vergessen. Vor ein paar Jahren war sie mit ihrem Sohn in Rumänien und fand eine Plastiktüte mit ausgesetzten Hundebabys. „Es hatte über 30 Grad Celsius, die Welpen waren übersät mit Maden. Es war ganz furchtbar“, erzählt die Sindelfingerin. Wer einmal in Rumänien vor Ort gewesen sei und die Situation mit den Straßenhunden gesehen habe, der könne gar nicht anders als helfen, sagt die 53-Jährige. Sie selbst hat mit ihrem Mann drei ehemalige Straßenhunde aus Rumänien bei sich aufgenommen. Insgesamt 30 Pflegehunde hat sie zu sich nach Sindelfingen geholt und zu einem schönen Zuhause verholfen.
Im Dezember 2019 gründete sie zusammen mit anderen Tierschützern aus ganz Deutschland den Verein Happy Paws. Mit der Gründung wollten sie Claudia Gerea, eine engagierte Tierschützerin in Târgu Jiu in Rumänien, unterstützen. In einem sogenannten Open Shelter bietet Gerea Straßenhunden einen sicheren Zufluchtsort. Auf dem 65 000 Quadratmeter großen Grundstück am Fuße der Karpaten leben rund 220 Hunde in artgerechter Rudelhaltung. Vom Welpen bis zum Senioren beherbergt sie dort alle Hunde, die sie von den Straßen rund um Târgu Jiu gerettet hat.
Claudia Gereas Herz schlägt für ihre Schützlinge. Foto: privat
Der Verein hat bereits 764 Hunde kastrieren lassen
Auch wenn der Verein seit seiner Gründung schon mehr als 1000 Hunde vermittelt hat, so ist den Mitgliedern der nachhaltige Tierschutz extrem wichtig. „Es geht nicht darum, alle Hunde aus dem Shelter nach Deutschland zu holen“, sagt Krieger, die zusammen mit Nicole Grube aus Hannover den Vorsitz des Vereins hat. Die Hunde hätten es bei Claudia Gerea schön, sie seien gut versorgt. Ebenso wichtig ist dem Verein aber die Kastration von Straßenhunden. „Auch Hunde der Bevölkerung in Târgu Jiu können vor Ort kastriert werden“, erklärt Krieger. Dafür kooperiert der Verein mit ortsansässigen Tierärzten. Die Kosten hierfür trägt der Verein. „Das Ziel von Happy Paws ist es, durch die Kastrationsaktionen den Teufelskreis der unkontrollierten Vermehrung von Hunden in Rumänien zu durchbrechen und die Welpenflut auf den Straßen und in den Tötungsstationen einzudämmen“, so die Hundefreundin. Seit 2023 hat der Verein 764 Hunde auf seine Kosten kastrieren lassen.
Tote Hunde auf den Straßen gehören in Rumänien zum traurigen Alltag
Das Problem der Straßenhunde in Rumänien ist nicht neu. Es entstand in den 1970er-Jahren in Zeiten des Kommunismus. Viele Menschen setzten ihre Hunde damals notgedrungen aus, als ihre Häuser abgerissen wurden und sie in Wohnblocks ziehen mussten, wo sie keinen Platz mehr für ihre Vierbeiner hatten. Diese Tiere vermehrten sich daraufhin in der Natur unkontrolliert. Von staatlichen Tierfängern werden viele Straßenhunde nun eingefangen und in öffentliche Tierheime gebracht. Dort können sie laut Gesetz nach einer Frist von 14 Tagen getötet werden.
Die meisten Menschen in Rumänien seien den Straßenhunden zwar freundlich gesonnen, ihnen fehle jedoch das Geld, die Möglichkeit und das Wissen, sich verantwortungsbewusst um die Tiere zu kümmern, weiß auch Krieger. Viele Menschen in den ländlichen Gegenden rund um Târgu Jiu lebten noch in Lehmhütten, betrieben Ackerbau mit dem Pferdepflug. Ihre Tiere – egal ob Hühner, Schweine oder Pferde – liefen auf den Feldern frei umher. Auch seien Hunde dort Nutztiere, sagt die Tierschützerin. Sie lebten oft als Wachhund an der Kette. „Zwei Mal jährlich kann eine Hündin bis zu 16 Welpen bekommen“, erklärt die 53-Jährige das Problem unkastrierter Hunde.
Der Verein sammelt Spenden für ein Kastrationsmobil
Um auch in diese Gegenden rund um Târgu Jiu vorzudringen und den Hundehaltern eine Kastration ihres Tieres zu ermöglichen, ohne dass sie weite Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, hat der Verein die Idee, ein Kastrationsmobil einzusetzen. „Wir benötigen einen alten Krankenwagen mit möglichst wenigen Kilometern, den man zum Kastrationsmobil umbauen kann“, sagt Krieger. Doch so ein Wagen kostet zwischen 4000 und 10 000 Euro. Das ist eine Menge Geld für einen kleinen Verein mit 37 ehrenamtlich aktiven Mitgliedern. Durch Kastrationspatenschaften und Spenden erhoffen sich die Vereinsmitglieder nun, die Summe zusammenzubekommen, um das Elend der Hunde in Târgu Jiu nachhaltig zu bekämpfen.
Anja Krieger besucht mehrmals im Jahr Claudia Gerea und ihre Hunde in Târgu Jiu. Trotz des vielen Hundeleids auf den Straßen findet sie: „Rumänien ist ein wunderschönes Land und ich liebe die Menschen dort. Man darf die Leute dort nicht verurteilen, man muss ihnen helfen“, ist die Sindelfingerin überzeugt.
Mehr Informationen im Internet unter: https://happypaws-germany.de