Mit der Familie trauern mehr als 1000 Menschen um Thomas Züfle. Der Polizeipräsident war am Sonntag bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Im engsten Familienkreis wurde er beigesetzt.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Eine bleierne Schwere“, habe er bei allen um Thomas Züfle trauernden Menschen festgestellt, sagte der Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Freitag bei der Trauerfeier für den Polizeipräsidenten. Thomas Züfle war am vergangenen Sonntag bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Er wurde 57 Jahre alt. In der Domkirche St. Eberhard verabschiedeten sich mehr als 1000 Menschen von dem Polizeipräsidenten, der bei seinen Kollegen und in der Stadtgesellschaft in seiner kurzen Amtszeit höchste Wertschätzung erfahren hatte. „Es ist zum Heulen“, zitierte Gall die Reaktion vieler Kollegen auf die Nachricht von Züfles Tod.

Der Polizeipräsident hatte sein Amt nur zwei Jahre lang bekleidet. Am 1. Juni 2011 war er als Nachfolger von Siegfried Stumpf in der Hahnemannstraße mit dem großen Auftrag angetreten, in der Stadtgesellschaft wieder Frieden zu schaffen zwischen der Polizei und den Bürgern. Das Verhältnis war durch den aus dem Ruder gelaufenen Einsatz gegen Stuttgart-21-Gegner am 30. September 2010 zerrüttet worden. Dass Züfle seinen Auftrag ernst nahm und die Parteien wieder zusammenführte, betonten alle Redner, die ihn ehrten, ebenso zeigten sie die tiefe Trauer, die sie empfanden. „Die große, überwältigende Anteilnahme der Öffentlichkeit macht deutlich, dass er ein ganz besonderer Mensch war“, fasste Gall die Gespräche und Begegnungen zusammen, die er in den Tagen seit Züfles Tod mit Freunden, Kollegen und Wegbegleitern des Polizeipräsidenten hatte.

Mehrfach habe er gehört, Züfle sei „der geborene Polizeipräsident“ gewesen, sagte Gall. „Er wurde aber nicht als Polizeipräsident geboren, sondern hat sich dazu entwickelt“, vom Streifenpolizisten im Stuttgarter Innenstadtrevier im Jahr 1975 bis zur Ernennung als Chef der Stuttgarter Polizei im Sommer 2011. Züfles „gewinnendes Wesen, seine leuchtenden Augen, sein scharfer Verstand, seine Überzeugungskraft und sein mitreißendes, mal durchaus schelmisches Lachen“ seien in seiner Karriere die „wohl besten Führungsgehilfen“ des Thomas Züfle gewesen, sagte der Minister.

„Ich bin dankbar, dass ich ihn kennen durfte“

Mit diesen Begabungen sei der Polizeipräsident „ein ehrlicher Versöhner“ gewesen, „die vertrauensbildende Maßnahme in Person“, so habe er Thomas Züfle erlebt, sagte der Stadtdekan Christian Hermes. Stuttgart habe erlebt, wie schnell die Stadtgemeinschaft auseinanderfallen könne. „Ungleich schwerer ist es, die Gemeinschaft wieder aufzubauen.“ Das sei Züfle gelungen. „Ich bin dankbar, dass ich ihn kennen durfte“, sagte Hermes.

Passend zum Wesen des Verstorbenen verzichteten der Innenminister, der Landespolizeipräsident Wolf Hammann, der Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der Personalratsvorsitzende Rainer Hurler darauf, die Karrierestationen Züfles aufzuzählen. Stattdessen berichteten sie von Begegnungen, die sie mit dem Polizeipräsidenten hatten. Reinhold Gall traf ihn zum ersten Mal an einem Sonntagnachmittag im Mai 2011 zu einem Gespräch über den Posten des Polizeichefs in Stuttgart. Züfle sei im Urlaub gewesen, habe sich entschuldigt, er sei unrasiert und verschwitzt. „So saß er mir dann auch gegenüber. Er war einfach er“, sagte Gall. Für den Oberbürgermeister Fritz Kuhn war Züfle „ein ganz großer Polizeipräsident, er wollte immer verstehen, nicht nur durchsetzen“. Gespräche habe der Polizeichef „immer mit dem Ziel auf Verständigung geführt“, lobte der OB.

„In unserer Erinnerung bleibt er bei uns“

„Der Mann mit seiner stilbildenden Präsenz fehlt“, sagte Wolf Hammann. Irgendetwas in ihm weigere sich noch immer, die Nachricht von Züfles Tod zu begreifen, die am Sonntagabend „wie ein Blitz in die Menschen der Polizei“ eingeschlagen sei. Als Trost bleibe „nur die menschliche Fähigkeit der Erinnerung. In unserer Erinnerung bleibt er bei uns“, sagte Hammann, bevor auch er sich vor Züfles Foto im Altarraum verneigte. Ein Bild vom Polizeipräsidenten, das zu den Worten passte, mit denen er geehrt wurde: Kein offizielles Hochglanzfoto, sondern eine Momentaufnahme, die einen entspannten Züfle zeigte. Neben dem Foto hielten zwei Beamte Ehrenwache für den Verstorbenen. „Tom, du wirst uns allen fehlen, es fällt schwer, sich damit abzufinden“, sagte der Personalratsvorsitzende Rainer Hurler. „Druck net rum, sag wie es ist“, zitierte er den Polizeipräsidenten. So sei er aufgefordert worden, über Probleme der Kollegen zu reden.

Reinhold Gall erinnerte auch an die sensible Seite des Verstorbenen. „Ich weine leise in die Zeit“, laute eine Zeile aus einem Lied, das ihn und seine Frau verbunden habe, eine Ballade der Gruppe Rammstein. „Liebe Frau Züfle, es gibt in diesen Tagen nicht wenige, die weinen leise an ihrer Seite mit“, sagte Gall zur Ehefrau des Polizeipräsidenten. „Stirb nicht vor mir“ heißt das zitierte Lied. Auch die Landespolizeipfarrerin Eva-Maria Agster nahm es in ihre Predigt auf. Die Liedzeilen waren für sie die Botschaft, dass der Mann, der so viel Ruhe ausstrahlte, sich mit dem Gedanken befasste, wie es ist, alleine zurückzubleiben.

Thomas Züfle wurde am Freitagnachmittag im engsten Familienkreis in seinem Heimatort Jettingen beigesetzt.