„Tisch Decke“ in S-West Im Esszimmer wird Kunst gereicht

Von Martina Zick 

Die „Tisch Decke“ an der Schwabstraße ist ein neuer Ort und Treffpunkt für die Kreativszene. Die beiden Initiatoren Daniel Geiger und Mark Bohle halten sich im Hintergrund.

Doppeldeutigkeit ist Konzept. Mal ist der Tisch gedeckt, mal an der Decke. Foto: Martina Zick
Doppeldeutigkeit ist Konzept. Mal ist der Tisch gedeckt, mal an der Decke. Foto: Martina Zick

S-West - Anglizismen pflastern unseren Weg. So sehr, dass wir manchmal gar nicht mehr auf das Näherliegende kommen – oder zumindest darauf, dass das vermeintlich englische Wort auch ein deutsches ist. Gut gelaunt und mit Freude an der ernsthaften Spielerei machen sich Daniel Geiger und Mark Bohle derlei Gewohnheiten zunutze – und lassen uns stolpern: Am Samstag haben sie ihre Ateliers an der Schwabstraße deshalb nicht etwa zum Open Art Space oder zur Open Space Art ausgerufen, sondern zu einer „Art Open Space Projekt“; die beiden Bedeutungsmöglichkeiten von „Art“ fröhlich einkalkulierend.

Im Dezember haben die beiden die erste Etage an der Schwabstraße 2 bezogen. Und weil der Flur so schön groß ist, wollen sie ihn für Ausstellungen nutzen. Jeden Monat soll es eine neue geben. Den Anfang macht Valentin Fischer mit digitalen Arbeiten und Bleistiftzeichnungen. „Distraction of Colors“ heißt die erste Einzelausstellung des 29-Jährigen, der nicht nur frei schaffender Künstler, sondern auch Designer und Illustrator ist. Er ist begeistert von diesem neuen Kunstort. „Das geht genau in die richtige Richtung“, findet er. Neben seinen Arbeiten findet sich im Ausstellungsflur noch ein weiteres Exponat. Besser gesagt, über seinen Arbeiten: An der Decke hängt ein Tisch.

Erstes Treffen im Jahr 2003

Damit wären wir bei einer weiteren Wort- und Gedankenspielerei von Geiger und Bohle. „Tisch Decke“ haben sie ihren Raum genannt. Und die Geschichte dazu liest sich laut Bohle angeblich so: Eigentlich werde der Flur als Esszimmer genutzt, doch wegen der Ausstellung habe man den Tisch eben an die Decke gehängt – ganz ohne Tischdecke. Offiziell stecke übrigens die Familie Müller-Tisch hinter der ganzen Sache, ergänzt Geiger. Da darf sich nun jeder Besucher seine eigenen Gedanken machen.

Ebenso wie über Geiger selbst: Der Künstler, Grafiker und Illustrator will weder sagen, wie alt er ist, noch präzisieren, was sein künstlerisches Betätigungsfeld ist. Wenn er allerdings als Street-Art-Künstler bezeichnet wird, passt ihm das nicht. Dass er von der Street Art kommt, streitet er aber nicht ab. Auf jeden Fall haben er und Bohle sich im Jahr 2003 beim Stuttgarter Graffiti-Projekt zum ersten Mal getroffen, an dem sie beide als Künstler beteiligt waren. Und nachdem sie im vergangenen Jahr die Räume an der Schwabstraße angeboten bekamen, ist dieser neue Ort für aktuelle Kunst nun ihr erstes gemeinsames Projekt dieser Art.

Selbst ausstellen werden die beiden nicht

Dabei wollen sie in ihren Räumen „sehr unterschiedliche Kunst“ zeigen, sagt Mark Bohle. Wobei es immer Einzelausstellungen sein sollen, um dem jeweiligen Künstler gerecht werden zu können. Auch Lesungen oder andere Veranstaltungen sollen im Lauf der Zeit zum Programm gehören. Nur selbst ausstellen werden die beiden in der „Tisch Decke“ nicht. „Wir wollen hinter dem Projekt stehen und nicht davor“, erklärt Bohle. Der 27-Jährige studiert an der Kunstakademie Grafikdesign, macht viel Plakatgestaltung – gerne mit Siebdruck – und arbeitet auch als Illustrator. Das Künstlerische sei bis jetzt „nicht sein Hauptaugenmerk“, sagt er.

Gleichwohl ist es ihm und Geiger ein Anliegen, mit der „Tisch Decke“ einen Raum für Kunst zu schaffen. Eine Galerie seien sie nicht, betont Geiger. Doch es gebe in Stuttgart einfach „zu wenig schönen Raum für die Kunst und die Künstler“. Dagegen gehen sie jetzt an.

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