Tod von drei Mädchen an Aussichtsturm „Dort darf niemand mehr sterben“ – Bürger befürchten vorzeitige Öffnung

Vor dem Aussichtsturm „Hohe Warte“ hat eine Gruppe von Müttern und Vätern mehrere Kreuze an einem Bauzaun aufgehängt. Foto: privat

Nach dem mutmaßlichen Suizid von drei Mädchen befürchten Eltern aus dem Pforzheimer Stadtteil Hohenwart und umliegenden Dörfern, dass der Aussichtsturm vorzeitig wieder eröffnet werden könnte – bevor er gesichert wurde. Die Stadt beruhigt.

Baden-Württemberg: Florian Dürr (fid)

Noch vor Sonnenaufgang machen sich am vergangenen Donnerstag mehrere Mütter und Väter auf den Weg zum Aussichtsturm im Pforzheimer Stadtteil Hohenwart. Selbst gebastelte Kreuze aus Holz tragen sie zu dem Turm, der etwa zehn Minuten Fußweg vom Wanderparkplatz mitten im Wald 40 Meter in die Höhe ragt. Am Bauzaun, der das Bauwerk derzeit absichert, hängen sie die Kreuze auf, zünden Kerzen an. „In Gedenken an alle Menschen, die an diesem Turm ums Leben gekommen sind. Ruhet in Frieden“, steht auf einem Transparent. „Dort darf niemand mehr sterben“, sagt eine Frau, die im Namen der Gruppe von Eltern aus Hohenwart und den umliegenden Dörfern spricht, aber anonym bleiben möchte.

 

Externe Baufirma soll Vorschläge für Sicherung erarbeiten

Seit dem Tod der drei Mädchen, die sich am 28. November mutmaßlich mit einem Sprung von dem Turm das Leben genommen haben, stehen die Mütter und Väter unter Schock. „Es ist wichtig, dass jetzt gehandelt wird, sonst stürzen sich wieder Menschen runter. Deshalb haben wir das mit den Kreuzen gemacht“, sagt die Frau, die unerkannt bleiben möchte, über die symbolische Aktion.

Kerzen der Trauer vor dem Aussichtsturm. Foto: STZN/Dürr

Erste Konsequenzen aus dem tragischen Ereignis wurden bereits bei einem Runden Tisch auf Einladung des Pforzheimer Oberbürgermeisters Peter Boch (CDU) besprochen: Eine externe Baufirma soll Lösungsvorschläge für eine langfristige Sicherung des Turms erarbeiten. Die Stadt erwägt zum Beispiel, den Aussichtsturm „Hohe Warte“ künftig nur noch zu bestimmten Zeiten zu öffnen. Es sei denkbar, ein Kassenhäuschen am Eingang aufzustellen und außerhalb der Öffnungszeiten den Aufstieg durch entsprechende Absperrungen unmöglich zu machen, hieß es kürzlich in einer Mitteilung der Stadt. „Das ist aber nur ein Beispiel, nicht die fertige Lösung“, betont ein Sprecher.

„Der Turm bleibt gesperrt, bis eine langfristige Lösung gefunden ist“

Die Gruppe aus rund 15 Müttern und Vätern befürchtet, dass sich die Sicherung des Aussichtsturms so lange hinziehen könnte, dass er vorzeitig wieder eröffnet wird. Es gehe nicht darum, den Turm ganz abzureißen, sagt die Frau, auch sie wollen das Bauwerk erhalten, aber: „Der Turm muss so lange zubleiben, bis er komplett gesichert ist“, fordert die Gruppe.

Inzwischen hat die Stadt als zusätzliche Absicherung eine zweite Reihe Bauzaun aufstellen lassen – und beruhigt die Eltern: „Der Aussichtsturm bleibt gesperrt, bis eine langfristige Lösung gefunden ist“, sagt ein Sprecher. Wenn die externe Baufirma Lösungskonzepte erarbeitet hat, sollen diese im neuen Jahr auch mit der Dorfgemeinschaft vor Ort diskutiert werden, erklärt der Sprecher: „Es wird nichts über den Kopf der Bevölkerung hinweg beschlossen.“ Das Ziel der Verantwortlichen sei klar: den Turm so sicher wie möglich zu machen.

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