Direkt neben dem eigentlichen Wohnhaus in einer grünen Oase befindet sich das Tiny House – Hardy Langer hat diesem einen künstlerischen Touch verliehen. Foto: Gottfried Stoppel
Er wohnt in Plüderhausen, hat ein Atelier in Schorndorf und bereist die Welt. Hardy Langer ist Künstler durch und durch. Das merkt man auch seinem Tiny House an. Ein Vor-Ort-Besuch.
Wer links am Haus von Hardy Langer die Steintreppen zum Garten hochläuft, steht innerhalb inmitten einer grünen Oase. Bäume, Pflanzen, lauschige Plätzchen zum Verweilen und zum Durchschnaufen. Langer hat an diesem regnerischen Sommertag sicherheitshalber am Esstisch seines Wohnhauses Platz genommen. Zum Garten hin ist alles offen, und er lässt den Blick schweifen. Rumlaufen kann der 67-Jährige aktuell nicht wirklich gut, er ist auf Krücken unterwegs, und durch den Regen könnte es rutschig sein.
Also erzählt er halt im Sitzen – davon wie gut man es hier aushalten kann, dass er die riesige Kastanie, die an Sonnentagen Schatten spendet, vor vielen Jahren selbst gezogen und eingepflanzt hat und davon, wie er das Wohnhaus aus- und umgebaut hat. „Ich probiere und gestalte gerne, so lange, bis es passt.“
Der Künstler aus Plüderhausen liebt Farben, Formen und Ästhetik
Der Mann, der in Urbach aufgewachsen ist, kann es nicht verheimlichen: Er ist Künstler durch und durch. Farben, Formen und Ästhetik sind ihm wichtig. Das zeigt sich auch bei einem Blick in sein Tiny House, das Teil der grünen Oase in Plüderhausen ist und an diesem Tag im Mittelpunkt stehen soll. Eigentlich vermietet Langer das kleine Häuschen aktuell auf der Airbnb Online-Plattform. Das dortige Konzept basiert auf der Idee, dass Privatpersonen Wohnungen, Zimmer oder auch ungewöhnliche Unterkünfte an Reisende vermieten, die nach einer untypischen Übernachtung suchen. „Das macht Spaß. Man kommt mit Leuten ins Gespräch. Ich sitze oft alleine rum, da ist das toll.“
Die schöne Holztreppe verbindet den unteren Teil des Tiny Houses mit der Galerie. Foto: Simone Käser
Für diesen trüben Dienstag hat Hardy Langer den Buchungskalender geblockt. Schließlich will er zeigen, wie es drinnen aussieht, und dabei keinen Gast stören. Denn die Besucher sollen sich bei ihm wohlfühlen. Deshalb stellt er auch immer, wenn sich neue Gäste ankündigen, zwei Gläser und ein Fläschchen Sekt auf den Tisch – daneben kommt ein Strauß Blumen. „Wenn ein Mann alleine kommt, stelle ich statt Sekt ein Bier hin.“
Sein Tiny House werde von Pärchen und Alleinreisenden gebucht. Von Leuten, die mal Abstand vom Alltag brauchen und es genießen, im Garten des Hausbesitzers den Grill anzuschmeißen. Mit allen kommt der Künstler, der sein Atelier in Schorndorf hat und gerade dran ist, sich auch eines an der Westküste Irlands zu verwirklichen, ins Gespräch – dabei immer ein Thema: die vielen Bilder an den Wänden. „Über die Kunst kommt man ins Plaudern. Es gibt auch Bildbände von mir im Regal.“
Darin sind auch Zeichnungen, die er in Irland gefertigt hat. „Wenn ich dort male, lasse ich mich von den Einflüssen der rauen Natur inspirieren. Zudem habe ich ein Haus in Griechenland. Auch da entsteht meine Kunst.“ Es ist Teil einer Kommune, und Hardy Langer hat es ebenfalls selbst geplant und gebaut. „Das Material haben wir zum Teil mit Eseln transportiert.“ Diese Freiheit genießen, andere Konzepte ausprobieren, sich von neuen Einflüssen anregen lassen, das ist sein Ding. „Ich bin oft unterwegs.“
In der letzten Zeit hat der 67-Jährige sich nur noch der Kunst gewidmet, aber ernährt hat ihn all die Jahre die Arbeit als Grafiker. „Da mache ich auch Auftragsarbeiten, in der Kunst dagegen eher nicht. Ich genieße es, da nur meine Sachen zu machen, ohne mich nach dem Mainstream richten zu müssen.“
Der gemütliche Wohnraum ist mit einem Einrichtungsmix gestaltet. Foto: Stoppel
Auch sein Tiny House entspricht nicht wirklich dem Standard – vielmehr ist es ein Mix aus Alt und Neu, aus Künstler- und Ferienhäuschen. Beim Blick hinein fällt gleich die Holztreppe ins Auge. Doch auch unten gibt es viel zu gucken. Aufgeteilt in eine Art Wohn- und Esszimmer steht dort eine Couch mit kleinem Tischchen und vor der Küchenzeile ein kleiner Esstisch mit besagtem Begrüßungssekt. „Ich möchte, dass die Gäste spüren und sehen, da gibt sich einer Mühe.“
Auf den 40 Quadratmetern zeigen sich viele Spuren seines Künstlerlebens
Die Spuren seines Künstlerlebens sind allgegenwärtig. Hauptsächlich in Eigenregie hat der 67-Jährige auf 40 Quadratmetern ein wohnliches Ambiente geschaffen. Wer die Vorhänge zuziehe, sei in einer Höhle, in der er Ruhe habe und entschleunigen könne. Auch er selbst hat sich in dem Haus mit dem vielen Licht, den Weiß- und Türkistönen sowie einigen Farbklecksen inmitten üppiger Natur viele Jahre wohlgefühlt. Denn das Tiny House war lange Zeit sein Atelier. Als es zu klein wurde, hat er es zur Abstellkammer umfunktioniert. „Während Corona hat mich dann der Rappel gepackt. Ich habe radikal ausgemistet, alles gerichtet, und im August 2021 hatte ich den ersten Gast.“ Wieder eine neue Bestimmung für das Häuschen, in dem einst auch schon Hühner gewohnt haben.
Oben auf der Galerie stehen zwei rote Sessel, und das Doppelbett wartet mit einem Betthupferl auf dem Kopfkissen auf Gäste. Daneben eine kleine Auswahl an Büchern. „Es gibt keinen Fernseher. Ich wünsche mir, dass die Besucher lesen, miteinander reden oder vielleicht sogar malen, statt sich digital zu beschäftigen.“ Er selbst hatte schon immer großes Interesse an Kunst. Von 1977 bis 1979 studierte er Grafik und Design am Berufskolleg. „Ich weiß noch, dass wir das Zeichnen dort von der Pike auf lernten. Wir waren immer freitags in der Wilhelma und durften erst mal nur Kakteen zeichnen. Erst im dritten Jahr ließ man uns an die Tiere.“
Eineinhalb Jahre habe er auch in einer Agentur gearbeitet und nebenher mit Kumpels eine Kneipe betrieben. Wenn er heimkam, zeichnete er meist die Nacht durch. Und wo? „Natürlich im heutigen Tiny House, das damals schon mein Atelier war“, sagt Langer und lacht. Mit dem Häuschen verbindet ihn eine lange Geschichte, die er jetzt seinen Übernachtungsgästen erzählt.