Timm Kern weiß, warum Bürgermeister abgewählt werden „Zwei Sehnsüchte spielen eine Rolle“

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Die Bürger wollen einen Bürgermeister zum Anfassen, der auch Führungsqualitäten besitzt. Warum aber werden auch solch gute Bürgermeister abgewählt?

Region: Corinna Meinke (com)
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In einer Art Praxisleitfaden für Bürgermeister hat der FDP-Landtagsabgeordnete Timm Kern (42) aus Tübingen die Abwahl von 173 Bürger- und Oberbürgermeistern in Baden-Württemberg untersucht. Er hat sehr unterschiedliche Gründe dafür gefunden
Herr Kern, ist alles nur Psychologie?
Die Wähler sind auf jeden Fall demokratiereifer geworden, und die Autorität der Gewählten ist nicht mehr sakrosankt. Ich habe zwei tiefenpsychologische Sehnsüchte entdeckt, als ich die Fälle um der Prognostizierbarkeit willen sehr verallgemeinerte.
Und die wären?
Der Wähler will sich mit seinem Bürgermeister identifizieren. Er soll einer von uns und nicht überheblich sein. Und er braucht Anführerqualitäten, damit man ein Stück weit zu ihm aufblicken kann. Deshalb sollte er nicht mit allen Leuten im Ort per Du sein, davor warne ich, auch wenn es eine kleine Gemeinde ist. Ein ­erfolgreicher Bürgermeister kann diese Gegensätze verbinden.
Warum wählt man gute Bürgermeister ab?
Die Zufriedenen gehen oft nicht zur Wahl, und so kann der Schuss vor den Bug der Unzufriedenen das Schiff zum Kentern bringen. In Kommunen, wo früher bereits abgewählt wurde, kommt es eher zu weiteren Abwahlen. Das ist ein Lernverhalten nach dem Motto: Warum sollte man das nicht wieder tun? Zudem haben wir im Bundesvergleich mit acht Jahren die längsten Amtsperioden. In ein oder zwei Amtsperioden staut sich vieles auf.




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