Tierschutz auf den Fildern Sie leisten Hilfe für die gefiederten Stadtbewohner
Seit mehreren Jahren kümmern sich Tierfreunde um das einzige Taubenhaus in der Stadt. Nun soll es bald einen zweiten Taubenschlag im Umfeld des Leinfelder Bahnhofs geben.
Seit mehreren Jahren kümmern sich Tierfreunde um das einzige Taubenhaus in der Stadt. Nun soll es bald einen zweiten Taubenschlag im Umfeld des Leinfelder Bahnhofs geben.
Es funktioniert. Im Parkhaus eines Einkaufscenters im Norden von Echterdingen hatten sich vor einigen Jahren viele Tauben eingenistet. „Es war voller Tiere“, erinnert sich Jennifer Winkler. Sie ist die Leiterin des Stadttaubenmanagements beim Tierschutzverein Tierfreunde Filderstadt. Sogar in den Einkaufswagen hätten die Vögel ihre Eier in Nestern ausgebrütet. Sie habe Ende 2019 begonnen, die echten Eier gegen künstliche Eier auszutauschen. Zwei Jahre später wurde das erste und bisher einzige Taubenhaus auf dem obersten Deck des Parkhauses eröffnet. Nun steht die Eröffnung eines zweiten Taubenschlags beim Bahnhof in Leinfelden an.
Der Taubenschlag hat gleich mehrere Vorteile. Einerseits dient er dem Wohl der Tiere. Die Vögel erhalten dort artgerechtes Futter, Wasser und einen sauberen Unterschlupf. Kranke oder verletzte Tiere können gefangen und behandelt werden. Darüber hinaus brüten die Tiere in dem Schlag ihre Eier aus. Genauer gesagt, sie versuchen in dem Schlag ihre Eier auszubrüten. Die Ehrenamtlichen tauschen die Eier jedoch regelmäßig aus. Damit wird die Population im Zaum gehalten.
Der Schwarm, der das Taubenhaus im Norden von Echterdingen nutzt, ist groß und umfasst rund 250 Tiere. Jeden Tag ist einer der momentan sechs Taubenschützer eine bis eineinhalb Stunden vor Ort, um sich um den Schlag zu kümmern. Täglich müssten rund drei Kilogramm Kot entfernt werden, erklärt Winkler. „Es muss gut betreut werden, sonst ist es nicht erfolgreich“, sagt die Tierfreundin. Sie hat errechnet, dass die Taubenschützer seit der Eröffnung des Taubenhauses rund zwei Tonnen Kot beseitigt haben. Ohne den Taubenschlag wäre der Kot irgendwo in der Stadt gelandet – womöglich auf Autos, Dächern, Terrassen oder gar Passanten.
Eine spürbare Verkleinerung des Schwarms bewirkt das Engagement der Taubenschützer nicht. Es gibt nämlich auch Nester in der Umgebung, wo die Taubenschützer die Eier nicht austauschen können. „Es bleibt eine Daueraufgabe“, betont Winkler deshalb. Lediglich die Hälfte der Tauben des Schwarms nutze den Taubenschlag, schätzen die Tierschützer. In dem Schlag gibt es 45 Nistzellen. Seit dem Bau des Taubenschlags seien rund 2500 Eier getauscht worden, berichtet sie. „Das wären 2500 Tauben geworden, die sich wieder vermehrt hätten“, erklärt die Taubenschützerin.
Doch nicht allein die Tierschützer sorgen dafür, dass es weniger Tauben in der Stadt gibt. Wer auf dem oberen Parkdeck des Einkaufszentrums, dort wo das Taubenhaus steht, den Blick schweifen lässt, wird vermutlich den einen oder anderen Raubvogel erblicken, der auf seine Chance lauert. Die schlauen Jäger haben verstanden, dass sie im Umfeld des Taubenschlags immer wieder Beute machen können. Zu einer Verkleinerung des Schwarms führt dies aber nicht. So viele Tauben können Bussard und Co. nicht fressen.
Und es ist nicht allein die Bruttätigkeit der heimischen Tauben, die den Schwarm stabil hält. Immer wieder verirren sich auch Tauben von außerhalb nach Leinfelden-Echterdingen. Eine polnische Brieftaube war ebenso schon Teil des hiesigen Schwarms wie sogenannte Hochzeitstauben. Gemein ist den Tieren, dass sie eigentlich keine Wildtiere sind. Vielmehr sind es verwilderte Zucht- oder Haustiere, was die Frage aufwirft, wer für die Pflege der Vögel eigentlich zuständig ist. Womöglich ergibt sich aus dem Tierschutzrecht sowie dem Fundrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Art staatliche Fürsorgepflicht. Abschließend geklärt scheint diese Frage aber noch nicht zu sein.
Trotzdem sorgt es für Unverständnis bei den Tierschützern, dass die Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen kürzlich aus Kostengründen wieder Abstand von den Plänen für einen Taubenschlag beim Bahnhof in Leinfelden nehmen wollte. Die Meinungen darüber, ob es dort überhaupt ein Taubenproblem gibt oder nicht, gehen auseinander. Jedenfalls soll der Taubenschlag nach deutlichen Protesten aus den Reihen des Gemeinderates nun doch aufgestellt werden – wenn auch als Taubenwagen und nicht wie ursprünglich geplant als Taubenturm.
Ursprung
Ganz restlos scheint die Herkunft nicht geklärt zu sein. Vieles spricht aber dafür, dass die heutige Stadttaube von verwilderten Haus- und Brieftauben abstammt, die einst aus der Felsentaube gezüchtet wurden.
Krankheiten
Viele Menschen befürchten, dass Tauben Krankheiten übertragen. Dabei ist die Angst laut Deutschem Tierschutzbund unberechtigt. Es sei belegt, dass die Ansteckungsgefahr durch Tauben nicht größer ist als die durch andere Vögel oder Haustiere wie zum Beispiel Hunde oder Katzen sei.