Toiletten im Leibniz-Gymnasium in Stuttgart-Feuerbach Die Bonatz-Fliesen bleiben erhalten

Von Torsten Ströbele 

Am Leibniz-Gymnasium sind die Toiletten rund anderthalb Jahre lang umfangreich saniert werden. Während der Bauarbeiten kam dabei ein Bodenbelag zum Vorschein, mit vorher nicht gerechnet wurde.

Historischer Boden, neue sanitäre Anlagen: so sieht mittlerweile die Mädchentoilette aus. Foto:   5 Bilder
Historischer Boden, neue sanitäre Anlagen: so sieht mittlerweile die Mädchentoilette aus. Foto:  

Feuerbach - Otto Fischer ist erleichtert. Jahrelang hat sich der Rektor des Leibniz-Gymnasiums bei der Stadtverwaltung dafür eingesetzt, dass die Toiletten an seiner Schule saniert werden. Am vergangenen Montag wurden die neuen sanitären Anlagen offiziell eingeweiht – mit einem kleinen Festakt und einem Kuchen in Klodeckel-Form. Wie schlimm die Zustände der Toiletten gewesen sein müssen, zeigen die Schilderungen von Otto Fischer: „Insbesondere die sogenannte Trockenurinalrinne auf der Jungentoilette konnte es mit jeder Bahnhofstoilette aus dem vorvergangenen Jahrhundert aufnehmen.“ So mancher Fünftklässler habe „sein Geschäft, wie man es so schön auf Schwäbisch sagt ,verhoben‘, um nach der Schule schnurstracks die gewohnte heimische Toilette aufzusuchen“.

Schon 2008 habe man das Schulverwaltungsamt um Hilfe gebeten. „Ich erwähne das deshalb, weil wir damals auch eine Antwort bekommen haben“, sagte Fischer und zitierte aus dem Schreiben von Amtsleiterin Karin Korn. Die Behörde sei sich der Notwendigkeit bewusst, dass die Sanierung unumgänglich sei und habe deshalb das Hochbauamt mit der Planung beauftragt. „Heute haben wir den 9. November 2015. Was sagt uns das? Man braucht Geduld, um Projekte in Schulen zu einem glücklichen Ende zu führen“, sagte Fischer. 2010 habe man schon überlegt, die Sanierung durch private Spenden zu finanzieren.

Überraschend kamen die historischen Fliesen zum Vorschein

Im April vergangenen Jahres hatte das Warten schließlich ein Ende. Architekt Josef Ruf vom Büro Dimension 5 konnte mit der Sanierung beginnen. Doch recht schnell war klar, dass die Maßnahme aufwändiger zu realisieren war, als zunächst gedacht. „Die grauen Bodenfliesen waren leicht zu entfernen. Zum Vorschein kamen dann aber überraschend schwarze und gelbe Fliesen aus dem Jahr 1912, die Paul Bonatz hat verlegen lassen“, sagte Ruf. Daraufhin habe das Denkmalamt gefordert, dass dieser Boden erhalten werden muss. „Das war eine Herausforderung“, erklärte Fischer. Josef Ruf bezeichnet die Sanierung letztendlich als gelungen.

Wie teuer der Umbau der Toiletten am Ende geworden ist, kann bislang niemand so genau sagen. „Es war ein bisschen kostspieliger als sonst“, sagte Dominik Schäufler vom Schulverwaltungsamt. Das Hochbauamt habe die Kosten aber noch nicht exakt errechnet. Otto Fischer sieht das als Investition in die Zukunft und als erstes umgesetztes Projekt im Rahmen des Feuerbacher Campus. „Wir werden auch später Toiletten brauchen“, sagte der Rektor des Leibniz-Gymnasiums und schmunzelte.

Die Fusion der beiden Feuerbacher Gymnasien wird aber noch ein paar Jahre warten müssen. Ursprünglich hätte der Architektenwettbewerb schon ausgeschrieben sein sollen, damit im kommenden Doppelhaushalt die für den Bau benötigten rund 39 Millionen Euro eingestellt werden können. „Wir müssen aber die Machbarkeitsstudie noch einmal überprüfen. Mit den Ergebnissen rechnen wir Anfang 2016“, sagt die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, Karin Korn, auf Nachfrage. Erst dann könne der Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Somit ist frühestens 2023 mit der Fertigstellung des Feuerbacher Campus zu rechnen.

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