Titanwurz in der Wilhelma Stuttgart Brunhilde hat es mit ihrer Blüte bis zuletzt spannend gemacht

Von Uli Meyer 

Sonntagabend war es endlich soweit: Das Hochblatt des inzwischen 1,62 Meter hohen Blütenkolbens der Titanwurz namens Brunhilde löste sich und gab den Blick auf die rotbraune Innenseite frei. Wir haben die Fotos aus der Wilhelma Stuttgart.

Am Sonntagabend zeigte Titanwurz Brunhilde ihre volle Blüte. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 7 Bilder
Am Sonntagabend zeigte Titanwurz Brunhilde ihre volle Blüte. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Brunhilde hielt die Spannung hoch. Der von den Pflanzenexperten der Wilhelma für Donnerstagabend errechnete Zeitpunkt der Blüte bewahrheitete sich nicht. Die Titanwurz schien ihren eigenen Zeitplan zu haben. „Brunhilde hat es ganz schön spannend gemacht. Es ist wie bei einer Schwangerschaft. Man hat einen Geburtstermin errechnet, aber dann heißt es einfach warten, bis das Kind tatsächlich zur Welt kommt“, vergleicht Björn Schäfer. Der Gärtner des zoologisch-botanischen Gartens musste sich wie viele interessierte Beobachter über zwei Tage weiter auf die Lauer legen. Dann endlich am Sonntagnachmittag waren die Zeichen untrüglich. Die aus Sumatra stammende Tropenpflanze war so weit. Das Hochblatt des inzwischen 1,62 Meter hohen Blütenkolbens löste sich und gab den Blick auf die rotbraune Innenseite frei.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Ins Schmetterlingshaus der Wilhelma strömten am Abend mehrere Hundert Besucher. Die Hausleitung hatte einen Sondereingang aufgemacht und bis 23 Uhr zum Abendtarif Eintritt gewährt. „Ich habe die ganze Woche über im Radio davon gehört und bin richtiger Fan geworden. Das musste ich mir jetzt einfach angucken“, sagt die Stuttgarterin Lea. Mit 21 Jahren gehört sie zu den eher jüngeren Besuchern. Leas Begleiter meinte: „Dinge, sie selten sind, empfindet man als besonders wertvoll.“ Die Blüte einer Titanwurz ist solch eine Seltenheit. Durchschnittlich nur alle sieben Jahre blüht eine „Amorphophallus titanum“, von denen vier Exemplare in der Wilhelma beheimatet sind.

Höhepunkt gegen 20.45 Uhr erreicht

Gegen 20.45 Uhr erreichte der Blütenkolben mit über 40 Grad seine Höchsttemperatur. Eine Wärmebildkamera überwachte die Entwicklung ganz genau. Möglichst alles festhalten wollte auch Maria Greule. Mit einem Stativ und einer guten Kamera ausgerüstet war die ältere Dame zusammen mit Ehemann Werner aus Neuweiler im Kreis Calw von Donnerstag an jeden Tag in die Wilhelma gefahren. Über 700 Bilder hat sie von Brunhilde und anderen Pflanzen in dieser Zeit gemacht. „Es ist einfach wunderbar hier, man bekommt auch tolle Infos von den Wilhelma-Mitarbeitern“, waren es für Maria Greule unvergessliche Momente, den Blütenaustrieb der Titanwurz mitzuerleben.

Den eher unangenehmen Geruch, der verfaulendem Fleisch ähnelt, nahmen auch Ingeborg und Hugo Arredondo in Kauf. „Das lohnt sich auf alle Fälle, diesem Schauspiel beizuwohnen. Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, ist nicht einfach. Man müsste eigentlich den ganzen Tag dabei sein“, sagt das Ehepaar aus Wolfschlugen. Schon vor ein paar Jahren waren die Jahreskartenbesitzer bei einem Blütenaustrieb einer Titanwurz dabei.

Im Juni blühte bereits Alberich

Erst im Juni konnten Wilhelma-Besucher den Blütenaustrieb von Alberich bewundern. Mit nur 1,25 Meter Höhe war er eher ein Zwerg unter diesen Riesenblüten, die es sonst auf bis zu 3,10 Meter bringen. Brunhilde wird, wie alle Pflanzen ihrer Gattung, nach dieser für sie kräftezehrenden und nur eine Nacht andauernden Höchstleistung ihre Pracht schnell wieder verlieren. Die Blüte fällt schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen und vertrocknet. „Ein paar Tage bleibt Brunhilde noch im Schmetterlingshaus, dann kommt sie wieder hinter die Kulissen, um sich zu erholen“, sagt Björn Schäfer. Dann heißt es wieder: Sieben Jahre warten.

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