Tötungsdelikt in Stuttgart-Nord Polizei rätselt noch über das Tatmotiv

In dem Wohnheim an der Türlenstraße wird eine tote Frau gefunden. Foto: dpa/Jason Tschepljakow (Archiv)

Nach der Festnahme des Tatverdächtigen im Fall des Tods einer Krankenpflegeschülerin bleibt die Soko „Tür“ vorerst noch bestehen – auch, um das Motiv zu ergründen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Ein 39-jähriger Mann sitzt seit Freitag in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, eine Frau in deren Wohnung an der Türlenstraße umgebracht  zu  haben.  Die Soko „Tür“, welche die Stuttgarter Kriminalpolizei zur Aufklärung des Falls eingerichtet hat, konnte den Erfolg, nur 48 Stunden nachdem die Tote gefunden worden war, vermelden. Sehr viel mehr verrät die Polizei – bei aller Erleichterung über ihren schnellen Erfolg – jedoch nicht zu dem Fall. Warum es zu der Tat gekommen ist, darüber liegen laut einer Polizeisprecherin keine Erkenntnisse vor. Der Tatverdächtige soll auch noch keine Angaben gemacht haben.

 

Bestand eine Beziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigem?

Was bekannt ist: Der Mann und die Frau hatten eine sogenannte Vorbeziehung. Welcher Art diese war, ob es eine Art Liebesbeziehung gewesen sein könnte, auch dazu sagt die Polizei nichts. Die Frau soll einen festen Freund gehabt haben. Die Polizei sagt, dass der Mann für die Ermittelnden kein Unbekannter gewesen sei. Er sei schon mehrfach polizeilich aufgefallen. Jedoch habe er keine Vorstrafen. Was er getan haben soll, um polizeilich in Erscheinung zu treten, dazu schweigt die Polizei. Die 30-köpfige Soko „Tür“ werde weiterhin bestehen bleiben, so die Polizeisprecherin. Unter anderem, um das Motiv herauszufinden.

Der Mann kommt aus der Gegend von Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis. Dort hatte er einen Wohnsitz, in dessen Nähe ihn die Polizei am Freitagabend auch festnehmen konnte. Dazu rückte eine Spezialeinheit aus. Er wurde dem Haftrichter am Samstag vorgeführt, der einen von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl in Vollzug setzte. Ebenfalls am Freitag fand die Obduktion des 32 Jahre alten Opfers statt. Diese habe bestätigt, dass die Frau gewaltsam getötet worden war. Unklar ist noch der Zeitpunkt.

Die Frau war erst mehrere Tage nach ihrem Tod in ihrer Wohnung gefunden worden. Sie lebte in einem Wohnheim des Stuttgarter Klinikums, da sie eine Ausbildung zur Krankenpflegerin absolvierte. Andere Auszubildende, die dort Tür an Tür mit ihr wohnten, hatten die 32-Jährige schon seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen und begannen, sich Sorgen zu machen. Aufgrund der extrem hohen Temperaturen in der vergangenen Woche setzte der Verwesungsprozess schnell ein, und es kam ein entsprechend strenger Geruch aus der Wohnung. Am Mittwoch wurde die Polizei alarmiert, die dann die Wohnung aufbrach. Schon beim Auffinden der Toten sei aufgrund der Spurenlage klar gewesen, dass jemand sie mit Gewalt getötet haben muss.

In den zurückliegenden Monaten hat es die Polizei in Stuttgart mehrmals mit Tötungsdelikten zu tun gehabt, bei denen die Opfer in ihren Wohnräumen getötet wurden. Aufsehenerregend war ein Fall, bei dem die Tatperson versuchte, Spuren zu verwischen, indem sie Feuer legte. So war es offenbar bei einer Tat in Feuerbach. Anfang März war dort die Feuerwehr zunächst alarmiert worden, weil es in einer Dachgeschosswohnung brannte. In der Wohnung wurden zwei Tote entdeckt. Die Polizei fasste den Tatverdächtigen vor dem Gebäude. Er hatte noch ein Messer in der Hand. Erst als ein Beamter einen Schuss abgegeben hatte, ließ der Mann sich festnehmen. Die Wohnung war eine Art Wohngemeinschaft.

Im Herbst des vergangenen Jahres war eine 86 Jahre alte Frau in Bad Cannstatt in ihrer Wohnung an der König-Karl-Straße tot aufgefunden worden. Auch sie hatte dort vermutlich mehrere Tage lang gelegen, bevor ihre Leiche entdeckt wurde. Die Polizei kam dem mutmaßlichen Täter nach gut zwei Wochen auf die Spur. Gefasst wurde der 53 Jahre alte ehemalige Nachbar.

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