Tödliches Unglück im Rems-Murr-Kreis Unfall hat politisches Nachspiel

Um solche Unfälle zu vermeiden, fordert Claus Paal (CDU), bei Großheppach eine Leitplanke aufzubauen. Foto: 7aktuell.de/Simon Adomat

Im Oktober starb eine junge Frau, nachdem bei Weinstadt ein Auto gegen einen Baum geprallt war. Nun hat sich der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal eingeschaltet. War die Stelle nicht ausreichend gesichert?

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Weinstadt - Die Bilder von der Unfallstelle gehen unter die Haut. Zerborstenes Metall, Plastik – was einst ein Kleinwagen war, hatte sich am Abend des 7. Oktober geradezu um einen Baum gewickelt. Das Auto war bei Weinstadt-Großheppach (Rems-Murr-Kreis) von der B 29 abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Eine erst 21 Jahre alte Frau, die als Beifahrerin in dem Renault gesessen hatte, erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.

 

Gegen den gleichaltrigen Fahrer des Wagens wurde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt – wie immer, wenn ein Mensch als Beifahrer sein Leben lässt. Nun hat der schwere Unfall zudem ein politisches Nachspiel. Der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal, der zur kommenden Wahl nicht mehr antritt, hält die Unfallstelle an der B 29, am Ortsausgang von Großheppach, für gefährlich und fordert, dass aus dem Todesfall nun Konsequenzen gezogen werden – straßenbaulicher Art.

Könnte eine Leitplanke die Stelle an der B 29 besser absichern?

In einem Brief an den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger (ebenfalls CDU), schrieb Paal schon im November, dass der Baum, gegen den der Kleinwagen damals krachte, dort eigentlich gar nicht stehen dürfe, zumal die Leitplanke auf der rechten Straßenseite kurz vor jener Stelle endet. „Das Polizeipräsidium Aalen hat mir auf Anfrage bestätigt, dass der Baum nur etwa 8,8 Meter vom Straßenrand entfernt steht. Nach Angaben des Polizeipräsidiums gibt es eine neue Vorschrift, wonach im Bereich der Unfallstelle voraussichtlich eine bauliche Veränderung durchgeführt werden muss“, schreibt Paal. Träfe dies zu, gäbe es zwei Konsequenzen: Entweder müsste der Baum weg – oder an der Stelle müsste eine Leitplanke aufgestellt werden.

Nun ist bei Paal eine Antwort Bilgers eingegangen, die unserer Zeitung ebenfalls vorliegt. Aus der geht hervor, dass der Mindestabstand von Bäumen zur Fahrbahn unter anderem davon abhängt, wie schnell auf den jeweiligen Straßen gefahren werden darf. An jener Stelle gilt Tempo 120. Hindernisse wie Bäume müssten laut der neuen Vorschrift eigentlich einen Abstand von zwölf Metern zur Bundesstraße haben. Ob die junge Frau noch leben könnte, wenn der Baum dort nicht gestanden hätte oder wenn dort Leitplanken verlaufen würden, bleibt freilich eine Spekulation.

„Hier darf kein weiteres Unglück mehr geschehen“

Claus Paal wünscht sich vielmehr, dass Vorkehrungen getroffen werden, um zukünftige Unfälle zu verhindern. „Laut meinen Informationen befürwortet das Polizeipräsidium Aalen einen Umbau der Leitplanken an dieser Stelle“, so der Politiker in seinem Brief an das Bundesverkehrsministerium. „Hier darf kein weiteres Unglück mehr geschehen.“

Der Staatssekretär Steffen Bilger schreibt in seiner Antwort an Paal: „Es ist zu berücksichtigen, dass auch Schutzeinrichtungen selbst mitunter tödliche Hindernisse darstellen können“ – besonders für Motorradfahrer. Für deren Schutz sei ein „hindernisfreier Seitenraum“ besonders wichtig, also Bereiche ohne Leitplanke. Da die Bundesstraßen im Auftrag des Bundes von den Ländern gebaut und betrieben werden, obliegt es inzwischen dem Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, zu prüfen, ob und wie die betroffene Stelle sicherer gemacht werden kann.

Für den Unfallfahrer von damals dürfte sich durch die Diskussion wohl kaum etwas ändern. Denn zumindest laut der Auffassung von Claus Paal hatte der Baum zum Zeitpunkt des Unfalls noch Bestandsschutz. Laut einem Sprecher der Polizei Aalen ergaben die Ermittlungen nach dem tödlichen Unglück damals zwar keine Hinweise auf einen Drogen- oder Alkoholeinfluss des jungen Mannes. Doch die Polizei vermutet, dass er damals zu schnell gefahren ist. „Wir haben eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet und die Ergebnisse unserer Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben“, teilt ein Sprecher mit.

Weitere Themen