Tipps vom Experten Der Trend zeigt: Weihnachtsbäume werden immer früher gekauft

Jürgen Stirm mit dem Zweig einer Coloradotanne. Foto: Werner Kuhnle

Christbaumbauern müssen sich umstellen. Gründe sind der Klimawandel, der Mindestlohn und geändertes Kaufverhalten. Die Tipps, wie der Baum länger hält, sind dagegen unverändert.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Ein schöner grüner Weihnachtsbaum gehört für viele immer noch zum Weihnachtsfest dazu. Aber wie ist das im Zeichen des Klimawandels? Macht der den Christbaumbauern zu schaffen? Gibt es neue Trends? Und: Wie bleibt der Baum länger frisch? Wir haben dazu mit Jürgen Stirm aus Rielingshausen gesprochen. Schon vor 56 Jahren haben die Stirms einen ehemaligen Acker in eine Christbaumplantage umgewandelt und 10.000 junge Nadelbäume gepflanzt.

 

Nadelbäume und Klimawandel

Man hört und sieht es überall: Vor allem die Fichten leiden zunehmend unter Hitze und Trockenheit. Hat das auch Folgen für die Weihnachtsbäume? „Wenn der Baum einmal angewachsen ist, ist das kein großes Problem“, sagt Jürgen Stirm. Dennoch habe man gegenüber früher manches ändern müssen. „Wir pflanzen die jungen, zwei bis drei Jahre alten Bäumchen jetzt nicht mehr im Frühjahr, sondern im Herbst. Im Winter gibt es genügend Feuchtigkeit, das Frühjahr ist in den letzten Jahren immer zu trocken gewesen.“

Wenn man die jungen Bäumchen dicht an dicht pflanzt, bringt man sie besser über den Sommer. Foto: Werner Kuhnle

Ein weiterer Punkt, der anders ist als früher: „Wir haben die Bäume sonst gleich in die Kultur gepflanzt, das heißt mit recht großem Abstand zueinander. Jetzt pflanzen wir sie wie in einer Baumschule dicht nebeneinander, um sie gut über den Sommer zu bringen.“ Erst im folgenden Herbst werden sie wieder ausgegraben und in die Weihnachtsbaumkultur gesetzt. Im Übrigen, sagt Stirm, „macht uns der Mindestlohn mehr Probleme als der Klimawandel“. Die Kosten für Beregnung schlügen nicht so sehr zu Buche.

Gibt es neue Trends?

Bei der Beliebtheit der Baumarten habe es in den vergangenen fünf Jahren wenig Veränderungen gegeben, berichtet der Landwirt. Ganz vorne dran sei nach wie vor die Nordmanntanne mit ihren weichen und haltbaren Nadeln. Dass sie sehr langsam wachse, schlage sich aber auch im Preis nieder. Wenig gefragt seien dagegen die preiswerten Rotfichten. Und auch Kiefern verkaufe man kaum als ganzen Baum. „Die werden fast nur für Dekogrün verwendet“, weiß der Experte. Der Grund dafür: Sie sind schwer zu schmücken. Da helfe es dann auch nicht, dass sie in der Wohnung lange frisch blieben und wegen des Harzgehalts einen angenehmen Duft verströmten.

Die Bäume werden je nach Bedarf frisch gesägt. Foto: Werner Kuhnle

Das Harz ist auch der Grund dafür, dass Blaufichten so intensiv nach Wald duften. Sie seien wegen ihrer kräftigen, gleichmäßig angeordneten Äste leicht zu schmücken, hätten allerdings recht spitze Nadeln, sagt Stirm. Dafür hielten sie sich in der Wohnung besser als Rotfichten und lägen in der mittleren Preislage.

Die Coloradotanne ist nach wie vor eher selten, aber dennoch kein echter Geheimtipp mehr. Auch sie duftet angenehm mit einer leichten Zitrusnote, vor allem fällt sie jedoch durch ihre langen, silbergrauen Nadeln auf. Wie die Nordmanntanne gehört sie zu den teureren Gewächsen.

Ein weiteres Edelgewächs unter den Weihnachtsbäumen gedeihe dagegen in der Region nicht so gut, sagt Stirm: die Nobilistanne. „Sie mag keine kalkhaltigen Böden.“

Wann wird der Baum gekauft?

Wurde früher der Weihnachtsbaum eher kurz vor Weihnachten gekauft, habe sich das zeitlich nach vorne verlagert, hat Stirm festgestellt. „Einige Bäume verkaufen wir schon um den ersten Advent herum. Das sind meistens die, die auf dem Balkon oder der Terrasse aufgestellt werden.“ Dass sich der Trend zum Zweitbaum – einer für drinnen, einer für draußen – noch lange hält, glaubt der Landwirt angesichts der wirtschaftlichen Lage indes nicht. „Ich bin gespannt, wann an der Festlichkeit gespart wird.“

Zumal auch der Preis für die Bäume wohl leicht angehoben werden muss. „Wir hatten jahrelang denselben Preis von etwa 20 Euro je Meter, jetzt müssen wir wohl 10 Prozent mehr verlangen. Aber der normale Kunde hat ja auch nicht mehr Geld in der Tasche.“ Am meisten Bäume würden zwischen dem zweiten und dem dritten Advent gekauft.

Wie hält der Baum am längsten?

Zum einen empfiehlt es sich, bei einem lokalen Anbieter zu kaufen. Denn die Billigbäume werden oft schon im Oktober geschlagen. Doch auch bei frisch gefällten Bäumen kann man die Haltbarkeit in der Wohnung erhöhen, weiß der Experte. Der erste Tipp: Ein Christbaumständer, den man mit Wasser füllen kann. Ein Bohrloch in der Stammmitte sorgt dafür, dass der Baum auch wirklich ganz unten im Ständer steht und an das Wasser herankommt. Der zweite Tipp: „Den Baum nicht anspitzen, weil dann die Rinde fehlt und damit die Möglichkeit des Wassertransports“, sagt Stirm. Und schließlich sei es gut, wenn man das Stammende nochmals kurz ansäge. „Es gibt auch Menschen, die auf Glycerin im Wasser schwören. Damit habe ich aber keine eigenen Erfahrungen“, so Stirm.

Regionale Bäume besser als Plastiktannen

Ökobilanz
Aus Sicht des Naturschutzverbands Nabu Baden-Württemberg schneidet ein Naturbaum aus der Region in Sachen Ökobilanz am besten ab – ob aus einer Plantage oder der Durchforstung vom Forstbetrieb. Plastiktannen lohnten sich aufgrund von Transportweg und Herstellung nur, wenn sie mindestens 17 Jahre lang verwendet würden. Auch in Pappbäumen steckten Holz, Energie und Chemie. Wie gut sie seien, hänge vom Recyclinganteil und von der Nutzungdauer ab.

Alternativen
Eine ressourcenschonende Alternative sind laut Nabu Tannenzweige in der Vase oder im Holzgestell, das jedes Jahr neu geschmückt wird. Ein Baum im Topf könne ganzjährig draußen stehen, doch wiege er einiges, müsse gegossen werden und sollte langsam an die geheizte Wohnung gewöhnt werden. Was der Nabu nicht erwähnt: Topfbäume überleben nur, wenn sie im Topf gezogen und nicht nach dem Abhacken von Wurzeln dort hineingesetzt wurden.

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