Tierversuche in Baden-Württemberg Ministerium will Tierschützer und Forscher an einen Tisch bringen

In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Tierversuche wie in Baden-Württemberg. Foto: dpa
In keinem anderen Bundesland gibt es so viele Tierversuche wie in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Ministerin Bauer will den Austausch von Tierschützern und Grundlagenforschern fördern. Die brisante Frage: Sind Experimente an Tieren vermeidbar?

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Stuttgart - In die Debatte über das Für und Wider von Tierversuchen in der Grundlagenforschung schaltet sich jetzt auch das Wissenschaftsministerium ein. In der ersten Jahreshälfte sei zu dem Thema Tierschutz und Genehmigungspraxis bei Tierversuchen eine Veranstaltung geplant, kündigte Ressortchefin Theresia Bauer (Grüne) an. „Wir müssen mit den Menschen darüber reden, in wieweit solche Forschung benötigt wird.“

Bei Tierexperimenten seien höchste ethische Standards anzulegen. Außerdem müsse darauf geachtet werden, solche Versuche durch andere Methoden zu ersetzen oder ihre Zahl zu verringern. Die Forschung an Tieren werde sich aber nicht in ein oder zwei Jahrzehnten erledigt haben.

Nirgendwo mehr Tierversuche als in Baden-Württemberg

Mit der Veranstaltung reagiert Bauer auch auf die Kritik von Wissenschaftlern an den aus deren Sicht zu langwierigen Genehmigungsverfahren. Tierschützer hingegen geht das deutsche Tierschutzrecht nicht weit genug. Sie verweisen auf Alternativen zu Experimenten mit Tieren.

Nirgendwo sonst in Deutschland sind im Jahr 2017 so viele Tiere für wissenschaftliche Experimente eingesetzt worden wie in Baden-Württemberg. Das Bundesland lag mit rund 466 500 Versuchstieren einmal mehr an der Spitze, vor Nordrhein-Westfalen und Bayern. Allerdings gab es einen leichten Rückgang um rund 14 000 Tiere im Vergleich zum Jahr 2016.

Kritik an Verwaltungsaufwand

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sieht den biomedizinischen Fortschritt und die Konkurrenzfähigkeit des Forschungsstandortes Deutschland gefährdet: Unter anderem sei der Verwaltungsaufwand für die Wissenschaftler zu hoch und Verfahrensfragen nicht einheitlich geregelt. Die Anträge müssten abstrakter und weniger detailreich formuliert werden dürfen - ohne Abstriche beim Tierschutz, fordert Andreas Trumpp, Stammzell-Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Thekla Walker, begrüßte die Initiative. Forschung setze immer noch zu sehr auf Tierversuche. Künstliche Intelligenz, Big Data und moderne Alternativmethoden böten neue Chancen. „Es geht ums Tierwohl, aber auch darum, den Anschluss an andere Länder zu halten, die hier schon viel weiter sind.“ Besonders der Tierverbrauch zu Lehrzwecken sei vermeidbar.

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