Todesanzeigen im Internet Betreutes Trauern mit Markwort

Umsonst ist im Diesseits gar nichts – clevere Köpfe haben darum entdeckt, dass sich mit Todesanzeigen im Internet Geld verdienen lässt. Foto: ddp 2 Bilder
Umsonst ist im Diesseits gar nichts – clevere Köpfe haben darum entdeckt, dass sich mit Todesanzeigen im Internet Geld verdienen lässt. Foto: ddp

Im Internet boomen sie. Jetzt will auch der ehemalige Focus-Chef Helmut Markwort ein Stück vom Kuchen abhaben.

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Stuttgart - Helmut Markwort, 73, hat ein entspanntes Verhältnis zum Tod. Noch bevor er seinen Sessel in der Chefredaktion des Nachrichtenmagazins "Focus" geräumt hatte, setzte er sich einen schwarzen Schlapphut auf, um Freund Hein auf der Bühne des Volkstheaters Frankfurt zu spielen. Es war eine Rolle ganz nach dem Geschmack des Selbstdarstellers. In dem Stück "Der hessische Jedermann" durfte er die Sense ohne Rücksicht auf Verluste schwingen. "Mit mir kannste net handele", so lautete sein Credo. Der Satz passt auch gut zu der Posse, die sich um sein neues Projekt rankt: Helmut Markwort eröffnet einen virtuellen Friedhof. "Stayalive" - bleib am Leben - heißt das Internetportal, das man sich wie eine Art Facebook für Tote vorstellen muss. Es richtet sich an Menschen, die die Sorge umtreibt, wer ihren Nachruf verfassen wird, wenn sie einmal das Zeitliche segnen.

Helmut Markwort und sein Geschäftspartner, der Münchner Internet-Unternehmer Matthias Krage, wollen ihnen diese Sorge abnehmen. Auf Stayalive können sich ihre Kunden schon zu Lebzeiten selber ein Denkmal setzen: Im Todesfall wird die Seite freigeschaltet.

Das Internet als virtuelles Kondolenzbuch, dieser Trend ist nicht neu. Er schwappte vor einigen Jahren aus den Vereinigten Staaten über den Atlantik. Zuerst waren es Tierfreunde, die ihren vierbeinigen Lieblingen im Internet ein Grab schaufelten. Inzwischen dient das Netz auch als digitaler Friedhof für verstorbene Menschen. So hat mit "Mydeathspace.com" etwa die werbefinanzierte Plattform "Myspace.com" einen eigenen Ableger bekommen. Er ist bestückt mit Nachrufen auf Personen, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind. Häufigste Ursachen sind Suizid, Unfalltod und Mord.

2008 ging der erste kommerzielle Internet-Friedhof an den Start


Hierzulande waren es in erster Linie Internet-Afficionados, die sich im World Wide Web von Verstorbenen verabschiedeten. Man fand die Nachrufe auf nichtkommerziellen Websites wie http://www.internetfriedhof.de » oder http://www.strassederbesten.de ». Wer wollte, konnte dort eine virtuelle Kerze für prominente und nicht-prominente Verstorbene anzünden, für die Opfer der Love-Parade 2010, Oma Heidtmoor oder Michael Jackson.

2008 ging mit http://www.emorial.de » auch der erste kommerzielle Internet-Friedhof an den Start. Gegründet wurde er von einem langjährigen Kollegen des ehemaligen Focus-Chefredakteurs, Martin Kunz. Ein Zufall? Wohl kaum. Von "Ideenklau" ist in der Branche die Rede. Der Online-Mediendienst Meedia hat sicherheitshalber ein Fragezeichen hinter diesen Vorwurf gesetzt, wohl wissend, dass Markwort der Ruf der Klagefreudigkeit vorauseilt. Was vielleicht auch erklärt, warum Martin Kunz kein böses Wort über den Alpha-Journalisten verliert. Wie viele andere Kollegen bezeichnet er Markwort als seinen Mentor.

Der Wissenschaftsjournalist hat unter den Fittichen des Focus-Chefredakteurs eine steile Karriere gemacht: vom Redakteur zum Leiter des Ressorts für Forschung, Technik und Medizin. Wie nahe er ihm einmal stand, konnte man an der Sitzordnung in den täglichen Konferenzen der Focus-Redaktion ablesen. Kunz saß stets links neben dem Chefredakteur. Seine Nebentätigkeit als Betreiber von http://www.emorial.de » habe er sich natürlich von Markwort genehmigen lassen, sagt er heute. Lebhaftes Interesse habe sein Chef an der Geschäftsidee gezeigt. Sogar Einblick in seinen Business-Plan habe er ihm gewährt.

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