Tipps gegen Stress im Job Wie man durch Arbeit gesund bleibt
Ein hoher Wohlfühlfaktor und nicht zu viel Stress: Der Job muss keine lästige Pflichterfüllung sein, sondern kann sogar die Gesundheit fördern.
Ein hoher Wohlfühlfaktor und nicht zu viel Stress: Der Job muss keine lästige Pflichterfüllung sein, sondern kann sogar die Gesundheit fördern.
Stuttgart - Morgens fröhlich zur Arbeit gehen, Balance im Beruf finden und durch den Job sogar gesünder sein: Für viele Menschen mag das nach einer utopischen Wunschvorstellung klingen. Doch sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen und vor Stress zu schützen, ist durchaus möglich, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. Fünf Tipps, wie Arbeit gesund machen kann.
Mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, vermittelt das wichtige Gefühl, zu einer Gruppe dazuzugehören. Mit den Kollegen verbringt man häufig mehr Zeit als mit der Familie, teilt berufliche Erfolge wie Frusterlebnisse. Man trinkt morgens gemeinsam einen Kaffee, geht mittags zusammen in die Kantine und stößt nach getaner Arbeit bisweilen mit dem wohlverdienten Feierabendbier miteinander an. Kurz: Die Arbeit schafft soziale Kontakte – und die sind wichtig für das Wohlbefinden.
Stimmt die Chemie im Kollegenkreis, kann das motivierend und sinnstiftend für die gesamte Gruppe sein. Und das sorgt wiederum für weniger Stress und ein besseres seelisches Gleichgewicht. „Gelegenheit für Gespräche zu haben, ist wichtig – sowohl für die Qualität der Arbeit als auch für die Gesundheit der Beschäftigten“, erklärt Tiana-Christin Schuck, Psychologin beim Beratungsunternehmen Meditüv.
Arbeit macht einen Großteil unseres Lebens aus – und das ist prinzipiell auch gut so: Denn auch wenn der Job manchmal anstrengend sein kann, erfüllt er doch eine wichtige Funktion. „Arbeit gibt dem Menschen Ziele, auf die er hinarbeiten kann, und im besten Fall die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen“, erklärt Psychologin Schuck. Wirkt die Arbeit sinnstiftend, wird wiederum die Gesundheit gestärkt.
Wichtig dabei ist, für sich selbst die Frage beantworten zu können, wofür man etwas tut. Warum habe ich mich für diese Stelle entschieden? Welche Aufgaben mache ich gerne? Für welche zwischenmenschlichen Begegnungen bin ich dankbar? Diese Fragen sollte man öfter für sich selbst beantworten, so Schuck. Der Rat der Expertin: „Achten Sie bewusst darauf, bei welchen Gelegenheiten Ihre Augen strahlen und wann Sie die Zeit vergessen – und versuchen Sie, davon mehr zu machen.“
Teams sind aus Arbeitgeberperspektive in erster Linie dazu da, Aufgaben zu erledigen. Sie sind aber auch ein wichtiger Faktor für mehr Mitarbeitermotivation, denn Erfolge, die im Team erzielt werden, färben schließlich auf alle Teammitglieder gleichermaßen ab. Daher sei es ungemein wichtig, „das Verständnis zu schaffen, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und an einem Strang zu ziehen“, erklärt Christian Umbs, Managing Director beim Personaldienstleister Robert Half.
Das bedeutet auch, dass positives Feedback seitens des Vorgesetzten nicht nur gegenüber dem Teamleiter geäußert werden sollte, sondern gegenüber allen Teammitgliedern. Denn positive Rückmeldungen stärken das Selbstbewusstsein und haben einen enormen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden jedes Einzelnen. Die Mitarbeiter sollten sich daher auch gegenseitig loben – zumal auch wissenschaftlich erwiesen ist, dass wer andere lobt, auch häufiger selbst gelobt wird.
Wer viel selbst entscheiden darf, ist motivierter und weniger schnell gelangweilt. Darauf hat der Arbeitgeber einen großen Einfluss: Er kann dafür sorgen, die Arbeit herausfordernd und abwechslungsreich zu gestalten, etwa indem Aufgaben im Team regelmäßig gewechselt werden. Und er sollte Mitarbeitern den Freiraum lassen, selbst zu entscheiden, auf welche Art und Weise oder auch in welcher Reihenfolge die Aufgaben abgearbeitet werden – denn das erhöht die Motivation.
Besonders lohnend ist auch unsere Fähigkeit, Neues zu lernen. Susan Wallace, Professorin für Erziehungswissenschaft, schreibt in ihrem Buch „Teaching, Tutoring and Training in the Lifelong Learning Sector“, dass uns lebenslanges Lernen nicht nur persönliche Erfüllung bringt, sondern auch ein äußerst wirksamer Mechanismus zum Stressabbau ist. Denn letztlich ist alles, was das eigene Repertoire erweitert, ein Erfolg und dient somit letztendlich dem Wohlbefinden.
„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“: Auch wenn die Redewendung aus der sozialistischen, längst untergegangenen DDR stammt, hat sie in Sachen Mitarbeitermotivation und Selbstwertgefühl etwas für sich. Denn nur wer die Chance hat, sich weiterzuentwickeln, kann langfristig glücklich sein in seinem Beruf.
„Der Fokus von Personalverantwortlichen in mittelständischen Unternehmen sollte auf den Karrierewegen liegen. Diese müssen klar definiert werden und Mitarbeitern attraktive berufliche Perspektiven aufzeigen“, sagt Personalexperte Umbs. „Oftmals wird eine Beförderung zu lange hinausgezögert, weil die Nachfolge nicht geregelt ist oder der Mitarbeiter noch nicht alle Kriterien hundertprozentig erfüllt. Das ist frustrierend und führt langfristig zur Kündigung. Unternehmen sollten mutiger werden und engagierten Mitarbeitern die Chance geben, den nächsten Schritt zu machen und sich in der neuen Position weiterzuentwickeln.“
Die Fähigkeit, ein Nein auszusprechen, gehört zum Handwerkszeug erfolgreicher und selbstbewusster Menschen. Dass Nein-Sager erfolgreicher sind, belegt eine Reihe prominenter Querköpfe – etwa Warren Buffett: Als der legendäre US-Investor auf den Unterschied zwischen erfolgreichen und wirklich erfolgreichen Menschen angesprochen wurde, sagte er: „Letztere sagen zu fast allem Nein.“
Und auch eine der reichsten Frauen der USA, die Medienunternehmerin Oprah Winfrey, ist bekennende Nein-Sagerin. In einem Podcast der „New York Times“ erklärte sie vor einiger Zeit, wie wichtig es für den eigenen Erfolg ist zu lernen, anderen Wünsche abzuschlagen.
Für den Berufsalltag bedeutet das: Wer Aufgaben weitergibt oder auch mal Nein sagt, wenn er um etwas gebeten wird, entlastet sich selbst, schafft Freiräume und handelt eigenverantwortlich. So lässt sich die Zufriedenheit steigern und zugleich Stress vermeiden. „Manchmal setzt man sich selbst zu stark unter Druck, um eigenen Ansprüchen gerecht zu werden“, sagt Arbeitspsychologin Tiana-Christin Schuck. „Es ist wichtig, eigene Grenzen zu erkennen und selbst die Zügel in die Hand zu nehmen.“