Begeistert vom sportlichen Ehrgeiz seines zugelosten jungen Partners: Wolfgang Schucker (li.) von den TTF Schönaich gewann Bronze im Doppel. Foto: tho
Insgesamt lässt sich die deutsche Meisterschaft im Para-Tischtennis für Ausrichter VfL Sindelfingen als Erfolg einstufen. Doch es gab im Glaspalast auch kritische Töne zu hören.
Thomas Holzapfel
18.05.2025 - 13:52 Uhr
Hinsichtlich der sportlichen Leistungen in insgesamt elf Wettkampfklassen ließen die deutschen Meisterschaften im Para-Tischtennis keine Wünsche offen. Der gastgebende VfL Sindelfingen hatte dabei eine mehrtägige Herkulesaufgabe zu stemmen und stieß phasenweise an seine Grenzen.
Die 36 Spieltische im Glaspalast– sechs weitere wurden zum Einspielen in der Judohalle nebenan platziert – gaben ein imposantes Bild ab. „Solch eine Halle findet man in Deutschland kaum ein zweites Mal“, sagte Steffen Neumann, Leistungssportkoordinator im Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband. „Andere adäquate Standorte könnte man nicht bezahlen.“ Bedauerlich fanden die Organisatoren allerdings, dass zur gleichen Zeit ein internationales Turnier stattfand, sodass einige Aushängeschilder nicht bei der DM antraten.
Medaillengewinne gab es auch für den Bezirk Böblingen zu bejubeln. Lokalmatadorin Gracia Rentschler vom VfL Sindelfingen schaffte es mit Partnerin Kathrin Korn (BSV Walldorf) im Doppel aufs Treppchen, sie gewann ebenso Bronze wie Wolfgang Schucker von den TTF Schönaich an der Seite des erst 13-jährigen Lucas Laier (SRH Campus Sports Heidelberg). „Der Junge ist heiß auf den Sport“, zeigte sich Schucker von seinem zugelosten Partner begeistert.
Gracia Rentschler (li.) vom VfL Sindelfingen durfte im Doppelwettbewerb ihrer Kategorie aufs Treppchen steigen. Foto: tho
An beiden Tagen sorgten knapp 50 Referees für den ordnungsgemäßen Ablauf. Mit Oberschiedsrichter Werner Nüssle, Olaf Kath, Sebastian Seewald und Stefan Trinkert kamen gleich vier vom VfL Oberjettingen. Beim einen oder anderen malträtierten Schläger drückten die Unparteiischen auch mal ein Auge zu.
„Es war eine Herausforderung, genügend Leute für den Aufbau an einem Werktag zu gewinnen“, nickte Abteilungsleiter Miroslav Milkovski vom VfL Sindelfingen. Vom Unterrieden-Gymnasium wurden Ballkinder akquiriert, ebenso von der Sportakrobatikabteilung des eigenen Vereins. „Die Kids und Jugendlichen erleben hautnah Inklusion“, sprach Milkovski von einem Lerneffekt. Für Sorgenfalten sorgte die Resonanz am geselligen Abschlussabend. „Da nahmen etwa 100 Leute weniger teil als im Vorjahr.“
Geht es nach den Verbandsoberen, würde man gerne auch im kommenden Jahr wieder in den Glaspalast kommen. Eine vierte Auflage in Folge wollte man beim ausrichtenden Verein nicht gleich von der Hand weisen, allerdings gelte es, einige Punkte im Nachgang aufzuarbeiten. „Ich habe im Vorfeld eine Kommunikation auf Augenhöhe vermisst“, ließ Miroslav Milkovski durchblicken. „Ein Jahr Pause würde uns auch mal guttun.“ Sein Amtsvorgänger Carsten Seeger bemängelte die semi-professionellen Strukturen der Turniermacher: „In den Köpfen mancher Organisatoren haben diese Meisterschaften noch nicht den Stellenwert, den sie eigentlich verdienen.“