Tischtennis TSV Korntal Mit jungen Mädchen in die vierte Liga der Frauen

Trainerin Szilvia Kahn mit ihren Tischtennis-Küken Dana Haspel (10), Chenhao Chen (12) und Kesenija Poznic (11/v. li). Foto:  

TSV Korntal nutzt Rückzug des SV Schott Jena aus der Tischtennis-Bundesliga aus und tritt mit Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren in der vierten Liga an. Den Talenten soll eine Perspektive geboten werden.

Der TSV Korntal und seine Tischtennis-Abteilung sind auf dem besten Weg, gleich in zweierlei Hinsicht Sportgeschichte zu schreiben. Der Club wird in der kommenden Saison in der Frauen-Regionalliga an den Start gehen – das Beeindruckende daran: Im Kader stehen mit der erfahrenen Trainerin Szilvia Kahn (54) fünf Spielerinnen im Alter zwischen zehn und 15 Jahren. Junge Mädchen in einer Frauen-Liga.

 

Manche mögen sich fragen, wie es eine Mannschaft innerhalb von drei Jahren in die vierthöchste Spielklasse schaffen kann. So nutzte der TSV Korntal ein unkonventionelles Instrument der Wettspielordnung. Spaltungsvertrag lautet das Zauberwort. Diese Spielrechtsübertragung sieht vor, dass ein Club das Startrecht einer Mannschaft eines anderen Vereins übernimmt, sofern beide Clubs und als höhere Instanz der Verband zustimmen.

Erstmals machten die Korntaler in der Saison 2022/2023 davon Gebrauch, als sie mit den Nachwuchsspielerinnen ins Aktivengeschehen einstiegen und dabei gleich die unterste Liga ausließen. Zur abgelaufenen Saison schloss der TSV zum zweiten Mal einen Spaltungsvertrag ab, diesmal mit dem im Rückzug befindlichen VfL Sindelfingen II und stieg in der Verbandsoberliga ein, wo das Team am Ende Dritter wurde.

Der Erfolg der letzten Jahre kommt nicht von ungefähr. „Wir haben uns entschieden, das Geld nicht mehr in unsere erste Herrenmannschaft, sondern ins Nachwuchstraining zu investieren“, sagt TSV-Abteilungsleiter Friedemann Wagner, der sich noch gut daran erinnert, als die Männern in der Verbandsliga spielten. „Ob Verbandsliga oder Landesliga, da kam kein Zuschauer mehr“, berichtet er. Mit der Verpflichtung von Trainerin Szilvia Kahn, einer ehemaligen ungarischen Nationalspielerin sowie Mutter der Ex-Böblinger Bundesligaspielerin Leonie Hartbrich, ging es in den vergangenen Jahren in der Jugend stetig bergauf.

Dana Haspel auf Platz 21 der Weltrangliste

Der aktuelle Stand kann sich sehen lassen: Da ist Ksenija Poznic (11), sie belegte bei den Euro Mini Champs, den inoffiziellen Europameisterschaften der Jungjahrgänge, zuletzt den vierten Platz in der U 12. Da ist Chenhao Chen (12), und da ist die erst zehnjährige Dana Haspel, die zuletzt ihr erstes internationales Turnier gewann und in der Jugend-11-Weltrangliste Position 21 einnimmt. Alle drei gehören zum baden-württembergischen Leistungskader, alle trainieren beinahe täglich in den Landesstützpunkten oder mit Szilvia Kahn.

Im Frühjahr stand die Mannschaft am Scheideweg. „Die Youngster sind schneller besser geworden als wir hätten aufsteigen können“, sagt der ehemalige Zweitliga-Spieler Wagner, „wir wollen ihnen ein optimales Umfeld und eine sportliche Herausforderung bieten und wollen damit verhindern, dass sie von anderen Vereinen abgeworben werden, nur weil wir nicht in der passenden Liga spielen.“

Niemand muss dem Nachrücker Platz machen

Also hielten Wagner und Kollegen Ausschau nach möglichen freien Plätzen in höheren Ligen. „Das war ein Wechselbad der Gefühle, das Ganze stand Spitz auf Knopf“, sagt der Abteilungsleiter aus Korntal. Letztendlich öffnete sich ein Hintertürchen in Thüringen: Der SV Schott Jena zog sein Bundesligateam aus dem Spielbetrieb zurück, Korntal entschied sich für eine Eingruppierung in der Regionalliga. „Da fließt kein Geld und wir nehmen auch keinem anderen Verein einen Platz weg“, stellt Wagner klar.

Der neue sportliche Anreiz hat zur Folge, dass Paulina Friebe (15) und Milla Pardela (13) nach einjährigem Gastspiel in Neckarsulm und beim Sportbund in Stuttgart in Aktiventeams nach Korntal zurückkehren. Beide besitzen beim TSV ohnehin das Jugendspielrecht, was bedeutet, dass sie im Juli zu den deutschen Mannschaftsmeisterschaften der Jugend 15 nach Chemnitz fahren. „Nach Platz drei im Vorjahr wollen wir dort wieder eine gute Rolle spielen“, betont Wagner.

Erfahrener Trainer kommt

Zusammen mit Szilvia Kahn, die auch die eine oder andere Partie bestreiten wird, ist der Abteilungschef optimistisch, dass die Korntaler Rasselbande als wohl jüngste Mannschaft im Bereich der DTTB-Spielklassen eine gute Rolle in der Regionalliga Südwest spielen wird. Das Trainerteam des TSV wird verstärkt durch Andras Krenhardt, der sich in zahlreichen Vereinen (Loßburg, Mühringen, Stuttgart) einen Namen gemacht hat.

Auch am soliden Unterbau im Korntaler Frauen-Tischtennis wird weitergearbeitet, in der Verbandsoberliga geht es erstmals mit einer zweiten Mannschaft ins Rennen. Friedemann Wagner: „Im Rotationsverfahren kommen dort einige unserer guten Spielerinnen aus der ersten Mannschaft zum Einsatz, außerdem haben wir weitere vielversprechende Talente.“ Die Tischtennis-Abteilung des TSV hat einiges vor.

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