Tischtennis-Star Dang Qiu Der Olympia-Vielspieler kommt aus Nürtingen

Dang Qiu startet gleich in drei olympischen Tischtennis-Wettbewerben. Foto: imago/Revierfoto

Bei seinen ersten Sommerspielen ist Dang Qiu voll gefordert – der Tischtennis-Star kämpft in allen drei Wettbewerben um Medaillen.

Eine Frage hören Athletinnen und Athleten, die sich für Olympische Spiele qualifiziert haben, immer wieder: Bei welchen anderen Sportarten sie denn gerne mal auf der Tribüne sitzen würden? Auch bei Dang Qiu haben sich Journalisten erkundigt, und eine mögliche Antwort wäre „Basketball mit LeBron James“ gewesen. Doch die Replik des deutschen Tischtennis-Stars fiel anders aus. „Wenn ich Zeit hätte, LeBron James anzuschauen“, gab er zurück, „dann würde es bei mir nicht gut laufen. Ich konzentriere mich auf meinen Job, dafür brauche ich Ruhe, nicht noch Stress drumherum.“ Denn anstrengend wird es für Dang Qiu (27) in Paris von ganz alleine.

 

Der gebürtige Nürtinger, der beim TTC Frickenhausen groß wurde und dessen Eltern immer noch in Linsenhofen leben, ist der Vielspieler im deutschen Team. Nur er tritt in drei Wettbewerben an – im Einzel sowie im Mixed ab diesem Samstag und danach auch noch in der Mannschaft. „Ich habe jahrelang darauf hingearbeitet, ein solches Programm absolvieren zu dürfen“, sagt Dang Qiu, „jetzt stehe ich vor einem der anstrengendsten Turniere, die ich je absolviert habe. Doch ich bin körperlich und mental gut vorbereitet und hoffe, bis zum Ende in Paris sein zu können.“ Und danach etwas mehr Gepäck zu haben als bei der Anreise.

In der absoluten Weltspitze angekommen

Dang Qiu, der mittlerweile in Düsseldorf wohnt und für die dortige Borussia spielt, hat in allen drei Konkurrenzen Chancen auf eine Medaille. Am schwierigsten wird es an der Seite von Nina Mittelham, obwohl die beiden das stärkste europäische Mixed-Duo sind: die Konkurrenz aus Asien ist allerdings enorm. Im Einzel steht der Europameister von 2022 auf Rang elf der Weltrangliste, bei Olympischen Spielen dürfen aber nur zwei der Superstars aus China starten, dies erhöht die Chancen aller anderen auf einen Podestplatz. Und zuletzt träumt das deutsche Team davon, wie 2021 in Tokio ins Finale einzuziehen – und diesmal womöglich sogar den übermächtigen Chinesen Paroli zu bieten.

Dafür müssen Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll und Dang Qiu über sich hinauswachsen. Die beiden erfahrenen Teamkollegen wissen, wie das bei Sommerspielen klappen kann. Dang Qiu dagegen feiert seine olympische Premiere. „Das wird eine neue Erfahrung für ihn“, sagt Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, der trotzdem keinerlei Zweifel hat, dass sein Topspieler sich bestens schlagen wird: „Er hat zwar eine Dreifachbelastung, aber doch nur, weil er in der absoluten Weltspitze angekommen ist.“ Was so nicht unbedingt vorherzusehen war. Vor fünf Jahren galt Dang Qiu noch als fleißiges und hoffnungsvolles Talent mit guten Genen – sein Vater Qiu Jianxin ist ein ehemaliger chinesischer Nationalspieler, der in der Bundesliga aktiv war, seine Mutter Chen Hong stand ebenfalls im chinesischen Nationalkader. Ihr Sohn gehörte damals allerdings noch nicht zu den Top-200 in der Welt. Es folgte eine rasante Entwicklung. Dang Qiu, der als Einziger in der deutschen Spitze mit dem asiatischen Penholder-Griff spielt, arbeitete weiter hart an sich und beeindruckte damit die Verantwortlichen. „Er ist unheimlich akribisch, feilt an jeder Kleinigkeit. Ich würde sagen, dass er ein Meister der Details ist, auf die es im Tischtennis ankommt“, erklärt Richard Prause, „hinzu kommt, dass er über ein sehr gutes analytisches Wissen und Denken verfügt. Er ist zu einem absoluten Führungsspieler in unserem Team gereift.“ Der eine sehr gute Perspektive hat.

Ein Meister der Detailarbeit

Tischtennisspieler erreichen ihren Leistungszenit in der Regel erst in den Dreißigern, ein bisschen Zeit, um sich weiter zu verbessern, bleibt Dang Qiu also noch. Er selbst ist voll motiviert, diesen Spielraum zu nutzen. „Ich habe am Tisch eine hohe Grundsicherheit, das gibt Selbstvertrauen“, sagt er, „und ich verfüge über das Mindset, um auch in Zukunft knallhart und konstant zu arbeiten. Das werde ich weiter forcieren. Mein Ziel ist, in der Weltrangliste noch weiter nach oben zu klettern.“

Die Konkurrenz darf dies getrost als Kampfansage verstehen. Im Idealfall auch schon für die Olympischen Spiele. LeBron James sollte jedenfalls lieber nicht mit einem Besuch des derzeit stärksten deutschen Tischtennisspielers rechnen.

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