Tim Fischer mit Gerhard Woydas Liedern Die Premiere gerät durchwachsen

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Tim Fischer hat mit dem Programm "Satiriker sind keine Lyriker" und Songs von Gerhard Woyda Premiere gefeiert. Mit Brüchen.

 Foto: Zweygarth
Foto: Zweygarth

Stuttgart - „Satiriker sind keine Lyriker“. Der Satz steht als Motto über dem Abend. „Tim Fischer singt Gerhard Woyda“ würde auch durchgehen. Ein singender Pfau und ein liederdichtender Theatergründer haben sich zu einem Abendprogramm zusammengetan. Der eine 38, der andere 86. „50 Jahre Renitenztheater“, Woyda als Gründervater und Tim Fischer als gelehriger Schüler. Doch jetzt ist Premiere einer neuen Gemeinsamkeit.

Woyda sitzt hinten und tritt immer öfter vor ans Klavier, das ansonsten der etatmäßige Begleiter Rainer Bielfeldt bedient. Die Posen sitzen bei Fischer noch nicht so recht. Er ist noch nicht „drinnen“, muss noch etwas zu sehr auf sein bewährtes Repertoire zwischen Zarah Leander und Hildegard Knef zurückgreifen. „Satiriker sind keine Lyriker“ so die melodieverliebten Sätze ganz zu Anfang. „Sie schlagen dir die Wahrheit ins Gesicht“. Und: „Sie schützen die Gesellschaft vor Ungerechtigkeit und geben selbst 'nen Staatsmann der Lächerlichkeit preis. Und dann folgt im Refrain: „Satire, die Zeit schreit nach Satire“.

So manche Kopfnuss täte gut

Das ganz klare Ding. Auf den Punkt gebracht. In diesem Falle vielleicht sogar zu klar. Schließlich täte so manche Kopfnuss gut, würden mehr Pointen oder Gags besser durch den Abend tragen. Der erste Teil des Abends gerät etwas steif, etwas zu gelehrsam. Schwierig, da mitzukommen. Konzentriert zu bleiben. Die Wirklichkeit jedenfalls ist nicht so harmlos gereimt.

Der auch als Zugabe wiederholte Schlager des Abends geht dann so: „Komm nach Guantanamo, dort wirst Du deines Lebens froh, denn in Guantanamo, lebst Du freihaus, es kräht kein Hahn nach Dir, du kommst nicht raus“. Das Klavier spielt Mambo. Flott und beschwingt. Ob das die wahre Satire ist? Oder vielmehr die weise Perspektive der Allwissenden?

Der Fischer bleibt beherrscht und übertreibt doch manchmal mit Grimassen, wirkt an der falschen Stelle exaltiert. Wir sind uns einig mit ihm und gegen Krieg. Gegen die böse Welt. Logisch. Und alle machen mit. Ach ja. Wie's im Renitenz so Brauch ist, werden am Ende der Premiere Blumen überreicht. Darauf setzt das Trio mit dem gütigen Woyda im Hintergrund den Song „Ich hasse Blumen“ hinzu. Guter Gag. Ein paar solcher Frechheiten mehr hätten noch gut getan.