Tin Tin Bar-Betreiber im Interview „Gestern kam die Absage der Bank“

Von Michael Weier 

Restaurants trifft die Coronakrise hart, Bars trifft sie noch härter. Das Tin Tin reagiert und bietet Cocktails zum Mitnehmen an, in Flaschen gefüllt. Damit, so hoffen die Betreiber, können sie sich eine Weile über Wasser halten.

Benji Blomenhofer (rechts) und Jonas Hald mit den Cocktails to go Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Benji Blomenhofer (rechts) und Jonas Hald mit den Cocktails to go Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Wenn der Gast nicht in die Bar darf, dann kommt die Bar halt ins Wohnzimmer. Mit Cocktails zum Mitnehmen. Die Bar Tin Tin füllt ihre edlen Mixturen einfach in Flaschen. Das Geschäft läuft sogar gut, aber mittelfristig reicht der Gewinn mit diesem Geschäftsmodell nicht. Im Interview klagt Chef Benji Blomenhofer über die Hilfen.

Herr Blomenhofer, für Cocktails im eigenen Heim kaufe ich doch einfach im Supermarkt ein. Woher kommt die Idee, Cocktails zum Mitnehmen zu mixen?

Tatsächlich haben wir die Idee nur gehabt, weil wir 50 Prozent unserer Zutaten für die Cocktails selbst produzieren. Sämtliche Sirupe werden bei uns mit ganz frischen Zutaten gemacht, wir verwenden keinerlei E-Zusatzstoffe.

Das heißt?

Wenn wir zum Beispiel noch bis Juni zuhätten, wäre alles kaputt gegangen. Die Sachen halten sich nicht so lang. Auch unsere Liköre werden mit frischen Früchten zubereitet, nach einer gewissen Zeit sind die nicht mehr gut. Und wir haben ja kein Labor, um das nach einigen Wochen zu testen.

Klingeln muss man bei euch ja sowieso schon immer?

Genau. Das Schöne nun ist: Wir bereiten die Cocktails immer ganz frisch zu, sofern jemand bestellt. Nach dem Motto: Hol dir deine Bar nach Hause!

Und das Geschäftsmodell funktioniert?

Wir schaffen über 50 Prozent unseres Barumsatzes, immerhin. Aber wir verkaufen auch günstig, schließlich genießt der Gast ja nicht mehr die ganzen anderen Behaglichkeiten unserer Bar. Unser Drink Melissen dissen kostet in der Bar zwölf Euro, nun verkaufen wir die fünffache Menge für 20 Euro. Wir müssen nun natürlich mehr auf die Masse gehen.

Wie sieht es mit Hilfen aus?

Haben wir beantragt, die Soforthilfe deckt die Kosten von einem Monat.

Gibt’s Kredite?

Gestern kam die Absage von der Bank. Wir haben 50 000 Euro zur Überbrückung beantragt, das hat uns die Bürgschaftsbank so empfohlen. Die hätten auch 80 Prozent abgesichert. Dennoch sagte uns die Bank ab, obwohl es nur um 10 000 Euro gegangen wäre.

Und andere Wege?

Ein KfW-Darlehen erhalten wir nicht, da wir keine festen Mitarbeiter haben; wir werden nun dafür bestraft, dass wir den Laden mit den drei Gesellschaftern schmeißen. Uns ist klar, dass wir uns in einer Branche befinden, die risikobehaftet ist, aber ich hätte mir schon etwas mehr Flexibilität vom Staat gewünscht.

Und nun . . .

. . . wenden wir uns an andere Banken. Aber wir haben ja keine Ahnung, wann und wie wir wieder öffnen! Und keiner hat eine Ahnung, wie dann die Kaufkraft bei den Leuten nachgelassen hat. Wir können nur hoffen.

Als Experte in Sachen Drinks: Ist Alkohol eine Lösung?

Nein, auf keinen Fall. Aber wenn jemand sonst am Wochenende einen Drink zu sich genommen hat, kann er dies nun eben zu Hause machen. Alkohol ist nur ein Destillat. Aber wir haben auch eine Auswahl an alkoholfreien Drinks!

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