Tiersex-Ausstellung Bettwanzen haben keinen Kuschelsex

Von Katharina Sorg 

Das Rosensteinmuseum in Stuttgart eröffnet am Mittwoch die Ausstellung "Sex". Sie dreht sich um das große Kamasutra der Tierwelt.

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Stuttgart - Gleich am Eingang läuft die Livesexshow. Hinter der Glasscheibe stehen Besucher und schauen zu, wie sich dünne Fingerchen ineinanderkrallen, schuppige Körper im Liebestaumel winden, dann ekstatisch erstarren. Dass sie bei ihrem Geschlechtsakt im Terrarium ständig Publikum vor der Nase haben, nehmen die sechs grellgrünen Echsen mit großer Gelassenheit zur Kenntnis.

Vor dem Rosensteinmuseum raucht Arnold Staniczek eine Pausenzigarette. Der Biologe und Insektenkundler hat sich die Schau ausgedacht. Er könnte so viele Anekdoten über tierischen Sex erzählen, dass er zum Star jeder launigen Tischrunde aufsteigen würde. Er hat sie sich allerdings für die Sonderausstellung aufgehoben.

Grundregel: nicht die Frau, sondern der Mann muss sich herausputzen. "Es ist vielen Menschen gar nicht bewusst, dass im Tierreich immer die Weibchen auswählen. Sie entscheiden, wer Vater ihrer Kinder wird", sagt Staniczek. Um eine Chance zu haben, muss sich der Mann ordentlich ins Zeug legen. Neben einem attraktiven Äußeren ist auch Muskelkraft gefragt. Hirsche und Kängurus etwa kämpfen um ihre Braut. Der Stärkere zieht dabei nie den Kürzeren, denn Frauen stehen auf Sieger.

Die Ausstellung ist auch für Kinder geeignet

Ein Jahr haben Staniczek und seine Mitarbeiter an der Ausstellung gearbeitet, am Mittwoch wird sie eröffnet. "SEX" ist in großen grellgrünen Lettern auf dem Plakat zu lesen. Darauf besteigt eine Echse eine andere. Die ersten Reaktionen darauf seien durchaus recht unterschiedlich gewesen, sagt der Forscher und lächelt. "Sex ist überall ein Thema, nur haben viele Wissenschaftler Manschetten, sich dieser Sache auch mal in einer Ausstellung anzunehmen." In Stuttgart nicht. Die Schau trägt auch keinen akademisch-braven Titel wie "Fortpflanzung im Tierreich" oder "Die Vermehrung der Arten", sondern heißt einfach nur: "Sex".

"Sex ist die zentrale Säule der Evolution und treibt nicht weniger als die Entwicklung des Lebens voran", sagt Staniczek. Und ja, die Ausstellung sei auch für Kinder geeignet, das werde er momentan immer als Erstes gefragt. Man könne bedenkenlos mit Fünftklässlern an den Glaskästen vorbeispazieren und erkunden, was sich die Natur zum Thema so alles hat einfallen lassen.

Brautgeschenke zum Beispiel. "Beim ersten Date ist es immer gut, eine Kleinigkeit dabeizuhaben", weiß der Wissenschaftler. Ein Mitbringsel gehört bei vielen Tierdamen zum guten Ton. Die Adelie-Pinguindame liebt zum Beispiel Steine. Die sind ideal für den Nestbau und in der Antarktis Mangelware. Die Strategie für den Pinguinherren ist also denkbar einfach: ein Stelldichein gegen einen guten Stein.




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