Tipps bei Angst vor Spritzen Das hilft gegen die Angst vor dem Piks

Manche Menschen fürchten sich vor dem Pieks bei einer Impfung. Foto: dpa/Hannibal Hanschke
Manche Menschen fürchten sich vor dem Pieks bei einer Impfung. Foto: dpa/Hannibal Hanschke

Große Furcht vor dem kleinen Piks: Bei manchen Menschen lösen Spritzen viel Angst aus, beispielsweise auch im Zusammenhang mit Impfungen. Ein Psychologe aus Stuttgart erklärt, was dahinter steckt und was dagegen helfen kann.

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Stuttgart - Eine Spritze zu bekommen, ist für die meisten nicht unbedingt angenehm. Bei manchen Menschen löst aber allein der Gedanke daran große Ängste aus. Auch Impfungen werden dann zu einem furchtbehafteten Erlebnis. Diese Angst vor dem Piks kann verschiedene Ursachen haben, wie der Stuttgarter Psychologe Ubald Hullin erläutert. Manchmal hänge die Furcht mit konkreten Ereignissen zusammen. „Manche haben vielleicht in der Kindheit eine Spritze gesetzt bekommen und sind dabei festgehalten worden“, schildert er. „Das ist mit Stress verbunden.“ Die Vorstellung, wieder eine Spritze zu bekommen, könne dann Panik auslösen.

„Aber auch wenn man jemanden beobachtet, der heftig auf eine Spritze reagiert, kann das dazu führen, dass man selbst Angst entwickelt“, ergänzt der Psychologe. Nicht nur konkrete Erlebnisse können Auslöser sein. „Es gibt Menschen, die viele Ängste haben, die sie aber nicht so bewusst wahrnehmen“, so Ubald Hullin. Sie würden diese dann oft auf ein spezifisches Thema projizieren – wie beispielsweise Spritzen.

So macht sich die Furcht bemerkbar

Wenn die Angst ausbricht, können laut Hullin auch körperliche Symptome auftreten. Dazu gehören beispielsweise Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen oder Schwindel. Generell führe die Furcht im Körper zu Anspannung und Unsicherheit, manche könnten nicht mehr klar denken oder zuhören. „Das ist das, was die Angst tut“, erläutert der Psychologe.

Eine ausgeprägte Phobie vor Spritzen kann aber auch langfristig zur Belastung werden. „Viele Menschen, die damit leben, vermeiden derartige Situationen und nehmen auch Einschränkungen in Kauf.“ Beispielsweise könnten freie Reisen nicht mehr möglich sein, wenn man die entsprechenden Immunisierungen ablehne. „Wenn man so viel Panik hat, dass man Impfungen meidet, sollte man sich auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen“, erklärt Ubald Hullin.

Diese Tricks können helfen, die Angst zu lindern

Bei wem die Angst nicht ganz so groß ist, sodass er sich trotzdem zu einer Impfung durchringt, dem können ein paar Tricks gegen die Furcht helfen. Typisch für eine Phobie sei, dass man viel über die gefürchtete Situation nachdenkt, wie Ubald Hullin erläutert. „Man sollte diese Gedanken unterbrechen und sich ablenken.“ Dadurch werde die Aufmerksamkeit auf etwas anderes als die Angst gerichtet. Wenn die Furcht unmittelbar vor dem Impftermin im Wartezimmer ausbricht, könne man mit der Faust auf das Brustbein klopfen, schildert der Psychologe. „Physische Aktivität kann für ein bisschen Erleichterung sorgen.“ Denn der Körper sei dann etwas von der Angst abgelenkt. „Wenn der Körper andere Signale verarbeiten muss, ist seine Aufmerksamkeit geteilt“, erklärt Hullin.

Während der Impfung können laut dem Psychologen zwei Dinge helfen. Zum einen sei es manchmal hilfreich, sich in den Oberschenkel zu kneifen. „Dann ist die Aufmerksamkeit auf zwei Schmerzstellen gerichtet und der Piks nicht mehr so spürbar“, erläutert er den Tipp. Zum anderen könne man sich auch eine angenehme Szene vorstellen, wie beispielsweise, dass man sich an einem Strand befindet. „Damit erzeugt man in der eigenen Vorstellung ein angenehmes Gefühl“, wie Ubald Hullin erklärt.

Beruhigungsmittel seien keine dauerhafte Lösung

Bei starker Angst vor einer Impfung sei es auch möglich, sich im Voraus beim Arzt ein beruhigendes Mittel wie einen Betablocker oder Tranquilizer verschreiben zu lassen. Allerdings sollte man diese Substanzen laut dem Psychologen nur einmalig verwenden, da sie süchtig machen können. Er sei generell kein Fan von solchen Mitteln, um starke Ängste langfristig in den Griff zu bekommen. „Eine Phobie ist ein ernstes Thema und benötigt psychologische Behandlung“, sagt Hullin.

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