Grundsätzlich schöne Erinnerungen. Ich bin stolz, solche Traditionsvereine mit einem sehr gutem Umfeld und einer tollen Fan-Kultur trainiert zu haben. Mit Ulm konnte ich 2018 zum Abschied den WFV-Pokal-Sieg holen, bei den Kickers war die Saison 2018/19 nach dem Regionalliga-Abstieg nicht ganz einfach. Es gelang aber, die Mannschaft zu stabilisieren. Wir lagen lange an der Spitze, durch den Ausfall von fünf Stammkräften ging uns im Endspurt Platz eins durch die Lappen. In den Aufstiegsspielen reichten die beiden Unentschieden gegen Völklingen und Bayern Alzenau leider nicht.
Nach einer Pause haben Sie dann in der vergangenen Saison den SC Geislingen in die Verbandsliga geführt und sind nun beim FV Ravensburg gelandet. Woran liegt es denn, dass Sie In der Oberliga nach sechs Spielen immer noch auf den ersten Sieg warten?
Die Bilanz nervt mich ungemein. Auch am Dienstag im WFV-Pokal-Drittrundenspiel haben wir gegen den Regionalliga-Spitzenreiter Ulm klasse mitgehalten. Nach unserem Ausgleich zum 1:1 war zumindest die Verlängerung zum Greifen nah, dann schlugen die Ulmer in den letzten fünf Minuten doch noch zweimal zu und wir verlieren unglücklich mit 1:3. Ich hoffe, Glück und Pech gleichen sich im Laufe der Saison aus. Dann werden wir recht schnell nach oben klettern.
In der Liga haben Sie mit dem FVR auswärts bei den Spitzenteams 1. Göppinger SV 3:3 und bei der SG Sonnenhof Großaspach 0:0 gespielt.
Und in beiden Spielen hatten wir gute Chancen, das Spiel sogar zu gewinnen. Das macht mir Mut und zeigt, dass wir in dieser Liga absolut konkurrenzfähig sind.
Und sich auch gegen die Stuttgarter Kickers am Sonntag Chancen ausrechnen?
Natürlich rechnen wir uns in unserem Heimspiel Chancen aus. Gegen Ulm waren 1200 Zuschauer da, so viele sollten es gegen die Blauen auch werden. Wir bauen auf diese Unterstützung, zudem sind zwei wichtige Spieler wieder mit dabei, die gegen Ulm fehlten: Unser wieder spielberechtigter Kapitän und Innenverteidiger Philipp Altmann sowie Stürmer Daniel Schachtschneider, der wegen Achillessehnenproblemen geschont wurde.
Wie schätzen Sie die Kickers ein?
Sie haben seit 16 Auswärtsspielen nicht mehr verloren, sage und schreibe 15 davon gewonnen. Das sagt schon alles. Wir haben großen Respekt vor den Kickers. Das ist eine eingespielte, athletische Truppe mit einem ausgeglichenen Kader, die sehr viel Dominanz auf den Rasen bringt. Ich schätze die Blauen fast noch stärker ein als den SSV Ulm. Für mich sind sie ganz klar der Topfavorit auf den Titel.
Und die SG Sonnenhof Großaspach?
Sie verteidigen gut, haben eine gute Ordnung. Aber ohne ihr bisheriges Abschneiden zu schmälern: ein klein bisschen Dusel hatten sie im bisherigen Saisonverlauf schon auch.
Sie wohnen in Göppingen-Jebenhausen, haben dort auch Ihr Sportgeschäft. Wie bringen Sie das mit Ihrem Trainerjob im 150 Kilometer entfernten Oberschwaben unter einen Hut?
Man muss das alles sehr gut organisieren. Aber selbst dann geht es nur, weil ich dienstags und freitags in Ravensburg übernachte. Sonst wäre es nicht machbar. Mittwochs zum Beispiel haben wir zwei Trainingseinheiten, mittags sind dann immerhin 13 Spieler mit dabei. Wir wollen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Peilt der Verein die Regionalliga an?
Der Verein hat ein gutes Umfeld, ein großes Einzugsgebiet und will auch vorwärts kommen, aber kurzfristig ist der Aufstieg kein Ziel. Derzeit befindet sich einiges im Umbruch, so entsteht etwa im Nachwuchsbereich ein Campus, die zweite Mannschaft spielt bereits in der Landesliga. Das ist eine sehr spannende Aufgabe.
Wo will der Trainer Tobias Flitsch hin?
Zunächst nagt dieser enttäuschende Start an mir. Doch die Leute hier im Verein sind positiv gesimmt, weil die Art und Weise wie wir Fußball spielen passt. Ich selbst habe schon das Ziel, die Trainer-Pro-Lizenz-Ausbildung zu machen. Ich bin jetzt 42 – das müsste in den nächsten ein, zwei Jahren passieren, sonst müsste ich es sein lassen.