Titus Schade in Backnang Unheimliche Bilder eines Neo-Rauch-Schülers

Von  

Titus Schades Werke erinnern an Bühnenbilder – und sind von Freitagabend an in der Galerie der Stadt Backnang zu sehen. Seine Werke seien „in sich funktionierende Parallelwelten“, sagt der Maler.

Titus Schade lebt für – und offenbar auch ganz gut von der Kunst. Foto: Gottfried Stoppel
Titus Schade lebt für – und offenbar auch ganz gut von der Kunst. Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Eine leuchtend weiße Kirchenfassade, daneben parkt ein Kleintransporter. Der Himmel ist dunkel, schaurig dunkel, die Szene wirkt ein bisschen unheimlich. Das großformatige Bild hat der Leipziger Maler Titus Schade „Vollmond“ genannt. Wie auf den allermeisten seiner Werke dominieren die dunklen Töne, und Personen sucht man vergeblich. Schade sagt, „der Betrachter soll zur handelenden Person werden und sich im Bild verlieren“. Rund zwei Dutzend Werke des 1984 in Leipzig geborenen Mannes sind von Freitagabend an bei der Ausstellung „Werkstadt“ in der Galerie der Stadt Backnang zu sehen.

Wie Neo Rauch, nur ohne Menschen: mit diesen Worten hat „Die Zeit“ den Rauch-Schüler Titus Schade einmal treffend beschrieben. Der mittlerweile weltbekannte Leipziger Maler Reo Rauch und Backnang – da war doch was! Rauch hat 1998 auch in Backnang ausgestellt. Damals waren seine Werke noch bezahlbar. Und seither sind die Leipziger Galerie Eigen+Art, sie vertritt Schade und Rauch, sowie der Backnanger Galerieleiter Martin Schick in losem Kontakt.

Von 2011 bis 2013 Meisterschüler bei Neo Rauch

Nach einem kurzen Vorab-Rundgang durch die Ausstellung am Donnerstagmittag kann man sagen: Was für ein Glück für Backnang, dass diese Bilder des Neo-Rauch-Schülers an Land gezogen worden sind. Titus Schade war von 2011 bis 2013 Meisterschüler bei dem Professor.

Alle in Backnang gezeigten Gemälde, sagt der Künstler, seien längst verkauft und befinden sich in Privatbesitz, speziell für diese Ausstellung wurden die Werke von den Besitzern ausgeliehen. Die großformatigen Bilder gleichen gemalten Bühnenbildern. Schick sagt, „in ihnen erscheinen sowohl Natur als auch Architektur als niedliche bis bedrohliche Kulissen“.

Imposantes Bühnenbild für das Stück „Wolken.Heim“

Titus Schade hat in der Tat schon mal ein imposantes Bühnenbild erschaffen, vier Meter mal 16 Meter groß, für die Inszenierung des Stücks „Wolken.Heim“ von Elfriede Jelinek. Vorlage für diese Kulisse war sein Bild „Der Kiosk“.

Schade ist ganz offenkundig ein Kontrollfreak, er vergleicht sich selbst mit einem Bastler, der im Keller sitzt und seine Modelleisenbahn baut – und zwar genau so, wie er sie sich vorstellt. Ganz konkret sagen kann – oder will – Schade indes nicht, welche Bedeutung in seinen Bildern steckt. Auf dem Gemälde „Garage“ zum Beispiel steht eine imposante, fast apokalyptisch anmutende Wolke am Himmel. Und am Boden lodern Feuer.

Bei den Kunden kommt Titus Schade an

Martin Schick fragt, ob da womöglich Pfadfinderromantik zu erahnen sein. Und der Künstler antwortet augenzwinkernd, vielleicht aber auch ein Bürgerkrieg. Darüber hinaus nur nur noch das zum Thema: Er versuche, die aktuelle Tagespolitik auszuklammern, „da sollte ein Künstler nicht hinterher rennen.“ Er stelle sich lieber der Aufgabe, „in sich funktionierende Parallelwelten“ zu erschaffen – mit viel Fachwerk (passt ja gut zu Backnang), mit strengen Linienführungen und mit viel schwarzer Farbe.

Bei den Kunden kommt Titus Schade an. Seine Werke sind gefragt. Über Preise, sagt der Mann, dessen Vater Künstler und dessen Mutter Fotografin ist, spreche er lieber nicht. Martin Schick allerdings erklärt, dass die großformatigen Gemälde sicherlich nicht unter 10 000 Euro zu haben sein dürften. Titus Schade lächelt, guckt ganz zufrieden und nickt.