Tödlicher Unfall mit Müllwagen Unfallfahrer fuhr wohl zu schnell

Erst Stunden nach dem Unfall steht der Müllwagen wieder auf seinen Rädern. Foto: dpa
Erst Stunden nach dem Unfall steht der Müllwagen wieder auf seinen Rädern. Foto: dpa

Ein Müllwagen kippt bei Nagold auf die Straße und begräbt einen Golf unter sich. Fünf Menschen, darunter ein Kleinkind und ein Säugling sterben. Jetzt muss der Fahrer vor Gericht. Oder war der Lastwagen defekt?

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Nagold/Tübingen - Der schreckliche Unfall, bei dem im August bei Nagold (Kreis Calw) ein Müllwagen auf ein Auto kippte und fünf Menschen starben, ist offenbar auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Zu dieser Einschätzung kommt die Staatsanwaltschaft in Tübingen. Sie hat gegen den 54-jährigen Fahrer des Müllwagens Anklage wegen fahrlässiger Tötung in fünf Fällen erhoben. Wann der Prozess vor dem Tübinger Landgericht beginnt, ist noch offen. Dem Mann drohen bis zu fünf Jahre haft, zumindest aber eine Geldstrafe.

Unter den Opfer ist ein Baby

Es war eine schlimme Szenerie, die sich den Helfern an jenem 11. August auf der Landesstraße 361 beim Nagolder Industriegebiet Wolfsberg bot. Der Müllwagen lag auf der Seite, darunter ein zerquetschtes Auto. Mehrere Stunden dauerte es, ehe der 20-Tonner angehoben werden konnte und das ganze Grauen zum Vorschein kam. In dem Golf hatten eine 25-jährige Frau, ihr 22 Jahre alter Lebensgefährte, die zweijährige Tochter, der nur wenige Wochen alte Sohn und die 17-jährige Schwester der Fahrerin gesessen. Alle waren tot.

Gegenüber der Polizei hatte der Unglücksfahrer technische Mängel am Lastwagen geltend gemacht. Aus unerfindlichen Gründen und von selbst habe das Fahrzeug plötzlich beschleunigt. Der von der Staatsanwaltschaft bestellte Gutachter konnte jedoch keine Belege für diese These finden. Die Bremsanlage habe sich in einem technisch einwandfreien Zustand befunden. Insgesamt sei der Müllwagen laut dem Sachverständigen in einem „sehr guten Zustand“ gewesen. Auch seien keine Fehler gefunden worden, die auf ein selbsttätiges Beschleunigen schließen ließen.

Tempo 30 wäre richtig gewesen

Nach dem unfallanalytischen Gutachten geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Müllwagen zunächst langsam eine Gefällstrecke hinunter gefahren sei. Kurz vor einer Linkskurve habe der Fahrer dann auf etwa 50 Stundenkilometer beschleunigt. Wenige Meter weiter mündete die Straße auf die Landesstraße, wo der Müllwagen nach rechts abbog. Dort kippte er wegen der zu hohen Geschwindigkeit genau in dem Moment auf die Gegenspur, als der Golf mit der Familie vorbei fuhr.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn der Mann, der nicht unter Alkohol stand, mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern in die Kurve gefahren wäre. Ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung gibt es an der Stelle aber nicht. Jedoch müssten Autofahrer immer ihr Tempo an die Straßenverhältnisse anpassen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Weil einige der Opfer aus der zweitgrößten deutschen Zirkusfamilie Frank kamen, trauerten Teile der deutschen Zirkuswelt mit. An der Gedenkfeier auf dem Friedhof in Mötzingen bei Tübingen nahmen rund 1500 Zirkus-Leute und Schausteller aus Deutschland teil. Die Familie Frank betrieb bis vor einigen Jahren den Zirkus Charles Monti.

Unsere Empfehlung für Sie