Tochter von Ex-VfB-Coach Nach der „Toni-Staffel“ tritt Dascha Haan kürzer

Die „Toni-Staffel“: Dascha Haan (2.v.li.) präsentiert ein Foto des verstorbenen Namensgebers. Foto:  

Die Athletin der SG Glems schwimmt seit einem Rekordversuch 2024 nicht mehr auf höchstem Niveau. Endgültig beendet hat sie ihre Karriere aber noch nicht.

Leonberg: Flemming Nave (nave)

1000 Tage lang war Arie Haan Fußball-Trainer des VfB Stuttgart, inzwischen hat der Niederländer seine Trainerlaufbahn beendet und lebt in Spanien. In Deutschland geblieben ist hingegen seine Tochter Dascha, die heute in Leonberg lebt.

 

Anders als beim Vater schlägt ihr Herz nicht für den Fußball, sondern für den Schwimmsport. 2019 holte sie zwei Medaillen bei der Weltmeisterschaft in Südkorea. Doch mittlerweile ist es ruhiger geworden um die 53-Jährige, von größeren Turnieren hat sie sich zurückgezogen und ihr Trainingspensum gegenüber dem WM-Jahr halbiert. Dem Schwimmen ist sie bei der SG Glems weiterhin verbunden, nimmt sich aber auch bewusst Zeit für andere Dinge.

Die Geschichte der „Toni-Staffel“

Einen Auslöser für ihren langsamen Rückzug stellt das Internationale Masters-Schwimmfest im Januar 2024 dar. Als Teil einer Mixed-Viererstaffel der SG wollte sie einen deutschen Rekord in der Altersklasse 200 aufstellen. Nachdem sich die Gruppe bereits den Rekord in den Klassen 120 und 160 gesichert hatte, widmeten Haan und ihre drei Mitstreiter den neuen Rekord ihrem 2023 verstorbenen gemeinsamen Freund Anton „Toni“ Kiss und sie nannten sich die „Toni-Staffel“. Fünf Monate bereitete sich die Gruppe auf die 4x200 Meter Freistil vor, die Familie des Namensgebers reiste aus England und Süddeutschland an, um die Rekordschwimmer zu unterstützen.

Der Jubel ist groß: Dascha Haan (Mitte) und ihre Mitstreiter werden nach dem gelungenen Rekord bejubelt. Foto: privat

„Der Rekord wurde zwar geschafft, aber nur sehr knapp und die Einzelleistungen waren auch nicht so gut wie erwartet“, berichtet Dascha Haan, ihre Staffel stand vor allem ob des Familienbesuchs unter erhöhtem Druck, was sich negativ auf die Leistungen während des Rekordversuchs auswirkte. Bei diesem verspürte sie erstmals große Schmerzen während des Schwimmens, die sie auf ein Übertraining zurückführte. „Irgendwie hat mich dabei der Spaß verlassen“, blickt sie auf das Ereignis zurück. Durch das intensive Training hatte sie vieles hinten anstellen müssen, ähnlich wie in ihrer Jugend, als sie sich beinahe für die Olympischen Spiele qualifiziert hätte.

Drei Medaillen gewann Haan bei den Kurzbahnmeisterschaften der Masters Ende 2025. Foto: privat

Einen weiteren Einschnitt hatten die Corona-Jahre dargestellt, die laut Haan vieles veränderten. „Die Mannschaft hat sich verändert“, erzählt die Schwimmerin der SG Glems, „das war eine ganz komische Zeit, es war irgendwie schräg und einige haben aufgehört.“ In ihrem Verein kommen zurzeit immer mehr junge Athleten nach, Haan war früher als Trainerin aktiv, zur Coronazeit zog sie sich jedoch zurück. Sie wolle sich nicht mehr so verpflichtet fühlen und Platz für die Jüngeren machen, meint sie.

Noch kein endgültiges Karriereende

Lässt sie ihre Karriere auf dem höchsten Niveau nun ausklingen? Dascha Haan verneint energisch: „Es kann sein, dass ich plötzlich wieder Lust habe. Deshalb schwimme ich auch weiterhin Wettkämpfe, um nicht ganz rauszukommen.“ Sie hat weiterhin Freude am Schwimmen, es fällt ihr auch immer noch leicht. „Man kann mich nachts wecken und ich schwimme locker zwei Kilometer oder mehr. Ich mag die Ruhe im Wasser“, sagt die gebürtige Niederländerin, die zudem die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, die zur Anerkennung ihrer deutschen Rekorde notwendig war.

Auf deutschen Kurzbahn-Meisterschaften schwimmt sie weiterhin, 2024 und 2025 holte sie insgesamt sieben Medaillen. Eine Teilnahme an der anstehenden Europameisterschaft wägt sie noch ab. Sie hält sich weiterhin alle Türen offen – anders als Papa Arie Haan, der seinen Ruhestand genießt.

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