Tod von Thomas Züfle Abschied von einem „ehrlichen Versöhner“

Von  

Mit der Familie trauern mehr als 1000 Menschen um Thomas Züfle. Der Polizeipräsident war am Sonntag bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Im engsten Familienkreis wurde er beigesetzt.

Zwei Beamte haben Ehrenwache für den verstorbenen Thomas Züfle gehalten. Foto: Michael Steinert
Zwei Beamte haben Ehrenwache für den verstorbenen Thomas Züfle gehalten. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Eine bleierne Schwere“, habe er bei allen um Thomas Züfle trauernden Menschen festgestellt, sagte der Innenminister Reinhold Gall (SPD) am Freitag bei der Trauerfeier für den Polizeipräsidenten. Thomas Züfle war am vergangenen Sonntag bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Er wurde 57 Jahre alt. In der Domkirche St. Eberhard verabschiedeten sich mehr als 1000 Menschen von dem Polizeipräsidenten, der bei seinen Kollegen und in der Stadtgesellschaft in seiner kurzen Amtszeit höchste Wertschätzung erfahren hatte. „Es ist zum Heulen“, zitierte Gall die Reaktion vieler Kollegen auf die Nachricht von Züfles Tod.

Der Polizeipräsident hatte sein Amt nur zwei Jahre lang bekleidet. Am 1. Juni 2011 war er als Nachfolger von Siegfried Stumpf in der Hahnemannstraße mit dem großen Auftrag angetreten, in der Stadtgesellschaft wieder Frieden zu schaffen zwischen der Polizei und den Bürgern. Das Verhältnis war durch den aus dem Ruder gelaufenen Einsatz gegen Stuttgart-21-Gegner am 30. September 2010 zerrüttet worden. Dass Züfle seinen Auftrag ernst nahm und die Parteien wieder zusammenführte, betonten alle Redner, die ihn ehrten, ebenso zeigten sie die tiefe Trauer, die sie empfanden. „Die große, überwältigende Anteilnahme der Öffentlichkeit macht deutlich, dass er ein ganz besonderer Mensch war“, fasste Gall die Gespräche und Begegnungen zusammen, die er in den Tagen seit Züfles Tod mit Freunden, Kollegen und Wegbegleitern des Polizeipräsidenten hatte.

Mehrfach habe er gehört, Züfle sei „der geborene Polizeipräsident“ gewesen, sagte Gall. „Er wurde aber nicht als Polizeipräsident geboren, sondern hat sich dazu entwickelt“, vom Streifenpolizisten im Stuttgarter Innenstadtrevier im Jahr 1975 bis zur Ernennung als Chef der Stuttgarter Polizei im Sommer 2011. Züfles „gewinnendes Wesen, seine leuchtenden Augen, sein scharfer Verstand, seine Überzeugungskraft und sein mitreißendes, mal durchaus schelmisches Lachen“ seien in seiner Karriere die „wohl besten Führungsgehilfen“ des Thomas Züfle gewesen, sagte der Minister.

„Ich bin dankbar, dass ich ihn kennen durfte“

Mit diesen Begabungen sei der Polizeipräsident „ein ehrlicher Versöhner“ gewesen, „die vertrauensbildende Maßnahme in Person“, so habe er Thomas Züfle erlebt, sagte der Stadtdekan Christian Hermes. Stuttgart habe erlebt, wie schnell die Stadtgemeinschaft auseinanderfallen könne. „Ungleich schwerer ist es, die Gemeinschaft wieder aufzubauen.“ Das sei Züfle gelungen. „Ich bin dankbar, dass ich ihn kennen durfte“, sagte Hermes.

Passend zum Wesen des Verstorbenen verzichteten der Innenminister, der Landespolizeipräsident Wolf Hammann, der Oberbürgermeister Fritz Kuhn und der Personalratsvorsitzende Rainer Hurler darauf, die Karrierestationen Züfles aufzuzählen. Stattdessen berichteten sie von Begegnungen, die sie mit dem Polizeipräsidenten hatten. Reinhold Gall traf ihn zum ersten Mal an einem Sonntagnachmittag im Mai 2011 zu einem Gespräch über den Posten des Polizeichefs in Stuttgart. Züfle sei im Urlaub gewesen, habe sich entschuldigt, er sei unrasiert und verschwitzt. „So saß er mir dann auch gegenüber. Er war einfach er“, sagte Gall. Für den Oberbürgermeister Fritz Kuhn war Züfle „ein ganz großer Polizeipräsident, er wollte immer verstehen, nicht nur durchsetzen“. Gespräche habe der Polizeichef „immer mit dem Ziel auf Verständigung geführt“, lobte der OB.

Sonderthemen