TKC 71 Hirschlanden im Stuttgarter Stadtpalais Eine Stadt im Tipp-Kick-Fieber

Und die Profis demonstrierten ihre Fingerfertigkeit Foto: Sportregion Stuttgart/Benjamin Lau

Im Stadtpalais Stuttgart präsentiert sich der Tipp-Kick-Club 71 Hirschlanden im besten Licht – die Spieler zeigen ihr Können und einer verrät sein ungewöhnliches Tattoo.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Benjamin Buza ist ein Unikat. Gut, jeder Mensch ist eines, keine Frage. Aber der Mann aus Gerlingen hat etwas an sich, was wahrscheinlich kein anderer der über acht Milliarden Exemplare der Spezies Homo sapiens von sich behaupten kann. Auf Benjamin Buzas linkem Oberarm prangt eine recht außergewöhnliche Tätowierung: ein Tipp-Kick-Männchen. „Ich habe mir das Tattoo stechen lassen“, erzählt er, „als ich 2013 zum ersten Mal deutscher Tipp-Kick-Meister im Einzel geworden bin.“

 

Am Samstag präsentiert sich der Tipp-Kick-Club 71 Hirschlanden im Stadtpalais in Stuttgart bei der Veranstaltungsreihe „Kicken im Kessel“ der Sportregion Stuttgart – sechs große Tische mit grünem Filz belegt stehen im Foyer, drei gut 1,20 Meter große Tipp-Kick-Figuren sind mit von der Partie, die mehrfachen deutschen Mannschaftsmeister aus Hirschlanden samt deren Jugendabteilung sind bereit für ein kleines Match und geben gerne ein paar Kick-Tipp-Tipps. „Eine schöne Veranstaltung“, sagt Rainer Schlotz vom TKC 71, „bei der wir gern dabei sind und wir uns vorstellen können.“

Vor allem Kinder probieren sich an den Tischen aus, mit dem Spiel, mit dem sich womöglich schon ihre Eltern und Großeltern gemessen haben – Kick-Tipp besitzt eine 100-jährige Tradition, was Mathias Mieg im Stadtpalais unterstreicht, die Fußball-EM ist ein Katalysator für das Unternehmen aus Schwenningen. „Wir verkaufen pro Jahr bis zu 40 000 Spiele“, sagt der Mann, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt, „in Jahren einer WM oder EM sind es dann sogar bis zu 60 000.“ Vornehmlich in Deutschland, der Schweiz und Tschechien.

Campino von Toten Hosen ist Tipp-Kick-Fan

Weil Tipp-Kick nicht nur ein Spiel, sondern auch Wettkampfsport ist, darf ein wenig Wettbewerb nicht fehlen. Kinder dürfen gegen einen Jugendspieler des TKC 71 antreten – wer von den Herausforderern einen Treffer erzielt, erhält eine besondere Torwart-Figur als Prämie. Eric, Mika, Timo und Heidi gewinnen ihre Spiele natürlich, aber weil sie manchmal Konzentrationslücken einbauen, gelingt es den zwei Gegnern im VfB- und im Holland-Trikot ebenso wie den beiden in Zivil, dieses eine Tor zu machen.

Nachwuchs ist wichtig, sowohl für den TKC 71 als auch für Mathias Mieg – es sind potenzielle Clubmitglieder für die einen und Kunden von morgen für den anderen. In Hirschlanden zählt die Jugendabteilung sieben Tipp-Kicker, darunter ist Heidi. Rainer Schlotz freut das extrem: „Mädchen sind noch unterrepräsentiert im Tipp-Kick, aber das ändert sich allmählich.“ Mathias Mieg weist auf die (älteren) Promis hin, die ebenfalls das Tipp-Kick-Fieber gepackt hat, wie etwa Campino, der Sänger der Düsseldorfer Kult-Band Die Toten Hosen oder Journalist und TV-Produzent Friedrich Küppersbusch. „Der hatte mal bei uns angefragt, ob es in der Nähe seines Wohnortes einen Tipp-Kick-Club gibt“, erzählt der Unternehmer, „da war er dann mal im Training und hat jedes Spiel mit einer zweistelligen Differenz verloren.“

Buza mit acht DM-Titeln

Das würde Benjamin Buza wahrscheinlich nur passieren, wenn sie ihm einen Arm auf den Rücken binden oder ihn narkotisieren – der 50-Jährige war zweimal deutscher Einzel-Meister (2013 und 2014) sowie jeweils dreimal deutscher Mannschaftsmeister mit Hirschlanden und mit dem TKC Gallus Frankfurt. „Ich habe einen angeborenen Herzfehler und musste mit Fußballspielen aufhören“, erzählt der Gerlinger, „dann habe ich 1986 mit Tipp-Kick angefangen.“ Eine goldrichtige Entscheidung, als aktiver Fußballer wäre er wahrscheinlich nicht sechsmal deutscher Meister geworden.“

Figur kostet bis zu 200 Euro

Seine Stars sind die Figuren, die Einzelanfertigungen sind, die bis zu 200 Euro kosten. Das Schussbein ist mit Gleitlager ausgestattet, die Fußform variiert, je nachdem, für welche Schüsse das Männchen eingesetzt wird – Buza gibt seine Kicker ungern aus der Hand. „Wenn er runterfällt, ist er kaputt“, sagt er. Einem seiner Spieler hat er den Namen Predrag Mijatovic verpasst, nach dem Profi von Real Madrid. Mit ihm wurde er 2013 deutscher Meister, er ließ sich von der Figur das Tattoo stechen – danach hat er sie nie mehr eingesetzt und sie daheim in der Vitrine platziert. Der Tipp-Kick-Mann Predrag Mijatovic ist ein Unikat. Wie Benjamin Buza.

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