Todestag von Franziskus jährt sich Die Stimme des gestorbenen Papstes hallt nach

Wie auf diesem Foto vom April 2025 ist Papst Franziskus auch ein Jahr nach seinem Tod in Rom noch sehr präsent. Foto: imago/Matrix Images

Ein Jahr, nachdem Papst Franziskus an Ostermontag 2025 gestorben ist, wird es an seinem Grab langsam ruhiger. Seine Worte bleiben durch die aktuellen Kriege präsent.

Nur eine Handvoll Frauen steht um die Mittagszeit vor dem schlichten hellgrauen Grabstein. Das warme Licht, mit dem die Nische in der Basilika Santa Maria Maggiore beleuchtet ist, strahlt sanft in den Gang der Kirche hinaus. Unauffällig räumt ein Angestellter die Blumen, die hier von den Gläubigen ab und zu niedergelegt werden, in regelmäßigen Abständen beiseite.

 

Noch vor wenigen Wochen sorgte hier ein samtenes Absperrseil dafür, die Masse an Pilgern im Zaum zu halten. Jeder, der nach Rom kam, so schien es, wollte auch das Grab von Papst Franziskus besuchen. Besinnlich ging es dabei nicht zu. In einer dicht gedrängten Schlange wurden die Menschen an der grauen Marmorplatte vorbei geschleust. „Weitergehen, nicht stehenbleiben! Weitergehen, nicht stehenbleiben!“, raunte eine Sicherheitskraft den Innehaltenden am Kopf der Schlange zu.

Am Ostersonntag spendete Franziskus Segen, am Ostermontag starb er

Rund ein Jahr nach dem Tod von Jorge Mario Bergoglio hat die Hektik und die Sensation ein Ende. Am 21. April vor einem Jahr, es war der Ostermontag 2025, ist Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren gestorben. Wochen des Bangens um den Gesundheitszustand des Oberhaupts der katholischen Kirche waren dem dann doch plötzlichen Tod durch einen Schlaganfall vorausgegangen.

Am Ostersonntag noch hatte Franziskus das „Urbi et Orbi“, den für die katholische Kirche so bedeutenden Segen „Der Stadt und dem Weltkreis“, von der Loggia des Petersdoms gespendet. Sehr geschwächt und mit leiser Stimme sprach er die Worte und ließ sich anschließend im Papamobil trotz seines Gesundheitszustandes noch über den Platz fahren. Ein letztes Mal konnte er so den Menschen auch körperlich nahe sein, eine Geste, die ihm Zeit seines Pontifikats so am Herzen lag.

Zehntausende bejubelten den Papst bei seinem letzten Auftritt

„Danke, dass Sie mich auf den Platz gebracht haben“, soll Franziskus danach zu Massimiliano Strappetti, seinen Krankenpfleger, gesagt haben. So berichtete es zumindest wenig später das Nachrichtenportal Vaticannews. Die Zehntausenden, die auf den Petersplatz gekommen waren, bejubelten den argentinischen Papst bei seinem letzten öffentlichen Auftritt.

Ruhig ist die Stimmung ein Jahr später vor dem Grabmal des Mannes, der 12 Jahre lang als Oberhaupt die Geschicke der katholischen Kirche leitete. Braune Gebetsbänke laden seit neuestem zur inneren Einkehr ein. Das Heilige Jahr, das die katholische Kirche 2025 gefeiert hatte, und das Millionen Pilger nach Rom hatte reisen lassen, ist vorüber - Normalität hat in der Ewigen Stadt wieder Einzug gehalten.

Argentinierin erinnert sich an die Worte von Papst Franziskus

Auch Daniela Spada ist kurz vor dem Jahrestag des Todes von Papst Franziskus in sich gekehrt. Die Argentinierin war eine jener Gläubigen, die im Heiligen Jahr nach Rom gekommen war - und konnte sich so von ihrem Papst persönlich verabschieden. Zwei Mal stand sie damals stundenlang an, um im Petersdom an dem aufgebahrten offenen Sarg Franziskus gedenken zu können. Auch bei der Trauerfeier war die 58-Jährige auf dem Petersplatz dabei.

