Kurz nach dem Unfall im Juni 2024 erinnerten in Nürtingen Blumen und Kerzen an die Todesopfer. Foto: Andreas Rosar
Warum wird so lange gegen einen Autofahrer ermittelt, der in Nürtingen in eine Menschengruppe gerast sein soll? Bei dem Unfall im Juni 2024 starben zwei junge Frauen.
Derzeit sorgt der Esslinger Prozess gegen einen Fahrer für Aufsehen, der im Oktober 2024 in Weil einen tödlichen Unfall verursacht haben soll, bei dem eine 39-Jährige und ihre beiden Kinder starben. Nur wenige Monate zuvor ereignete sich in Nürtingen ein ähnlicher Unfall. Ein Fahrer verlor am frühen Abend des 16. Juni 2024 die Kontrolle über seinen Mercedes-SUV und fuhr in eine Gruppe von Fußgängern, die an einer Ampel gegenüber dem Bahnhof warteten. Zwei Frauen wurden getötet.
Während sich der 55-jährige Unfallfahrer von Esslingen seit dem 10. Februar wegen fahrlässiger Tötung in drei tateinheitlichen Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung vor dem Esslinger Amtsgericht verantworten muss, ist im Nürtinger Fall nicht klar, ob und wann Anklage erhoben wird. Eine 28-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle. Eine 27-Jährige wurde schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wo sie später ihren Verletzungen erlag. Ein 16-Jähriger überlebte schwer verletzt. Im Blut des Fahrers konnte Cannabis nachgewiesen werden.
Auf die Frage, warum sich die Ermittlungen zu dem Unfall in der Nürtinger Bahnhofstraße seit rund eineinhalb Jahren hinziehen, verweist die Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf neue Erkenntnisse, die sich im September 2025 ergeben hätten. Dies habe zu Durchsuchungen geführt, die jetzt aber abgeschlossen sind. Wo diese stattgefunden haben, dazu könne sie keine Angaben machen, sagt Stefanie Ruben, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Außerdem sei ein verkehrsmedizinisches Ergänzungsgutachten angefordert worden. Auch dieses liege nun vor. „Das Verfahren ist aber weiterhin nicht abgeschlossen“, so Ruben. In wenigen Wochen könnte es neue Informationen geben, kündigte sie an.
Nach der Unfallfahrt kam das Auto vor einem Geschäft zum Stehen. Foto: 7aktuell.de
Beim Fahrer wurde Cannabiskonsum festgestellt
Auch wenn bei dem Fahrer Cannabiskonsum festgestellt wurde, stehe weiterhin nicht fest, ob dies auch ursächlich für den Unfall war, betont die Sprecherin. So ist es wohl zu erklären, dass der Mann weiterhin im Besitz seines Führerscheins ist und Autofahren darf. „Die Voraussetzungen für eine vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis liegen nicht vor“, so Staatsanwältin Stefanie Ruben. Nach der Strafprozessordnung wäre dies vor Ablauf des Verfahrens nur möglich, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass dem Beschuldigten die Fahrerlaubnis mit einem Urteil später auch endgültig entzogen wird. Alkohol habe keine Rolle gespielt, teilte die Polizei kurz nach dem Unfall mit. Eine Amokfahrt wurde ebenfalls ausgeschlossen. Es habe keine Hinweise dafür gegeben, dass der 54-jährige Fahrer vorsätzlich in die Menschengruppe gerast sei, hieß es damals. Sein völlig demolierter Wagen wurde beschlagnahmt.
Nürtinger Fahrer ist noch im Besitz seiner Fahrerlaubnis
Im Esslinger Fall hatten sich Familienangehörige der Getöteten sowie Zuschauer beim Prozessauftakt empört darüber gezeigt, dass der 55-Jährige bis dahin unbehelligt Auto fahren durfte. Inzwischen musste der aus Stuttgart stammende Mann seine Fahrerlaubnis aber aufgrund neuer Erkenntnisse bis zur Urteilsverkündung vorläufig abgeben. Laut Anklage soll er an einer roten Ampel Brems- und Gaspedal verwechselt haben und bei einem Ausweichmanöver dann die Mutter und ihre drei und sechs Jahre alten Söhne auf dem Gehweg vor dem Sportpark Weil erfasst haben. Sie wurden mehrere Meter durch die Luft geschleudert.