Tiny-Haus mit Sauna im Garten „Es fehlt nichts“ – Voice-of-Germany-Kandidat lebt in einmaligem Mini-Haus

Simon Fetzer hat in seinem Haus ultrakurze Wege, die Küche ist so etwas wie das Kommunikationszentrum. Foto: Simon Granville

Der Musiker und Schreiner Simon Fetzer aus Oberriexingen (Kreis Ludwigsburg) lebt in einer früheren Rumpelkammer. Wenn ihm danach ist, kann er im Garten sogar saunieren gehen.

Simon Fetzer hat ein Faible für Tennis. Auf seinem Fernseher läuft an diesem Samstagvormittag das Finale der Damen bei den Australian Open. Der Ton ist aber abgeschaltet. So kann Fetzer nebenbei ungestört einen Song spielen. Er setzt sich ans Piano, von dem aus er das TV-Gerät berühren könnte. Dann stimmt er ein Stück an, das er selbst komponiert hat. Nach dem Schlussakkord dreht er sich lächelnd um. Zwei Sekunden später steht er schon in der Küche und bereitet einen Kaffee zu. Genauso schnell hätte er auch sein Bett erreichen können. Oder das Bad. Oder jedes andere Plätzchen in seinem Zuhause.

 

Der Oberriexinger lebt auf nur 23 Quadratmetern – in einem kleinen Anbau seines früheren Wohnhauses. Das Tiny-Haus hat er in den vergangenen Jahren nach eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen eingerichtet und gestaltet.

Bei „The Voice of Germany“ teilgenommen

Für viele andere wäre es wahrscheinlich schwer vorstellbar, sich mit einer so überschaubaren Fläche arrangieren zu müssen. Simon Fetzer empfindet diesen Minimalismus, diese Besinnung auf das Wesentliche hingegen als Segen. „Mir fehlt es hier an nichts. Ich schaffe hier Konzentration durch Reduktion“, betont der 57-Jährige.

Enorm wichtig ist Simon Fetzer, dass er in dem Mini-Haus an seiner Musik feilen kann. Foto: Simon Granville

Auf kleinem Raum ist alles vereint, was er braucht. Sein Herd hat vier Kochplatten. Die Lebensmittel und das Geschirr sind in Einbauschränken verstaut. Fetzer kann also nach Herzenslust kochen, eine seiner großen Leidenschaften. Der Schreinermeister mit eigenem Unternehmen in Tamm hat überdies die Möglichkeit, zwischen Bett und Küche an einer schmalen Holzplatte am Computer zu arbeiten.

Enorm wichtig ist ihm zudem, dass er in seinen eigenen vier Wänden an seiner Musik basteln kann. „Ich habe mit zwölf schon eigene Songs geschrieben, hatte früh eine eigene Band und wurde sieben Jahre von einem Opernsänger klassisch ausgebildet“, erklärt er. Entsprechend hat er sein außergewöhnliches Tiny-Haus so konzipiert, dass er dort Instrumente und technisches Equipment unterbringen kann.

Stilistisch ist Fetzer im Singer-Songwriter-Genre beheimatet. „Es darf in die Tiefe gehen bei den Lyrics. Das ist mein Weg. Deep Shit“, sagt er. Fetzer hat sich sogar schon für die TV-Show „The Voice of Germany“ qualifiziert, schied dort erst in einer Zwischenrunde aus. Die Staffel mit dem Oberriexinger wurde 2021 ausgestrahlt. Sein Auftritt in der Sendung hängt auch mit dem Umzug in das Tiny-Haus zusammen, den er zwei Jahre zuvor in Angriff genommen hatte

Er steckte 2019 in einer komplizierten Phase. Seine Lebensgefährtin und er hatten sich getrennt. „Ich stand kurz vor einem Burn-out, war in einer Krise“, erklärt er. Auf der Bühne plagte ihn in fast krankhafter Manier Lampenfieber. Er habe deshalb seine volle Leistungsstärke als Musiker nicht ausschöpfen können, sagt er.

„Man muss auf jeden Fall die Ordnung halten, sonst wird man verrückt und hat keine Freude daran.“

Simon Fetzer, über ein Grundprinzip fürs Tiny-Haus-Leben

Die Rettung kam dann quasi erzwungenermaßen. Simon Fetzer wohnte damals noch im Haupthaus desselben Grundstücks. Nach der Trennung waren die Räumlichkeiten aus seiner Sicht für ihn völlig überdimensioniert. Genau umgekehrt war die Lage bei seinem Neffen, der bei ihm eingezogen war und bei dem sich just in der Phase eine Familiengründung anbahnte. „So entstand bei mir die Idee, meinem Neffen im Haus die Bahn freizumachen, den Anbau am Haus zu entmüllen und dort einzuziehen. Der Raum war bis dahin eine reine Rumpelkammer“, sagt Fetzer.

Akribisch überlegte Fetzer, was für ihn unverzichtbar ist, entwarf unter der Prämisse ein Konzept – und baute die Rumpelkammer zu einem hinreißenden Tiny-Haus um, inklusive kleinem, offenem Kamin. Außerdem zweigte er rund zwei Quadratmeter von der direkt angrenzenden Garage ab, um dort das Bad und einen Abstellraum anzusiedeln. Vor dem Umzug ging Fetzer all seine Fotos und Sachen durch und trennte sich von allem, das er nicht unbedingt brauchte.

Gleichzeitig machte er sich daran, sich innerlich aufzuräumen. Zum Beispiel machte er sich via Mentaltraining frei von seiner Bühnennervosität, was ihm überhaupt erst den Weg zu dem Gastspiel bei „The Voice of Germany“ ebnete. Die Fensterscheibe ist noch heute übersät mit Post-its, die ihn an Grundprinzipien erinnern sollen. Auf den Klebezetteln stehen Leitsätze wie „Täglich Fühler ausstrecken“, „Stell Dich wieder her“ oder „Was gehört sich“.

Eine Designerhütte zum Meditieren

Simon Fetzer genießt in seinem Dojo den Blick in den Garten. Foto: Simon Granville

Fetzer hat überdies das Meditieren für sich entdeckt. Das kann er mittlerweile sogar in einem separaten Raum: einem schmucken Dojo mit Terrasse, das er sich im Sommer in den Garten gezimmert hat. In der Designerhütte können auch Gäste übernachten. Ein Infrarotlicht erzeugt dort selbst im Winter auf den neun Quadratmetern eine kuschelige Wärme. Schon länger gibt es zudem die Holzfass-Sauna ein paar Meter daneben. Alle paar Wochen entspannt sich Fetzer hier beim Schwitzen.

Sein Traum wäre, dieses Lebensgefühl in einer Art Kommune mit Gleichgesinnten zu teilen und eine Tiny-Haus-Siedlung zu gründen. „Ich glaube, das wäre eine starke Gemeinschaft. Wenn man sich damit wohlfühlt, ist das schon ein interessantes Wohnkonzept“, erklärt er. Ihm sei aber bewusst, dass dafür in Deutschland die Bauplätze fehlen. Und er macht auch klar, dass ein Tiny-Haus nicht jeden glücklich macht. „Man muss auf jeden Fall die Ordnung halten, sonst wird man verrückt und hat keine Freude daran“, sagt er.

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