InterviewTil Schweiger über bipolare Störungen „Meine Tochter hat den Impuls gegeben“

Til Schweiger ist in vielfältiger Weise mit dem Film verbunden. Foto: dpa/Stefan Sauer
Til Schweiger ist in vielfältiger Weise mit dem Film verbunden. Foto: dpa/Stefan Sauer

Til Schweiger hat soeben den Film „Die Rettung der uns bekannten Welt“ in die Kinos gebracht. Der Drehbuchautor, Regisseur und Darsteller erzählt, wie er auf die Ideen zu dem Film kam.

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Hamburg - Der 18-jährige Paul (Emilio Sakraya) ist ein liebevoller großer Bruder, ein renitenter Schüler und ein waghalsiger Parkour-Sportler, dem wenig an seinem Leben zu liegen scheint. Als sein zunehmend verzweifelter Vater Hardy (Til Schweiger) erkennt, dass sein Sohn an einer bipolaren Störung leidet, lässt er Paul in eine geschlossene Einrichtung für Jugendliche einweisen, wo er sich in eine Mitbewohnerin verliebt. Eine neue Chance? Wir sprachen mit dem Co-Autor, Produzenten, Regisseur und Schauspieler Til Schweiger über seinen Film.

Herr Schweiger, eine bipolare Freundin Ihrer Tochter Emma hat den Impuls dazu gegeben, dass Sie sich dieses heiklen Themas angenommen haben. Haben Sie auch mit dem Mädchen und seinen Eltern gesprochen?

Ja. Tatsächlich kenne ich dieses Mädchen schon lange, aber ich habe nichts davon ­gewusst. Ich war ganz überrascht, als Emma mir davon erzählt hat. Das war tatsächlich die Initialzündung, daraus eine Geschichte zu machen. Vorher hatte ich immer gesagt, dass mir zum Thema Depressionen keine Story einfällt, bei der die Leute nicht nach 20 Minuten aus dem Kino rennen.

Hatten Sie eine fachliche Beratung?

Bei „Honig im Kopf“ haben wir uns mit einem Hirnforscher zusammengesetzt, uns mit Krankenpflegepersonal und der Heimleitung unterhalten und Geschichten gesammelt. Das haben wir diesmal nicht gemacht. Ich habe das Drehbuch mit Lo Malinke geschrieben. Seine erste Fassung war schon richtig gut, denn er ist in seinem engsten Umfeld seit 20 Jahren mit diesem Thema konfrontiert. Bei einem ehemals sehr guten Freund habe ich mich auch immer gewundert, warum er einmal so war und einmal so. Die Diagnose „bipolar“ gab es Anfang der 80er Jahre noch nicht. Rückblickend ist es ganz klar, dass er bipolar war.

Waren Sie selbst ein völlig ausgeglichener Jugendlicher, oder haben Sie auch Dummheiten gemacht?

Ich habe sehr viele Dummheiten gemacht, so wie ich auch heute noch Dummheiten mache. (lacht)

Sie sind durch den Film „Kalte Füße“ auf den jungen Hauptdarsteller Emilio Sakraya aufmerksam geworden. Wie ist es ihm gelungen, Ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen?

Dass er gut aussieht, sieht ja selbst ein Blinder. Aber es waren auch seine Virilität und seine Spielfreude, seine Mimik, seine Stimme. Ich habe mit ihm geschnackt, ihm von dem Drehbuch erzählt und gesagt, dass er meinen Sohn spielen soll. Da sagt er: „Ja klar, weil ich auch so aussehe wie dein Sohn.“ Er ist kein blonder Junge, sondern ein extrem gut aussehender Kerl mit Migrationshintergrund. Deswegen mussten wir die passende Mutter finden. Das ist uns dann auch gelungen – mit seiner echten Mutter.

Hardy erlebt in Ihrem Film bei einem Online-Date eine ziemliche Überraschung. Finden Sie es gut oder eher schade, dass Beziehungen heute oft auf diese Weise entstehen?

Meine Kinder haben mich damals gegrillt, als ich ihnen gesagt habe, dass ich Svenja über Facebook kennengelernt habe. Mittlerweile lernen sie selbst Leute über das Internet kennen. Ich finde, es spricht überhaupt nichts dagegen, sich über Instagram oder Facebook kennenzulernen, wenn es passt.

Info

Filmschaffender
Til Schweiger, geboren 1963 in Freiburg, ist Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er wurde in den 1990er Jahren durch Kinofilme wie „Manta, Manta“ und „Knockin’ on Heaven’s Door“ bekannt. Filme wie „Keinohrhasen“ und „Honig im Kopf“, bei denen er Regisseur, Produzent und Darsteller war, hatten Millionen Kinozuschauer.

Film
 „Die Rettung der uns bekannten Welt“ ist derzeit im Kino zu sehen. 




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