Fünf Standbetreiber bespielen das Erdgeschoss in der Bahnhofstraße 1. Es gibt asiatische und italienische Köstlichkeiten, feines Brot und Törtchen. Deutlich wird: Die Erwartungen sind groß. Zwei Anbieter haben sogar den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
Von außen macht die neue Markthalle in der Bahnhofstraße 1 in Sindelfingen einen eher unscheinbaren Eindruck. Sie erinnert noch stark an ein Bürogebäude. Doch wer das Innere betritt wird schnell eines Besseren belehrt. Von Bürocharakter keine Spur.
Stattdessen Industriecharme mit elegant gestalteten Imbiss- und Verkaufsständen, die sich rechts und links entlang eines Gangs aufreihen. Zwischendrin lockern Nischen mit Sitzgelegenheiten den Raum auf. Ob der Name „Markthalle“ passt, bleibt allerdings fraglich, allein das Wort Halle wirkt angesichts der überschaubaren Größe etwas hoch gegriffen. Der Start-Optimismus, den alle versprühen, lässt diese Frage jedoch schnell in den Hintergrund treten.
Zur Eröffnungsfeier am Donnerstagabend drängen sich die geladenen Gäste. Fein zubereitete Köstlichkeiten zieren die Theken der Standbetreiber – Sushi-Rollen, italienische Salami, Käse, kleine, kunstvolle Törtchen und Gebäck. „Wir brennen darauf, anzufangen“, sagt Holger Wieden, der italienische Feinkost, Wein und Pasta anbietet und sich mit „La Dolce Vita“ in der Markthalle selbstständig macht.
Asiatisches Essen gibt es bei Doan Cuong (links) und seinem Team. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Wiedens Freude über die Eröffnung spiegelt sich auch in den Gesichtern von Oberbürgermeister Bernd Vöhringer (CDU) und Felix Rapp, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sindelfingen (WSG), wieder. Geht es doch nun endlich los. Der ursprünglich vor einem guten Jahr geplante Start hatte sich aufgrund von unvorhergesehenen Mehrarbeiten beim Umbau verzögert, auch teurer war es geworden – und der Gemeinderat musste mehr Geld freigegeben.
Das Thema Markthalle sei ja kein ganz neues im politischen Diskurs in Sindelfingen, sagt Vöhringer in seiner Eröffnungsrede. „Neu ist aber, dass es jetzt umgesetzt wurde“, meint er augenzwinkernd. Er spricht allen Beteiligten ein großes Kompliment aus und freut sich auf einen „Ort für Feinschmecker und Begegnungen“. Wirtschaftsförderer Rapp zeigt sich überzeugt: „Die Markthalle wird ein positives Zeichen für die Entwicklung unserer Stadt setzen.“
Zwei wagen den Schritt in die Selbstständigkeit
Allen Standbetreibern bietet die WSG eine Starthilfe indem sie laut Rapp in den ersten 36 Monaten die Kaltmiete übernimmt. Möglich macht das eine Förderung durch das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren.“ Konkurrenz zum nahe gelegenen Wochenmarkt befürchten weder Vöhringer noch Rapp. Sie sehen die Markthalle als Ergänzung. Tatsächlich überschneiden sich nur wenige Angebote. So gibt es beispielsweise sowohl auf dem Markt als auch in der Markthalle einen Bäcker.
Bäckermeister Holger Müller ist neben Wieden der zweite, der mit der Markthalle den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Bislang war er angestellt, jetzt hat er im hinteren Teil der Markthalle eine eigene kleine Backstube. „Das ist die Erfüllung eines Traums“, sagt er. „Jetzt kann ich endlich Brot so backen, wie ich es möchte.“ Deutlich wird bei ihm die lokale Vernetzung, kommt doch beispielsweise die Schokolade, die er für seine Pain au chocolat verwendet, vom Sindelfinger Chocolatier Kevin Kugel.
Überhaupt dürften die meisten Anbieter den Sindelfingern vertraut sein. So bietet der Sindelfinger Gastronom Doan Cuong mit „Asia Delight – Rolls on Bowls“ Sushi sowie Reis- und Nudel-Bowls an. Lucie und Salvatore Branciforti betreiben das Haus Sommerhof in Sindelfingen und eröffnen voraussichtlich Anfang April ihre „SoHo Brasserie“ in der Markthalle – mit etwas Verzögerung, weil sie als letztes dazukamen. Einen etwas weiteren Weg haben Aleks Zavacki und Kimet Pajaziti, die aus Stuttgart kommen und mit „Pâtissier – Macarons & Cakes“ süße und salzige Kleinigkeiten anbieten.
Ab sofort geöffnet
Mehr Mieter passen aktuell nicht rein. Die 140 Quadratmeter sind laut Rapp „optimal“ belegt. Die ursprünglich angedachte Showküche habe man zugunsten von mehr Betreibern geopfert. Dafür gebe es ja den Bäcker, dem man tatsächlich beim Backen über die Schulter schauen kann. Ins Foyer, das zur Bahnhofstraße hin liegt, sollen noch weitere Sitzgelegenheiten kommen. Und: „Im Sommer richten wir noch draußen Plätze ein“, kündigt der Wirtschaftsförderer an. Außerdem ließen sich bei gutem Wetter die bodentiefen Fenster zum Gehweg öffnen.
Ab sofort können sich alle selbst ein Bild der neuen Markthalle machen. Sie ist seit Freitag, 7. März, unter der Woche von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.