„Todesliste“ in Freiberg am Neckar Bürgermeister und Mitarbeiter mit dem Tode bedroht

Ein Mann hat vor Weihnachten Mitarbeiter im Freiberger Rathaus bedroht und einen von ihnen angegriffen. Foto: Simon Granville

In Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) ist das Rathaus seit mehreren Wochen nicht mehr frei zugänglich. Die Polizei ermittelt. Was ist passiert?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Wüste Beschimpfungen, Drohgebärden, am Ende wurde der Mann sogar handgreiflich und warf einen Mitarbeiter zu Boden: Was sich vor einigen Wochen in einer Obdachlosenunterkunft von Freiberg am Neckar zugetragen hatte, ließ Bürgermeister Dirk Schaible einigermaßen fassungslos zurück. „So richtig Spaß macht das nicht mehr“, sagt er.

 

Der Angriff ist das eine. Dass es der Mann, der so wütete, ernst meint und womöglich bereit ist, noch weiter zu gehen, unterstrich er mit einer „Todesliste“. Darauf mehrere Namen von Mitarbeitern von Verwaltung und Stadt sowie dem des Bürgermeisters. Die Liste hinterlegte der Tatverdächtige sogar bei der Polizei. Er habe „in seiner Stellungnahme gegenüber der Polizei die Namen verschiedener Mitarbeitender der Stadt aufgelistet und diese mit dem Tode bedroht“, heißt es dazu relativ trocken aus der Pressestelle. Drohungen, Beleidigungen, Anfeindungen: Immer wieder bekommen Verwaltungsmitarbeiter den Frust von Bürgern zu spüren, das Klima und der Ton in den Rathäusern sind harscher geworden. Das berichten Bürgermeister landauf, landab. Schon vor der Coronakrise, im Zuge derer sich Ärger und Unmut über die politischen Entscheidungen von Bund und Ländern auch auf lokaler Ebene entluden, war das der Fall gewesen.

Bürger sind wegen der Vorfälle eingeschränkt

Gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Sozialämtern, Jobcentern und Ausländerbehörden sind häufig Zielscheibe von Anfeindungen. Dass die Situation aber derart eskaliert, wie es unlängst in Freiberg der Fall war, ist dennoch selten und deshalb bemerkenswert.

„Im Briefkasten landet immer mal wieder was Böses“, sagt auch Dirk Schaible. So konkrete Drohungen wie zuletzt habe es bis dato aber nicht gegeben. Als Folge dessen ist das Freiberger Rathaus seit mehreren Wochen nicht mehr frei zugänglich. Wer ein Anliegen hat, Dokumente beantragen oder abholen möchte, muss sich vorher anmelden und wird dann an der Pforte abgeholt. Schaible bedauert, dass das derzeit nötig ist und die Bürger so eingeschränkt werden müssen. „Ein Rathaus muss eigentlich ein offenes Haus sein“, sagt er. Aber es gelte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen.

Mann war wohl unzufrieden mit seiner Unterkunft

Auch wenn es oft bei Bedrohungen bleibe, solche Vorfälle lassen diejenigen, die sie mitbekommen oder gegen die sie gerichtet sind, natürlich nicht kalt. „Wir nehmen die Sache ernst. Das müssen wir“, sagt Schaible. Dass der Mann eine solche Wut gegen die Verwaltung entwickelt und seinen Aggressionen freien Lauf gelassen hat, dürfte laut der Polizei mit seiner Unterkunft, einer städtischen Einrichtung, zusammenhängen. Sprecher Steffen Grabenstein spricht von einer „persönlichen Unzufriedenheit“, weitere Details nennt er nicht. Ein solch gewalttätiges Verhalten rechtfertige oder entschuldige das natürlich nicht, so Grabenstein.

Die Polizei ermittelt gegen den Aggressor wegen Körperverletzung, außerdem wegen der Todesliste. Weitere Auskünfte zum Stand der Ermittlungen oder Erkenntnisse zum Tatverdächtigen erteilt die Polizei nicht.

Wie so oft in solchen Fällen liegt der Verdacht nahe, dass der Mann sein Verhalten nur eingeschränkt kontrolliert. Der psychische Zustand der Person, die eine Drohung ausspreche, bedingt – neben vielen anderen Faktoren – das Vorgehen der Polizei. Welche Vorkehrungen sie neben der Schließung des Rathauses im Freiberger Fall ergriffen hat, auch dazu macht die Polizei keine Angaben. Drohungen nehme man aber „grundsätzlich immer ernst“, so Steffen Grabenstein.

Dirk Schaible hofft, dass im Rathaus bald wieder mehr Entspannung einkehren wird. „Wir haben ja eigentlich keinen Brennpunkt in Freiberg“, sagt der Bürgermeister. Wann man wieder zur Normalität zurückkehren kann und wird, weiß er noch nicht.

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