Tod des Löwenzahn-Moderators Peter Lustig Der Mann, der kein Kinder-Hasser war

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Kann ein Mann, der sein Leben einer Fernsehsendung für Kinder gewidmet hat, Kinder hassen? Das zumindest besagt ein Gerücht über Peter Lustig, das sich in vielen Köpfen festgesetzt hat. Die Grundlage dafür: ein falsch verstandener Artikel in der Stuttgarter Zeitung.

Peter Lustig erklärte Kindern als Löwenzahn-Moderator die Welt. Foto: dpa 15 Bilder
Peter Lustig erklärte Kindern als Löwenzahn-Moderator die Welt. Foto: dpa

Stuttgart - „Peter Lustig, das ist doch der, der Kinder nicht leiden konnte, oder?“ Dieses Gerücht hört man seit dem Tod des Löwenzahn-Moderators immer wieder. Es geht auf einen Artikel zurück, der im Oktober 2002 in der Stuttgarter Zeitung erschienen ist (Volltext s. unten) – und der falsch verstanden wurde.

Dessen Verfasser Kai Biermann hatte sich mit Lustig kurz vor dessen 65. Geburtstag getroffen, um ein Porträt über den „Löwenzahn“-Moderator zu schreiben. Stattdessen verfasste Biermann später ein Protokoll der Begegnung, das unter dem Titel „Die Leute denken, ich trage Birkenstock“ in der Stuttgarter Zeitung gedruckt wurde. „Ich war so beeindruckt von diesem Menschen, dass ich anschließend kein Porträt über ihn schreiben wollte, schreiben konnte. Mir fehlte der Abstand, den ich brauche, um professionell über jemanden zu schreiben“, schreibt Biermann heute auf Zeit Online.

Brodelnde Gerüchteküche

In diesem Text spricht Lustig als einer, der Kinder so nimmt, wie sie sind, und deshalb gut mit ihnen auskommt. Jemand, der nicht „kindertümeln“ will und für den Neugier eine zentrale Eigenschaft ist. Und dann kommen die Sätze, aus denen andere Medien später die Aussage „Lustig mag keine Kinder“ ableiteten: „Sicher, Kinder stören und sind klebrig, na und? Das wissen die doch selbst.“ Und: „Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer.“ Was im Fall des ersten Zitats ironisch gemeint und im Fall des zweiten Zitats im Sinne der Kinder gedacht war – dass der Dreh von Fernsehsendungen für Kinder eine Quälerei ist, da man etwa häufig lange untätig herumsitzen muss – wurde Lustig als Ablehnung gegenüber Kindern ausgelegt. Von einem „Schock-Geständnis“ war die Rede und vom Kinder-Hasser Lustig.

Dass sein Artikel die Basis für die brodelnde Gerüchteküche bildete, beschäftigt Biermann auch heute noch. „Ich habe bis heute das Gefühl, dass ich unvorsichtig war, dass ich seine Position ausführlicher hätte erklären sollen, dass ich seine Sätze hätte einordnen sollen, damit sie nicht missverstanden werden können“, schreibt er auf Zeit Online. Deshalb habe er sich damals persönlich bei Lustig entschuldigt.

Die Frage, warum Biermann sich erst jetzt, nach dem Tod des Löwenzahn-Moderators, in dieser Sache geäußert habe, sei ihm seit Veröffentlichung seines Textes auf Zeit Online mehrfach gestellt worden, schreibt der Journalist auf Facebook. Er habe nicht gedacht, dass sich dieses Gerücht in den Köpfen festgesetzt habe, sei nun nach dem Tod Lustigs aber eines Besseren belehrt worden. „Bis zum Tag von Peter Lustigs Todesmeldung, als mir gleich zwei Leute nur diesen einen Satz sagten: Das war doch der, der keine... Erst da begann ich zu ahnen, dass damals bei vielen Menschen mehr passiert sein musste. Und schrieb diesen Text.“

 

Warum erst jetzt? Diese Frage wurde mir in den vergangenen Stunden ziemlich häufig gestellt. Warum haben Sie nicht frü...

Posted by Kai Biermann on  Donnerstag, 25. Februar 2016

 

Den Volltext des StZ-Artikels „Die Leute denken, ich trage Birkenstock“ können Sie auf der folgenden Seite nachlesen.