Tödliche Modepille „Blue Punisher“ Neue Droge auch im Kreis Ludwigsburg im Umlauf

Blue Punisher heißt die Pille, die üble Folgen haben kann. Foto: dpa/Drugchecking Projekt Berlin

Die Polizei hat ein Ecstasy-Präparat sichergestellt, das zuletzt wegen seiner tödlichen Folgen in den Schlagzeilen stand. Doch die Zusammensetzung war wohl nicht ganz so toxisch.

Mit Ecstasy versuchen sich schon Generationen von Partygängern, auf illegale Weise einen zusätzlichen Kick zu geben. Womöglich ist genau das aber zurzeit so gefährlich wie nie. Jedenfalls dann, wenn man an das falsche Präparat gelangt. Mehrere Jugendliche sollen in den vergangenen Monaten verstorben oder ins Krankenhaus eingeliefert worden sein, weil sie sich eine Pille namens „Blue Punisher“ eingeworfen hatten. Wie Steffen Grabenstein, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, nun mitteilt, sei die Droge auch schon im Raum Ludwigsburg aufgetaucht.

 

Im März sei eine kleine Menge „Blue Punisher“ im Landkreis sichergestellt worden. Der Polizei seien im Zusammenhang damit aber „keine Vorfälle zu Gesundheitsschädigungen oder gar Todesfällen bekannt“, versichert Grabenstein. Die Tabletten seien untersucht worden. Man habe bei der Analyse Substanzen festgestellt, die unter das Betäubungsmittelgesetz fielen, deren Wirkstoffgehalt sich jedoch im gängigen Bereich bewegten – also offenbar nicht so toxisch waren wie die in anderen Bundesländern kursierenden Pillen. Grabenstein weist zudem darauf hin, dass Tabletten mit dem „Punisher“-Logo nicht grundsätzlich neu auf dem Markt seien. Das Team des Polizeipräsidiums Ludwigsburg habe allerdings bei der Sicherstellung der Marge im März das bislang erste und einzige Mal Bekanntschaft mit den Drogen gemacht.

Pille bei der Drogenberatung kein Thema

Die Beratungsgespräche, die Birgit Schmolke-El Titi, die bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz die Suchthilfe leitet, geben auch keinen Hinweis darauf, dass sich die Pille hier schon im größeren Stil verbreitet haben könnte. Der „Blue Punisher“ sei bis dato kein Thema bei ihren Klienten gewesen, sagt sie. Eine weitere gute Nachricht ist, dass junge Menschen zuletzt nicht vermehrt wegen Intoxikationen ins Ludwigsburger Krankenhaus eingeliefert werden mussten, wie Jochen Meyburg, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, berichtet.

Generell komme es natürlich zu Fällen von Drogenmissbrauch, „meist handelt es sich dabei aber um Alkohol, gelegentlich auch in Kombination mit Cannabis“. Doch selbst hier könne man nicht von „Komatrinken“ sprechen. Meyburg wertet das eher als normales Risikoverhalten von Jugendlichen mit gelegentlichem „Über-die-Stränge-Schlagen. Das hat in den letzten Jahren aber nicht zugenommen. Und Probleme mit Ecstasy oder Kokain gab es bei uns bereits lange Zeit nicht mehr“, konstatiert er.

Das heißt aber nicht, dass dem Rauschgiftdezernat der Polizei die Arbeit ausgehen würde. Allgemein lägen in puncto Drogen nach wie vor Substanzen im Trend, die dem „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz“ unterliegen, erklärt Steffen Grabenstein. Dabei handele es sich um meist synthetische Präparate. „Solche Substanzen haben sich in den letzten Jahren als Rauschmittel etabliert, allen voran Cannabisprodukte, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wurden“, führt der Polizeisprecher aus.

Koks mit höherem Reinheitsgehalt

Eine andere Tendenz, die zumindest im Wirkungsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg auszumachen ist, betrifft den Reinheitsgehalt des auf der Straße vertickten Kokains. Der steige an, berichtet Grabenstein. „Noch vor etwa 20 Jahren hatte ,gutes’ Kokain einen Wirkstoffgehalt von durchschnittlich 40 bis 50 Prozent. Heutzutage liegt der Durchschnitt zwischen 60 und 80 Prozent, manchmal sogar noch darüber“, erläutert er. Die Reinheitsgrade weiterer gängiger Drogen wie Heroin oder Amphetamin seien nach der Erfahrung der hiesigen Ermittler unverändert geblieben.

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