Der Verein Flugmodus bewahrt mit seinen Drohnen Rehkitze vor dem Tod im Mähwerk. Doch ausgerechnet bei den Landwirten ist die Spendenbereitschaft gering.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Was für eine Saison: Mit 51 Flugtagen liegt das bislang geschäftigste Jahr hinter den Rehkitzrettern im Rems-Murr-Kreis. Mit ihren Drohnen, Transportboxen, Keschern und Handschuhen ausgerüstet, rücken die Freiwilligen vom Verein Flugmodus im Frühsommer und Sommer in den Rems-Murr-Kreis aus, um Wiesen nach Rehkitzen abzusuchen, bevor diese gemäht werden.

 

Die Tierschützer retteten dabei 597 Kitze – wobei es zu bedenken gilt, dass manche der Tiere bei mehreren Einsätzen doppelt gesichert beziehungsweise verscheucht worden sein können. Wiesen abzusuchen gab es jedenfalls viele – die Ehrenamtlichen überprüften 2231 Wiesen mit einer Gesamtfläche von mehr als 3600 Hektar.

Mehr Wiesen abgesucht – und weniger Kitze gerettet als 2023

Die Einsätze finden meist am frühen Morgen statt. Foto: Flugmodus

Angesichts dieser Fläche überrascht es etwas, dass der Verein vor zwei Jahren auf weniger Wiesen deutlich mehr Rehkitze gerettet hat. Der Vorsitzende Andreas Metz hat eine Erklärung dafür: „Das ist vor allem auf das Wetter zurückzuführen.“ Durch das warme Frühjahr mähten viele Landwirte und Stücklesbesitzer ihre Wiesen 2025 bereits so früh, dass die Kitze noch nicht geboren waren. Erst bei der zweiten Mahd galt es dann, Tiere zu retten.

Der Verein hatte in diesem Jahr auch einige Spezialeinsätze: Gleich zweimal rückten Teams aus, um entlaufene Kuhkälber zu finden. In einem Fall gelang dies nicht – eines der Tiere wurde verendet in einem Wald aufgefunden. Die Drohnen hatten angesichts der Baumdecke hier keine Chance. Beim zweiten derartigen Einsatz lief es glatter – und das entlaufene Tier wurde nach stundenlanger Suche friedlich schlafend direkt neben dem Bauernhof gefunden, von dem es entlaufen war. Auch bei der Suche nach zwei vermissten Personen beteiligte sich Flugmodus – „alles in Abstimmung mit der Polizei“, betont Metz.

Kostet der Einsatz der Kitzrettung künftig etwas?

Eines bereitet ihm aber Sorge: Derzeit sieht es bei den Kitzrettern finanziell noch ganz gut aus. Aber die eingesetzten Drohnen werden älter, „für einige Modelle gibt es schon jetzt keine Akkus mehr zu kaufen“. Daher stehen vor der nächsten Saison einige teure Anschaffungen bevor, „im kommenden Jahr brauchen wir voraussichtlich 16.000 Euro“, so Metz. Trotz staatlicher Förderung sei der Verein auf Spenden angewiesen.

Aber gerade bei jener Gruppe, die – abgesehen von den Rehkitzen selbst – am meisten von den Einsätzen der Ehrenamtlichen profitiert, sei die Spendenbereitschaft ziemlich gering, klagt Metz. „Von den Landwirten kommt mit rund 2000 Euro pro Jahr leider ziemlich wenig – und dabei unterstützen wir sie bei der Suche nach Rehkitzen, zu der sie gesetzlich verpflichtet sind.“

Er hofft, dass seine Appelle Wirkung zeigen, pro Hektar Fläche entstünden dem Verein Kosten von rund fünf Euro. „Wenn die Spendenbereitschaft nicht zunimmt, müssen wir die Kitzrettung ab 2027 kostenpflichtig machen.“ Was Metz nicht hofft – denn sollte es so weit kommen, fürchtet er, dass einige Landwirte wieder abspringen und mehr Rehkitze den Tod im Mähwerk finden werden.

Mehr Infos zum Verein Flugmodus gibt es im Netz unter www.flug-modus.de.

Rehkitzrettung

Fatal
Junge Rehkitze haben keinen Fluchtinstinkt. Sie vertrauen auf ihre Tarnung und ducken sich tief ins hohe Gras – naht ein Mähwerk, ist das ein Todesurteil. Daher sind Landwirte und Stücklesbesitzer gesetzlich verpflichtet, Vorkehrungen zu treffen, um dies zu verhindern.

Einsätze
Die Rehkitzretter fliegen frühmorgens Wiesen, die gemäht werden sollen, mit einer Wärmebilddrohne ab. Wird ein Kitz entdeckt, ziehen Helfer los, die das Tier sichern und in einem Transportkorb neben die Wiese stellen, bis diese gemäht ist. Den Verein Flugmodus gibt es seit 2020, die Zahl der Piloten und Helfer ist seitdem stark gewachsen. Auch das DRK und die Kreisjägerschaft beteiligen sich. In diesem Jahr hat sich jedoch gezeigt: Vor allem im Raum Großerlach und Murrhardt sind viele Wiesen, hier werden mehr Helfer gebraucht.