Tipp zur Tierhaltung Trainerin: Hunde sollten Maulkorb gewohnt sein
Maulkörbe haben ein eher schlechtes Image. Die Esslinger Hundetrainerin Chantal Richter möchte das ändern und findet, jeder Hund sollte auch dieses Utensil kennen.
Maulkörbe haben ein eher schlechtes Image. Die Esslinger Hundetrainerin Chantal Richter möchte das ändern und findet, jeder Hund sollte auch dieses Utensil kennen.
Chantal Richter hat schon oft erlebt, dass Leute die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein Hund mit Maulkorb entgegenkommt. Sofort ist die Assoziation zu einem bösartigen Tier da. Dabei kann grade dieser Hund in dem Moment sicher nicht beißen, abgesehen davon, dass es viele andere Gründe für einen Maulkorb gibt. „Das Thema ist immer noch sehr negativ behaftet“, sagt die 31-Jährige, die mit ihrer Mutter Carmen zusammen eine Hundeschule betreibt und zertifizierte Hundetrainerin ist. „Ich finde, man sollte das einfach entstigmatisieren.“
Das bezieht sie auf Menschen, bei denen der Maulkorb Angst auslöst, aber auch auf Hundehalter, die ihrem Schatz keinesfalls so ein Teil zumuten wollen – aber schon bei der nächsten Urlaubsreise möglicherweise nicht daran vorbeikommen. In vielen Bergbahnen, Fähren und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln besteht Maulkorbpflicht. In Italien muss generell zumindest ein solcher mitgeführt werden. In Deutschland müssen sogenannte „Listenhunde“, solange sie keinen Wesenstest bestanden haben, einen Maulkorb tragen. Damit gemeint sind als gefährlich eingestufte Rassen, was je nach Bundesland variieren kann. In der Deutschen Bahn ist der Maulkorb sogar generell zwingend, wenn der Hund nicht in einem Behälter transportiert wird. Das wissen viele nicht, weil es meist recht locker gehandhabt wird.
Macht der Hund in so einer Situation zum ersten Mal Bekanntschaft mit einem Maulkorb, hat er doppelt Stress: Zum einen ist er in einer ungewohnten Umgebung, wahrscheinlich von vielen Menschen umgeben, zum anderen bekommt er ein ihm unbekanntes Utensil über die Schnauze gezogen. Chantal Richter findet deshalb, „dass jeder Hund den Maulkorb kennen sollte“. Von den gängigen Modellen, wie sie im Fachhandel verkauft werden, hält sie aber wenig.
Hündin Mia Mi lässt geduldig an sich vorführen, warum das so ist: Der eine Korb reicht ihr bis an die Augen, den anderen könnte sie zerbeißen. Die Körbe wirken zwar relativ leicht und filigran, sind aber nahezu alle so geformt, dass der Hund die Schnauze nicht öffnen und folglich nicht hecheln kann. „Das ist wirklich lebensbedrohlich“, sagt Richter. Das gelte insbesondere bei Hitze und Stress, denn auf beides reagieren Hunde mit Hecheln. Für „Maulschleifen“, die ein wenig netter aussehen, gelte das erst recht. „Da kriegen sie ja die Nase gar nicht mehr auf“, sagt die Hundetrainerin.
Sie verkauft selbst andere Modelle aus Draht, die zwar zunächst etwas sperrig wirken, den Hund aber weniger einschränken: Er kann damit hecheln, Leckerli nehmen und trinken. Andere Hunde können seine Mimik erkennen. Diese Maulkörbe passt Chantal Richter individuell und farblich an. Jeder Hund sollte damit vertraut sein, wie mit der Leine und dem Geschirr, findet sie.
Oft eröffne der Maulkorb auch Freiheiten: Mit ihm könnten auch Hunde, die in bestimmten Situationen unerwünschtes Verhalten zeigen, problemlos am Alltag teilnehmen und dies üben; sie könnten unter Menschen und in einer Hundeschule trainieren. Das sei auch bei Tierheimhunden ein wichtiger Aspekt. Sinnvoll kann der Maulkorb aber auch bei Hunden sein, die wahllos alles fressen, was sie finden. Oder wenn „Giftköder-Alarm“ ist. Oder sogar, wenn ein Hund es nicht mag, angefasst zu werden: Trägt er Maulkorb, halten die Menschen sich zurück.
„Dass auch nette Hunde manchmal Maulkorb tragen, ist noch nicht angekommen“, sagt Chantal Richter. Das will sie vermitteln, ebenso wie die Botschaft, dass ein Maulkorb nicht verwerflich ist, sondern eher das Verantwortungsbewusstsein des Hundehalters belegt.