Tipps für lebendige Gärten Ein Garten wie ein kleiner Zauberwald

In Thomas Rolls Garten kreucht und fleucht es – er hat hier zahlreiche kleine und große Biotope geschaffen. Foto: Horst Dömötör

Thomas Roll und Bernd Mathe gestalten ihre Grundstücke naturnah: Es wuchert und summt dort, dass es eine Freude ist. Die Naturfreunde haben Tipps parat für Gartenbesitzer, die es ihnen gleichtun wollen.

Kreis Ludwigsburg - Das Herz von Thomas Rolls Garten sieht ein bisschen aus wie der Ort aus einem Märchen – man denke an Dornröschen –, umwachsen von allerlei Pflanzen. Wildrosen mit Hagebutten umranken und schützen ihn. Allerdings findet sich in diesem urtümlichen Gestrüpp kein Schloss, sondern ein alter Boskop, ein Apfelbaum, den seine Kräfte schon lange verlassen haben. „Eigentlich müsste er längst umfallen“, sagt Thomas Roll. „Aber die Wildrose ist über den Baum gewachsen und stabilisiert ihn.“ In dem Gestrüpp finden viele Tiere ein Zuhause, Eichhörnchen hat Thomas Roll dort erspäht, vor allem aber ist es ein Biotop für Käfer, Wildbienen, Vögel, für Insekten und noch mehr Insekten.

 

Wie sollte ein Garten nicht sein?

Thomas Roll hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie ein Garten nicht sein sollte. Englischer Rasen, hier und da ein Pflänzchen in einem Topf, überhaupt zuviel freie Fläche: Das lehnt er ab. Sein Ansatz ist da ein anderer. In einem Garten soll es kreuchen und fleuchen, wuseln und wuchern, wachsen und gedeihen, krabbeln, fliegen, summen und brummen.

Roll ist nicht nur Teil des Naturschutzbund-Vorstandes, des „Nabu“, in Kornwestheim, er ist außerdem Teil der Naturgarten-Bewegung, wie auch das Schild an der Tür zu seinem Gartengrundstück verkündet. Natürlich sitzt er gerne im Garten, genießt sein Stückle, lädt Freunde ein. Aber er teilt seinen Garten eben mit Tieren und Pflanzen, angepasst ist er nicht vorrangig an seine eigenen Bedürfnisse sondern an die der Flora und Fauna. Gartengestaltung, das ist für einen wie Thomas Roll auch Naturschutz. „Wir müssen den Tieren Lebensraum bieten“, sagt er. „Und etwas fürs Klima tun, und sei es im Kleinen vor Ort.“ Wo gehe das besser, fragt Thomas Roll, als im eigenen Garten? „Das ist eine Philosophie.“

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Als er den Garten, gepachtet von einem Landwirt, vor rund 40 Jahren übernommen hat, da war er eine Streuobstwiese. Heute reiht sich in der 100 Meter langen und zehn Meter breiten Anlage ein Biotop ans nächste. „Wie einzelne Zimmer, Naturräume“, beschreibt Roll lächelnd. Da gibt es einen See, über dem Libellen tanzen, und Brombeerhecken, da gibt es Totholzstapel und Bäume, in denen Grünspechte ihre Brut aufziehen. Da gibt es eine Trockenmauer, in der Eidechsen ein Domizil finden, einen Bereich mit Mittelmeerkräutern, Rosmarin, Thymian. „Einfach hinein fassen und riechen“, rät Roll. Da gibt es immer wieder Wildblumen. „Hier blüht eigentlich immer etwas“, sagt Roll.

Auch wenn er gelegentlich mit der Englischer-Garten-Fraktion unter den Stückles-Besitzern herzhafte Diskussionen führt – allein auf weiter Flur ist er mit seinem tierfreundlichen Naturgarten natürlich nicht. Der integrative Ansatz – Mensch, Tier, Pflanze – ist im Kommen, das Bewusstsein dafür, dass es Habitate braucht, wächst vielerorts. In Kornwestheim hat gar die Stadt selbst, über das Projekt „Natur nah dran“ Blühstreifen im öffentlichen Raum geschaffen. Und: Mitstreiter zwecks privater Gartengestaltung findet Roll natürlich auch im heimischen Nabu. Bernd Mathe etwa, Gruppensprecher in Kornwestheim, hat ebenfalls einen naturnah gestalteten Garten.

Tricks und Tipps für naturnahe Gärten

Die beiden Naturfreunde Roll und Mathe haben eine ganze Menge Tricks und Tipps parat für Menschen, die selbst einen Naturgarten anlegen, ihn für Tiere angenehm gestalten wollen. „Vielfalt schaffen“, rät Thomas Roll. „Je nachdem, welche Vögel oder Insekten man ansiedeln will, sollte man schauen, welche Umgebung sie benötigen und entsprechende Pflanzen setzen.“ Generell sei es sinnvoll, sich mit heimischen Gewächsen auseinanderzusetzen, zu lernen. Zum Thema mähen, sagen Mathe und Roll: „Abschnittsweise, immer irgendwo Gras stehen lassen, damit die Tiere unterkommen.“ Für Käfer sei es klasse, irgendwo einen Stapel Altholz stehen zu haben. Und, generell: „Man kann auch klein anfangen“, so Mathe. „Jede wilde Ecke im heimischen Garten hilft am Ende der Natur sich zu entfalten.“

Und manchmal helfen solche Ecken der Natur auch, in der Sonne zu sitzen. Unter einem von Thomas Rolls Apfelbäumen, einige stammen noch aus der Streuobstzeit des Gartens, ist das Gras hell und platt gedrückt. „Die Hecke hat keinen Zaun, da kommt ein Häschen durch und sitzt hier immer“, sagt Roll. Er lächelt. „Es ist schon toll, im eigenen Garten zu sitzen und Tiere zu beobachten.“

Am Samstag besuchen wir eine Frau, die aus ihrem Blumengarten einen Steingarten gemacht hat.

Was der Profi rät

Experte
Volker Kugel ist seit 24 Jahren Direktor des Blühenden Barocks in Ludwigsburg – begonnen hat er am 1. November 1997. Der 62-Jährige ist Baumschulgärtner und hat an der Fachhochschule im bayrischen Weihenstephan Gartenbau studiert. An dieser Stelle gibt der Gartenexperte Tipps.

Vielfalt
Es lässt sich nicht leugnen, dass die Artenvielfalt und die Gesamtanzahl der Insekten in unseren Breiten abgenommen hat. Das hat viele Gründe: Flächenversiegelung, intensive, großflächige Landwirtschaft und langweilige, eintönige Privatgärten.

Schutz
Für mich gibt es drei Schritte zum insektenfreundlichen Garten:- verantwortungsvolles Gärtnern und weitgehender Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz.- Insekten Nahrung bieten, durch bunte abwechslungsreiche Pflanzungen, die von März bis November Nektar und Pollen als Nahrung anbieten. - Insekten-Unterschlupfmöglichkeiten schaffen zur Vermehrung und Überwinterung. Steinlese und Altholzhaufen, gebohrte Holzblöcke, ganze Insektenwohnungen und Unterschlupf für Insekten im Winter in Fahrradschuppen und Gerätehütten… das hilft den Tieren, sich zu vermehren oder zu überwintern. 

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