Daniela Spada vor einem Jahr am Petersplatz: Auch heute denkt die Argentinierin noch an Papst Franziskus. Foto: Almut Siefert

Ein Jahr später denkt sie im argentinischen Córdoba an die letzten Monate zurück. Vor ihrer Abreise aus Rom hatte auch Spada das Grab von Franziskus in Santa Maria Maggiore besucht. „Die Menschen drängten sich um das Grab herum“, erinnert sie sich in einem Gedankenaustausch via Whatsapp. „Ich hatte das Gefühl, dass Franziskus uns aus der Demut und Einfachheit seines Namens auf dem Stein heraus weiterhin eindringlich aufforderte, eine Kirche zu sein, die hinausgeht, Christen zu sein, die sich in der Realität engagieren, Zeugen der Liebe, die niemals vergehen wird.“

Papst Franziskus warnte vor dem „Dritten Weltkrieg auf Raten“

Gerade in der aktuellen Zeit denke sie viel an den verstorbenen Papst. Franziskus hatte in den vergangenen Jahren eindringlich vor einem „Dritten Weltkrieg auf Raten“ gewarnt. Die Realität scheint sich für Spada „jeden Tag mehr von Gottes Plan zu entfernen“. Vor allem angesichts der schrecklichen Kriege und schweren Konflikte frage sie sich: Was hätte er getan, was würde er sagen?

Auch für den Nachfolger von Franziskus, Papst Leo XIV., ist die Friedensbotschaft zentral. Das machte der gebürtige US-Amerikaner Robert Franzis Prevost schon in seiner ersten Ansprache als neues Oberhaupt der katholischen Kirche deutlich. „Der Friede sei mit euch allen“, lauteten seine ersten Worte als Papst, die er nur kurz nach seiner Wahl am 8. Mai von der Mittelloggia des Petersdoms aus an die Welt richtete. „Helft uns, durch Dialog und Begegnung Brücken zu bauen, die uns alle zu einem einzigen Volk vereinen, das immer in Frieden lebt“, sagte Leo weiter. Und schloss daran an: „Danke, Papst Franziskus!“.

Papst Leo XIV. zitiert Franziskus immer wieder

Seitdem taucht der Vorgänger immer wieder in den Predigten und Ansprachen Leos auf. Aber es weht nun eben ein neuer Wind im Vatikan. Vor Kurzem zog auch wieder Leben in das päpstliche Appartement ein. Leo konnte nach langen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten in den Apostolischen Palast umziehen.

Franziskus hatte die prächtige Papstwohnung nicht bezogen und lebte als Papst in Räumlichkeiten des vatikanischen Gästehauses Santa Marta. Was wohl in der Natur der Sache liegt: Der neue ist für viele noch nicht richtig greifbar. Dabei ist auch Leo den Menschen zugewandt und sucht die Nähe zu den Gläubigen. Und erst in den vergangenen Tagen setzte er auf seiner Afrikareise starke und leidenschaftliche Zeichen für den Frieden – trotz verbaler Attacken von US-Präsident Donald Trump. Dennoch, ein Jahr ist kurz.

19-Jährige verbindet mit Franziskus Hoffnung auf Frieden und Solidarität

„Die Stimme von Franziskus ist in dieser aktuellen Krisenzeit sehr deutlich zu hören“, sagt Elisa Petrone. Die 19-Jährige war vor einem Jahr Teil einer Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für die Trauerfeier für Papst Franziskus aus Padua nach Rom gekommen waren. Mit rund 250.000 anderen Menschen nahm die Gruppe damals zusammen Abschied von Franziskus und damit in gewisser Weise auch von einer Ära, die sie prägte. Petrone gibt ein Beispiel: Die Diplomatie des Argentiniers sei lange Jahre beruhigend gewesen für all jene italienischen Familien, die sonntags neben den Nachrichten auch die Worte von Franziskus aus dem Angelusgebet hörten.

Elisa Petrone glaubt, dass viele Junge Menschen Papst Franziskus vermissen. Foto: Almut Siefert

Vor allem die jungen Menschen spüren seine Abwesenheit, glaubt Petrone. „Franziskus hat stets versucht, meine Generation in die katholische Bewegung einzubeziehen.“ Sie selbst bezeichnet sich nicht als religiös. „Für mich verkörpert Franziskus aber noch heute die Hoffnung auf Frieden und Solidarität, für die er sich stets eingesetzt hat“, sagt die junge Frau.

Am Grab in Santa Maria Maggiore war Elisa Petrone noch nicht, sagt sie. „Aber wenn ich das nächste Mal in Rom bin, werde ich diesen Besuch auf keinen Fall auslassen.“

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