Tödliche Schüsse in Asperg Prozessauftakt: 18-Jährigen mit 21 Schüssen getötet

Im April wurde in Asperg ein 18-Jähriger erschossen. Seit Dienstag wird der Fall vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt. Angeklagt sind drei junge Männer. Foto: 7aktuell/Simon Adomat

Vor dem Stuttgarter Landgericht wird seit Dienstag zu den tödlichen Schüssen in Asperg im April 2023 verhandelt. Drei junge Männer sind angeklagt, einen 18-Jährigen getötet und einen weiteren 18-Jährigen schwer verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft nennt Details zur Tat.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Großer Andrang herrscht am Landgericht Stuttgart. Viele junge Menschen drängen sich an diesem Dienstagmorgen am Eingang Olgastraße. Der Grund: Prozessauftakt zu den tödlichen Schüssen in Asperg. Die Tat an Ostern 2023 hat einen ganzen Ort in Schock versetzt. In der Nacht vom 7. April auf den 8. April wurde ein 18-Jähriger auf einem Schotterparkplatz zwischen Bolzplatz und einer kleinen Turnhalle erschossen, ein anderer 18-Jähriger schwer verletzt. Neun Monate später sind nun drei junge Männer angeklagt. Bis die Angeklagten, die teilweise seit April in Untersuchungshaft sitzen, in den Gerichtssaal kommen, dauert es an diesem Morgen allerdings noch. Zunächst müssen alle Besucher durch eine doppelte Sicherheitsschleuse.

 

Große Sicherheitsvorkehrungen im Gericht

Am Eingang des Gerichtsgebäudes wird man durchleuchtet und abgetastet und dann direkt vor dem Eingang zu Saal 6 erneut. Die Jugendlichen und Angehörigen der Angeklagten und Opfer lassen das alles ruhig über sich ergehen. Dennoch sind viele Justizbeamte zur Absicherung im Einsatz. Das, obwohl es laut Staatsanwaltschaft so gut wie sicher ist, dass die Tat nicht in Zusammenhang mit der Gewaltserie steht, die seit Monaten die Region um Stuttgart erschüttert. „Die Staatsanwaltschaft Stuttgart geht weiterhin davon aus, dass die Tat in Asperg als solches isoliert von den schweren Gewalttaten und Schussabgaben in der Region Stuttgart zu betrachten sein dürfte“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde.

Im Gerichtssaal angekommen heißt es dann zunächst weiter warten. Die Staatsanwaltschaft, die Nebenkläger – Hinterbliebene des getöteten jungen Mannes und dessen bei der Tat schwer verletzter Freund –, die Jugendgerichtshilfe und der Sachverständige sind da, aber aufseiten der Verteidiger fehlt eine Juristin. Während der 45-minütigen Wartezeit bleibt es ruhig im Zuhörerbereich. Man merkt eine große Anspannung, aber die Menschen unterhalten sich wenig und wenn, dann sehr leise.

Unruhe als die Angeklagten kommen

Dann geht es los: Die Rechtsanwältin kommt und kurz darauf betreten die drei Angeklagten nacheinander den Gerichtssaal. Im Publikum wird es etwas unruhig. Viele versuchen einen guten Blick auf die jungen Männer zu erhaschen. Die ersten beiden Angeklagten kommen herein, wirken ruhig und gefasst und zeigen sich ohne Blickschutz der Öffentlichkeit. Nur der dritte Angeklagte bedeckt sein Gesicht, als er den Saal betritt. Dabei bemerkt man bei ihm die Aufregung an der zittrigen Hand, die den Schnellhefter vor das Gesicht hält.

Nach ein paar einführenden Worten des Vorsitzenden Richters Matthias Merz und der Vereidigung der beiden Schöffen, die die drei Berufsrichter unterstützen, beginnt der Prozess so richtig mit der Personalienfeststellung der Angeklagten. Der erste ist 18 Jahre, Schüler, sitzt seit April in Untersuchungshaft und wohnte davor in Möglingen.

Die beiden anderen sind jeweils 21 Jahre alt, ebenfalls Schüler beziehungsweise Kaufmann und kommen aus Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) und Asperg. Die jungen Männer auf der Anklagebank beantworten die Fragen zu Familienstand – alle ledig – und Staatsangehörigkeit – zwei Mal deutsch, einmal serbisch – ruhig und klar. Dann ist Staatsanwalt Sven Reiss an der Reihe. Er verliest die Anklage, und diese ist gemessen an der Tat und dem Vorwurf des gemeinschaftlichen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung eher kurz. Die drei Männer sollen sich mit den beiden Opfern in Asperg verabredet haben. „Dabei war allen Beteiligten bewusst, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen könnte“, sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt.

Wie geht der Prozess weiter?

Bei dem Treffen, zu dem die beiden Opfer mit Messern bewaffnet kamen, soll es zu einem Wortgefecht gekommen sein, und einer der Angeklagten habe „mindestens 21 Mal mit einer halbautomatischen Schusswaffe aus nächster Nähe“ abgedrückt. Die Folge: zwei schwerstverletzte junge Männer, von denen einer noch vor Ort starb. Die Täter sind dann laut Anklage davongefahren.

Wer sich an diesem Tag mehr Aufklärung zur Tat oder den Hintergründen erhofft hat, wird enttäuscht. Der Vorsitzende Richter ergreift nach der Anklageverlesung das Wort. Da auf der Verteidigerseite jemand fehle, wolle man die Frage, ob sich die Angeklagten zu den Tatvorwürfen äußern, erst beim nächsten Termin erörtern. Damit war der erste Verhandlungstag schon kurz nach Beginn wieder beendet. Weiter geht der Prozess am 16. Januar. Insgesamt 16 weitere Termine sind bis zum 10. April angesetzt.

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