Tod eines Polizisten in Mannheim Für alle in der Polizei ist er #einervonuns

Die Trauer um den getöteten Polizisten ist groß. Foto: dpa/Dieter Leder

Nach dem Tod des Polizisten, der in Mannheim bei einem Messerangriff attackiert, sitzt der Schock tief. Um den 29-Jährigen trauern nicht nur enge Kolleginnen und Kollegen – die Trauer erfasst die Polizei im ganzen Land.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Wer Polizistinnen oder Polizisten in seinem Umfeld hat, dessen Handybildschirm wurde am Sonntag dunkel. Denn alle hatten früher oder später ein schwarzes Quadrat in ihrem Whatsapp-Status, ihrer Insta-Story oder ihrem Feed: Entweder mit einem in Schwarz gehaltenen Landeswappen oder anderen Motiven der Trauer. Dabei steht der Hashtag #einervonuns. Der Tod des Polizisten, der am vergangenen Freitag in Mannheim mit einem Messer attackiert wurde, nimmt alle mit.

 

Eine Welle der Trauer geht durch die Polizei im Land. Denn nicht nur die direkten Kollegen trauern um den 29-Jährigen, der im Dienst aus dem Leben gerissen wurde. Der Schock sitzt auch deswegen so tief, weil es eben jede Beamtin und jeden Beamten im Dienst hätte treffen können, das spielt bei der Aufarbeitung eine große Rolle.

Am Montagabend wurde mit einer Kundgebung des 29-Jährigen gedacht. Mit dabei: Innenminister Thomas Strobl (CDU) und Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) teil. Strobl ordnete an, dass an den Streifenwagen Trauerflor angebracht werden soll. Vor den Dienststellen und auf Polizeibooten werden die Fahnen auf halbmast gesenkt. Am Freitag ist eine Gedenkminute angesetzt – um 11.34 Uhr, dem Tatzeitpunkt.

Die GdP gibt keine Statements ab – die Trauer hat Vorrang

Mit der Trauer gehen die Gewerkschaften unterschiedlich um. Die DPolG versendete am Sonntag schon ein Statement ihres Landesvorsitzenden Ralf Kusterer. Er thematisiert darin unter anderem „schöngerechnete Polizeistatistiken“ und warnt vor fanatischen und „ideologisierten“ Tätern.

Die GdP hingegen schweigt. Ihr Landesvorsitzender sagt nichts zur Einordnung der Tat. Der Montag sei der Tag, an dem die Polizei „der Trauer Raum gibt“, und nicht für mehr oder weniger politische Statements und Forderungen der Gewerkschaften.

Doch wie sieht es innerhalb der Polizei aus? Man versucht zum Beispiel, den Kolleginnen und Kollegen Abstand zu geben. Bei zwei Kundgebungen am Samstag in Mannheim, die beide mit der Tat zu tun hatten, wurden keine Kräfte eingesetzt, die dort sonst Dienst tun – schließlich waren diese in der Nähe des Tatorts. Stattdessen seien welche von außerhalb geschickt worden.

Eine Sprecherin des Innenministeriums erläutert, dass Ende der 1990er Jahre in Baden-Württemberg damit begonnen wurde, eine „professionelle Konflikthandhabung aufzubauen“. 1997 wurden geschulte Beamte als psychosoziale Berater, auch „Kollegenhelfer“ genannt, etabliert. 2014 wurden im Zuge der Struktur-Reform der „Institutsbereich Psychosoziale Gesundheit“ an der Polizeihochschule und ein einsatzpsychologischer Dienst eingeführt.

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