Tod von George Floyd Neue Aufnahmen zeigen letzte Minuten

Von red/ap 

Voller Panik und Angst fleht George Floyd die Polizisten an, die ihn festnehmen. Die ringen ihn nieder und lassen auch wenig Emotion erkennen, als er immer stiller wird. Die neuen Aufnahmen zeigen die Minuten vor dem Tod des Schwarzen aus einem neuen Blickwinkel.

Am Mittwoch verklagte die Familie Floyds die Polizisten und die Stadt Minneapolis. Foto: AFP/STEPHANIE KEITH
Am Mittwoch verklagte die Familie Floyds die Polizisten und die Stadt Minneapolis. Foto: AFP/STEPHANIE KEITH

Minneapolis - Videoaufnahmen von den Körperkameras der beteiligten Polizisten haben einen neuen Einblick in die letzten Minuten im Leben von George Floyd gegeben. Die am Mittwoch veröffentlichten Aufnahmen zeigen, wie ein offensichtlich verängstigter Floyd bei seiner Festnahme Ende Mai die Polizisten bat und anbettelte, ihn gehen zu lassen. „Ich bin kein schlechter Kerl. Ich bin nicht so ein Typ“, sagte Floyd den Beamten, die ihn in einen Streifenwagen drücken wollten. Wenige Minuten später lag der Schwarze mit dem Gesicht nach unten und in Handschellen auf dem Boden. Die Kameras nahmen seine immer leiser werdende Stimme auf, mit der er noch mehrmals sagte, „Ich kann nicht atmen“, bevor er starb.

Aufnahmen sind Teil des Gerichtsverfahrens

Einer der vier Beamten, Derek C., drückte Floyd sein Knie fast acht Minuten lang in den Hals. Ein Video einer Passantin davon hatte Proteste und Unruhen in den gesamten USA ausgelöst. Der Polizist wurde wegen der Tötung von Floyd angeklagt, die drei anderen beteiligten Polizisten wegen Beihilfe.

Die Videos der Körperkameras von zwei der Kollegen von Derek C., Thomas L. und J.K., wurden am Mittwoch erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Nachrichtenagentur AP konnte die Aufnahmen, die Teil des Gerichtsverfahrens sind, ansehen, durfte sie aber nicht weiterverbreiten.

Scheinbar emotionslos kommentierten die Polizisten den Zustand Floyds am Boden. „Ich glaube, er wird ohnmächtig“, sagte einer von ihnen. „Euch geht es aber gut?“, fragte eine Stimme. „Ja, soweit gut“, antwortete ein anderer. „Mein Knie hat vielleicht einen kleinen Kratzer, aber ich werde überleben“, sagte ein anderer. J.K., der Floyd zusätzlich mit dem Knie auf den Hintern drückte, ist zu sehen, wie er währendessen beiläufig ein Steinchen aus dem Reifenprofil des Streifenwagens holte und es auf die Straße warf.

Familie verklagt Polizisten und Stadt

Thomas L. fragte nach einigen Minuten nach, ob man Floyd auf die Seite drehen sollte, allerdings ohne große Sorge in seiner Stimme. Gleichzeitig sind Passanten zu hören, die fragten, ob Floyd denn noch einen Puls habe und atme. Einige Minuten später fragte L. wieder, ob man Floyd auf die Seite drehen sollte, diesmal mit mehr Dringlichkeit. Seine Kollegen sagten daraufhin nichts mehr, blieben aber ruhig, als K. den Puls von Floyd fühlte und sagte, er könne keinen fühlen. L. und die Sanitäter versuchten ihn anschließend im Krankenwagen mehrere Minuten lang wiederzubeleben - erfolglos.

Ebenfalls am Mittwoch verklagte die Familie Floyds die Polizisten und die Stadt Minneapolis. Die Angehörigen warfen den vier Männern vor, Floyds Grundrechte verletzt zu haben, als sie ihn bei seiner Festnahme brutal festhielten. Die Stadt Minneapolis, in der es zu dem tödlichen Einsatz kam, beschuldigten sie, in ihrer Polizei eine Kultur exzessiver Gewaltanwendung, Rassismus und Straflosigkeit für die Verantwortlichen gewähren haben zu lassen.

„Diese Klage zeigt, was wir immer schon gesagt haben: dass Herr Floyd gestorben ist, weil das Gewicht der gesamten Polizei von Minneapolis auf seinem Hals war“, sagte Anwalt Ben Crump. Ziel sei es, einen Präzedenzfall zu schaffen, der es Polizisten auch in finanzieller Hinsicht verbiete, Randgruppen unrechtmäßigerweise zu töten.




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