Tierschutz in Waiblingen Vom Kampfhund bis zur Kobra

Herrenlose Hunde und alle anderen Fundtiere Foto: dpa
Herrenlose Hunde und alle anderen Fundtiere Foto: dpa

Der Tierschutzverein Waiblingen hat kein Tierheim, übernimmt aber Anfang 2016 die Betreuung aller Fundtiere in seinem Gebiet, für die über Jahrzehnte offiziell das Tierheim Ludwigsburg zuständig war. Die Waiblinger setzen auf Pflegestellen, was nicht jeden überzeugt.

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Waiblingen/Ludwigsburg - Sie währt schon mehr als 25 Jahre, die Kooperation mehrerer Kommunen im unteren Remstal mit dem Tierschutzverein Ludwigsburg. Das dortige Tierheim, so die Abmachung, kümmert sich gegen Bezahlung um alle Fundtiere – verletzt oder unverletzt, Haus- oder Wildtier – die auf den Gemarkungen von Waiblingen, Weinstadt, Korb und Kernen entdeckt werden. Doch damit ist nun wohl Schluss: Von 1. Januar an soll der Tierschutzverein Waiblingen und Umgebung der neue Vertragspartner werden und für Fundtiere aller Arten zuständig sein.

Eine Entscheidung, mit der nicht jeder glücklich ist: Manche Ehrenamtliche, die Pflegestellen anbieten, und auch Vereinsmitglieder haben Zweifel, ob das funktionieren kann. Denn der Tierschutzverein Waiblingen hat kein eigenes Tierheim und keine Quarantänestation, sondern setzt auf private Pflegestellen. Was passiert, wenn eine giftige Königskobra oder ein aggressiver Kampfhund gefunden wird, fragen sich diese Kritiker.

In ihren Zweifeln bestätigt fühlen sie sich durch den Fall eines jüngst in völlig verwahrlostem Zustand aufgefundenen Hundes. Das Tier war an einem Sonntag im Juli vom Tierschutzverein Waiblingen in Obhut genommen und auf eine Pflegestelle gebracht worden. Am darauffolgenden Tag wurde der Hund Wolle zu einem Tierarzt gebracht, der Madenbefall und eine Blutvergiftung feststellte und das Tier einschläferte. Viel zu spät, wie die Kritiker finden.

Netzwerk statt Tierheim

„Das ist eine traurige Geschichte, aber es ist schwierig, das im Nachhinein zu beurteilen“, sagt Oliver Conradt von der Stadt Waiblingen über diesen Fundhund. In den vergangenen Jahren habe der Tierschutzverein Waiblingen „gezeigt, dass er leistungsfähig und in der Lage ist, das mit Ehrenamtlichen abzudecken“. Auch habe sich der Verein ein Netzwerk von Annahmestellen aufgebaut. „Die Aufgabe ist sicher nicht einfach, aber nicht unmöglich“, sagt Conradt. Zwar sei der Tierschutzverein Ludwigsburg ein guter Partner gewesen, „aber wir wollen Vereine vor Ort fördern“. Auch hätten die Ludwigsburger eine neue Berechnung der Kosten gefordert – „das kam zusammen“.

Die geplanten Gebührenerhöhungen und der Wunsch, einen Verein vor Ort zu unterstützen, nennt auch Simone Beißwenger von der städtischen Pressestelle Weinstadt als Gründe dafür, dass die Kommune ihren Vertrag mit dem Tierschutzverein Ludwigsburg nicht verlängert hat. Raimon Ahrens, der Korber Ordnungsamtsleiter, begründet den Wechsel seiner Gemeinde zum Tierschutzverein Waiblingen damit, dass der Tierschutzverein Ludwigsburg „Änderungswünsche“ angemeldet habe.

Vereinsvorsitzende: Es ändert sich im Prinzip nichts

„Ich finde, das ist der richtige Schritt“, sagt Annemarie Werner, die Vorsitzende des Waiblinger Tierschutzvereins über die neue Kooperation. Ihr Verein habe sich bisher schon um Fundtiere gekümmert und sie auf privaten Pflegestellen untergebracht. „Das Tier steht für uns im Fokus. Wir haben das Geschäft gehabt und kein Geld dafür bekommen.“ Im Prinzip ändere sich also nichts, außer, dass man nun für die Arbeit bezahlt werde.

Vertraglich vereinbart ist laut Werner, dass die Kommunen 75 Cent pro Einwohner berappen. Man habe sich im Laufe von zwei Jahren in Gesprächen „peu à peu aneinander herangetastet“, sagt Werner zu den neuen Verträgen. Das Thema habe sie in Mitgliederversammlungen angesprochen, eine Abstimmung oder Befragung der Mitglieder habe es aber nicht gegeben.

Die Zahl der verfügbaren Pflegestellen könne sie nicht genau beziffern, da sie sich häufig ändere. „Wir haben keine Pflegestelle, wo wir eine giftige Schlange oder einen aggressiven Kampfhund unterbringen könnten. Aber es gibt Tierheime, wo das geht.“ Mit diesen Stellen müsse man kooperieren. Netzwerke knüpfe man bei Treffen mit anderen Vereinen und auf sie müsse man auch in Fällen von Animal Hoarding, Tiersammelwut, zurückgreifen.

„Wir brauchen aber einen Platz, auf den wir eine Auffangstation stellen können“, skizziert die Vereinsvorsitzende die Zukunftspläne. Allerdings sei es äußerst schwierig, ein Grundstück zu finden. So lange der Verein keine Quarantänestation habe, „kann man bei Seuchenverdacht mit einem Tierarzt eine Vereinbarung treffen, dass das Tier dort bleibt“.




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