„Der Verlust eines Kindes ist das Unvorstellbarste, das eine Familie erleben kann. Den wohl unerträglichen Schmerz können wir den Eltern nicht nehmen. Aber wir möchten ihnen auch auf diese Weise zeigen, dass wir in Gedanken bei ihnen sind und sie zumindest finanziell ein bisschen unterstützen“, teilt der Elternbeirat in dem Spendenaufruf mit, der auch unsere Redaktion erreicht hat. Aus Rücksicht auf die Familie möchte sich darüber hinaus im Moment niemand öffentlich äußern. Aber sichtbar ist doch die Spendensumme – auch ein Statement aus ganz Herrenberg: Mittlerweile sind mehr als 19 000 Euro gesammelt worden.
Das Kind verstarb später im Krankenhaus
Informationen gibt es derweil von der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Und sie sind klar und deutlich: Das Kind habe trotz sofort eingeleiteter Ersthelfermaßnahmen und Hinzurufen des Rettungsdienstes eine irreparable Schädigung des Gehirns erlitten. Wenige Tage nach dem Unfall sei das Mädchen im Krankenhaus verstorben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft liegen keine Anhaltspunkte für eine Aufsichtspflichtverletzung oder sonstige strafrechtliche relevante Handlungen der Betreuer oder sonstiger Personen vor.
Ein Unfall, wie er jetzt in Herrenberg passiert ist, zeigt, wie wichtig Erste Hilfe, wie wichtig gutes Personal sind – und dass es trotzdem zu so tragischen Unfällen kommen kann. Das Risiko, sich zu verschlucken, sei bei Kindern bis sechs Jahren besonders hoch, sagt der Geschäftsführende Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin Böblingen, Lutz Feldhahn. Das liege an der Anatomie: Der gesamte Rachenraum mit Speise- und Luftröhre würden in diesem Alter so nah zusammenliegen, dass Lebensmittel oder auch andere Fremdkörper in die Luftröhre geraten können.
Bei Kindern über einem Jahr Heimlich-Manöver anwenden
Er erklärt, was in diesem Fall helfen kann: Wenn es dazu kommen sollte, dass sich ein Kind so verschluckt hat, dass es in Atemnot gerät und blau wird, rät Lutz Feldhahn bei Kindern über einem Jahr dazu, das sogenannte Heimlich-Manöver anzuwenden: Durch den Klammergriff wird der Druck im Brustkorb so erhöht, dass sich der Fremdkörper in der Luftröhre lösen kann. Bis zu fünfmal könne dieser Handgriff angewendet werden, erklärt der Arzt. Bei Kindern unter einem Jahr sollte laut dem Arzt auf dieses Manöver verzichtet werden und stattdessen in Bauchlage fest auf den Rücken gehauen werden. Wenn all dies nicht funktioniert, sollte der Notruf gewählt und das Kind reanimiert werden.
Die Stadt Herrenberg drück Betroffenheit aus
Auch der Herrenberger Oberbürgermeister Nico Reith drückt seine Betroffenheit aus: „Dieser schmerzliche Verlust lässt sich nicht in Worte fassen. Ich spreche der betroffenen Familie im Namen der Stadt Herrenberg meine aufrichtige Anteilnahme aus.“ Die Verwaltung informiert, dass die Kita nach dem Vorfall für zwei Tage geschlossen war. Das Personal werde außerdem vom Notfallnachsorgedienst begleitet, um die Beteiligten und das Kita-Personal professionell zu unterstützen. Das Kita-Personal arbeite weiterhin mit größter Achtsamkeit und Wachsamkeit, um die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Kinder zu gewährleisten, versichert die Stadtverwaltung.
Aus Rücksicht auf die Familie will die Verwaltung keine weiteren Informationen herausgeben. Auch Natascha Strasser, die die Spendenaktion auf der Webseite „GoFundMe“ ins Leben gerufen hat, will sich nicht weiter äußern. Der Schock sitze tief und müsse zunächst verarbeitet werden, erklärt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. In dem Spendenaufruf des Herrenberger Kinderhauses wird dieser Sprachlosigkeit mit wenigen Sätzen dann aber doch etwas Ausdruck verliehen: „Und die Welt steht still“, und „uns fehlen die Worte.“
Was tun im Notfall?
Heimlich-Manöver
Der Handgriff, der bei heftigem Verschlucken, angewendet werden kann, kann bei Kindern über einem Jahr und Erwachsenen im Notfall (wenn das Kind nicht mehr von alleine hustet) angewendet werden. Dabei stellen sich Erwachsene hinter das Kind, ballen eine Faust und platzieren sie zwischen dem Bauchnabel und dem unteren Ende des Brustbeins. Dann sollte die Faust mit der anderen Hand umfasst werden und ruckartig nach innen und oben gezogen werden. Diese Bewegung kann bis zu fünf Mal wiederholt werden. Ein Arzt sollte auch nach erfolgreichem Manöver aufgesucht werden. Bei Kindern unter einem Jahr in Bauchlage fest auf den Rücken klopfen.
Selbsthilfegruppen
Im Landkreis Böblingen gibt es mehrere Angebote wie Trauergruppen oder Selbsthilfegruppen für trauernde Eltern. Auf der Webseite des Landratsamtes sind mehrere Gruppen und Anlaufstellen den Kontaktinformationen aufgelistet, die Eltern beim Verlust eines Kindes unterstützen.