Tötungsdelikt in Kirchheim/Teck Verfahren nach Kirchheimer Femizid eingestellt

Der Tatort in Kirchheim: Die Einsatzkräfte mussten feststellen, dass ein Kollege geschossen hatte. Foto: 7 aktuell/Simon Adomat (Archiv)

Im Februar 2022 erschoss ein LKA-Beamter seine Ehefrau mit der Dienstwaffe. Hätte man ahnen können, dass es zu der Gewalttat kommen könnte? Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen dazu nun abgeschlossen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Ein Polizist hat im vergangenen Februar seine Ehefrau mit der Dienstwaffe erschossen. In Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) lauerte er der getrennt von ihm lebenden Frau mit seiner Dienstwaffe auf, als sie ihren Arbeitsplatz verließ, ein Bioladen bei einem großen Einkaufszentrum.

 

Der Fall war schnell geklärt. Denn der Täter hatte sich nach den tödlichen Schüssen auf die Frau selbst mit der Waffe das Leben genommen. Ermittlungen zog die Tat dennoch nach sich. Denn die Verwendung der Dienstwaffe war brisant. Die Polizei erhielt Hinweise darauf, dass die Vorgesetzten des Mannes im Landeskriminalamt hätten gewarnt sein können: Es hieß, es habe vor der Tat schon mehrfach Hinweise darauf gegeben, dass er der Frau etwas antun könnte. Auch soll sie gegenüber Bekannten und Kollegen geäußert haben, dass sie Angst vor ihrem Mann habe.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte daher wegen fahrlässiger Tötung. Es wurde dabei keine konkrete Person im LKA beschuldigt, sondern die Ermittelnden führten das Verfahren „gegen unbekannt“. Vor kurzem wurden die Ermittlungen eingestellt. „Es ergaben sich keine Hinweise darauf, dass bei Dienstvorgesetzten etwaige Befürchtungen oder Bedrohungen des Opfers bekannt gewesen wären, die zur Abnahme der Dienstwaffe des Ehemannes hätten führen müssen“, teilt Stefanie Ruben mit, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Es wurde „im dienstlichen Umfeld“ ermittelt, also bei Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen des Mannes.

Das Paar war getrennt – die Frau soll Angst vor dem Mann gehabt haben

Der 59 Jahre alte Polizeibeamte und seine 58-jährige Frau hatten seit einiger Zeit getrennt gelebt und nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung in Kirchheim. Geschieden seien sie jedoch nicht gewesen. Die Frau soll sich schon mehrere Wochen vor der Tat Mitarbeitenden in dem Bioladen anvertraut haben, in dem sie beschäftigt war. Sie bekamen die Tat unmittelbar mit. Der Mann fuhr am Abend des 16. Februar 2022 gegen 19.30 Uhr bei dem Geschäft vor und gab vier Schüsse auf die Frau ab. Sie hatte den Laden zum Einräumen der Auslage vor der Tür verlassen. Die Frau war sofort tot. Im Wagen sitzend richtete der Mann die Waffe anschließend gegen sich selbst. Er habe noch einige Minuten gelebt und die Waffe in der Hand gehalten. Als die ersten Einsatzkräfte zum Tatort kamen und das bemerkten, schlug ein Polizist dem Schwerverletzten die Waffe aus der Hand.

Noch am selben Abend hatte die Polizei herausbekommen und auch veröffentlicht, dass dem Tötungsdelikt rein private Motive zugrunde lagen und es keinen Bezug zum Beruf des Mannes gegeben habe. Die Verwendung der Dienstwaffe rief dennoch in der Bevölkerung Entsetzen hervor. Grundsätzlich sind alle Polizeibeamtinnen und -Beamten mit einer Waffe ausgestattet, auch wenn sie, wie der LKA-Mann, nicht mehr regelmäßig in Einsätze gehen. Er soll nach Informationen unserer Zeitung V-Leute betreut haben. Die Waffe kann am Dienstort aufbewahrt werden. Die Beamtinnen und Beamten können sie aber auch mit nach Hause nehmen, wenn sie dort sicher verwahrt wird, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums Baden-Württemberg nach der Tat.

Der Fall wurde im vergangenen Jahr auch vom Präsidenten des Stuttgarter Landgerichts, Andreas Singer, bei der Jahrespressekonferenz aufgegriffen: Er stellte ihn in eine Reihe von Femiziden, Morden an Frauen, die aufgrund des Geschlechts verübt werden. Dazu zählen häufig Taten nach der Trennung. Singer sagte, es müsse mehr getan werden, um Anzeichen dräuender Gewalt gegen Frauen frühzeitig zu erkennen – und damit Taten dieser Art zu verhindern.

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