Tipps vom Profi für die Ferien Wie schmeckt der Sommer, Herr Paul?

Wenn Stevan Paul nicht gerade in der Hängematte entspannt, denkt er sich tolle Rezepte aus. Foto: Vivi D’Angelo/Brandstätter Verlag

Was braucht es im Ferienhaus? Was ist der beste Proviant für die Fahrt? Was gibt es am ersten Abend im Urlaub? Koch und Autor Stevan Paul verrät die besten Kochtipps für die Ferien und wie man sich keinen Stress macht.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Die großen Ferien stehen an. Egal ob man campen geht oder in einem Ferienhaus urlaubt, essen müssen wir alle. Der Kochbuchautor Stevan Paul hat die besten Rezepte für den Sommer parat.

 

Herr Paul, wonach schmecken die Urlaube Ihrer Kindheit?

Nach Wassermelone, Tomaten, Baguette. Wir waren viel auf Korsika. Und ich hatte schon als Kind diesen Lieblingskäse: den Brin d’Amour. Allein der Name ist schon toll, und er sieht so aus, als wäre er im Wald runtergefallen und ist dann einmal durchs Gehölz gerollt. Der schmeckt irre gut. Dazu ein Stück Baguette, danach noch Wassermelone. Also besser geht es nicht.

Was muss bei Ihnen immer mit auf Reisen gehen?

Die richtigen Messer. Ferienhäuser sind da oft nicht so gut ausgestattet. Wenn wir mit dem Camper unterwegs sind, dann haben wir sowieso eigenes Werkzeug dabei. Mit scharfen Messern macht Kochen einfach mehr Freude.

Was ist mit Gewürzen? Sind Sie so verrückt, dass Pfeffer aus der Mühle dabei sein muss?

Ehrlich gesagt ja. Ich finde das auch gar nicht so verrückt. Pfeffer macht nur Freude, wenn er frisch gemahlen oder gemörsert ist. Also man müsste jetzt nicht unbedingt die Pfeffermühle mitnehmen, aber man bräuchte irgendwas, womit man die Körner zerdeppern kann.

Bevor Sie in den Urlaub fahren: Planen Sie, was es zu essen geben soll?

Wenn man campen geht, ergibt es Sinn zu überlegen, was braucht es für Kühlsysteme und welche Getränke. Doch ansonsten will ich mich nicht zu sehr beschweren und kaufe lieber klein und vor Ort ein. Es macht am meisten Freude, sich auch von dem, was man am Wegesrand findet, inspirieren zu lassen. Es ist fantastisch, auf den Markt zu gehen. Deswegen mache ich tatsächlich nicht allzu viele Pläne, was den Speiseplan selbst anbelangt.

Haben Sie ein kulinarisches Lieblingsland?

Meine beiden Heimaten sind Frankreich und Japan. Ich liebe aber auch die spanische und italienische Küche. Neu dazugekommen ist die portugiesische Küche. Die wird wahnsinnig unterschätzt.

Wichtig ist ja auch stets der Weg in den Urlaub: Was sind Ihre Tipps in Sachen Proviant für die Fahrt?

Ich habe sehr gern Nüsschen dabei. Und: Ich brauche Kaugummis. Ich esse Kaugummi wie ein Irrer, wenn ich fahre. Ich weiß nicht warum, da ich sonst nie Kaugummi kaue. Eine neue Liebe ist zu kalten Hähnchenschenkeln entfacht. Das ist so 50er Jahre. Dann brauche ich noch gutes Brot. Das kann man auch abgepackt mit auf die Reise nehmen. Gutes Vollkornbrot hält sich ja ewig.

Wichtig ist , dass man zu Hause den Kühlschrank leert, bevor es losgeht.

Unbedingt. Am Tag vor der Abfahrt gibt es noch mal ein richtiges Abendbrot, bei dem alles auf den Tisch kommt und der Rest geht zu den Nachbarn.

Dann ist da der erste Abend im Ferienhaus: Was servieren Sie da?

Ganz klar Pasta. Da kann man sich nicht verkünsteln, man muss ja erst mal ankommen und die Zimmer beziehen. Da ist zum Beispiel mein Rezept für Nudeln mit Ajvar, dieser Paprikapaste, perfekt. Das ist supereinfach und funktioniert im Grunde wie Pesto.

Bevor Sie eine Ferienunterkunft mieten: Wofür außer der Zimmeranzahl interessieren Sie sich?

Ich frage immer nach der Kaffeemaschine. Ich nehme auch gern mal so einen Espresso-Kocher mit. Aber eigentlich ist es schön, wenn man nicht so beladen ist. Ich frag kurz, was an Pütt und Pann da ist – aber für mich als Stadtbewohner ist die wichtigste Frage: Darf ich grillen? Ist Holzkohle erlaubt? Gibt es einen Grill? Brauche ich eine Gasflasche? Und ich möchte im Vorfeld auch wissen, ob es einen Backofen gibt. Dann ist viel mehr möglich als nur mit Herdplatten.

Und wenn es nicht viele Möglichkeiten gibt oder es schlicht zu heiß für ein warmes Gericht ist. Was empfehlen Sie da?

Dank der Fotografin Vivi D’Angelo habe ich eine grandiose Entdeckung gemacht: inspiriert vom balinesischen Rujak-Gula-Salat. Da mischt man frisches Obst mit knackigem Gemüse, das Ganze wird ein bisschen scharf abgeschmeckt. Eine Offenbarung! Ich habe das gar nicht glauben können. Diese Kombination aus Obst und Gemüse in einem kühlen Sommersalat ist grandios.

Erfrischung ist wichtig in heißen Ländern: Was tun, wenn es nur einen kleinen Kühlschrank gibt?

Wenn der Kühlschrank ein Eisfach hat, ist das ein Hauptgewinn, weil man dann mit Elementen arbeiten kann, die man nachts einfriert und tagsüber kann man mit denen in einer Box kühlen und der Kühlschrank läuft trotzdem weiter. Ich behaupte schon seit vielen Jahren, dass ich der Erfinder der trinkbaren Kühl-Elemente bin. Man nimmt kleine PET-Flaschen, macht ein bisschen Wasser raus, weil es sich ja ausdehnt, wenn es friert. So hat man richtig eiskalte, dicke, kühle Elemente, die sehr lange die Temperatur halten. Das haben wir immer zum Zelten und zu Festivals mitgenommen. So hatten wir dann tatsächlich noch am zweiten und dritten Tag eiskaltes Wasser.

Zur Person

Stevan Paul
1969 geboren, aufgewachsen in Ravensburg. Er lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Hamburg. 1988 lernt er bei Sternekoch Albert Bouley und arbeitet mehrere Jahre in hochdekorierten Küchen. Seit 1995 ist er Food-Autor und veröffentlicht Kochbücher wie etwa „Deutschland Vegetarisch“, „Meine japanische Küche“ und jetzt ganz aktuell „Einfach Urlaub“ (Brandstätter Verlag).

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