Stattlicher Fund auf dem Flohmarkt in Leonberg: ein Piratenschiff von Playmobil. Aber auch jede Menge Klamotten wechseln den Besetzer. Foto: Jan Potente
Bis der Regen am Nachmittag einsetzt, ist der Flohmarkt auf dem Leonberger Marktplatz die reinste Wonne. Es wird gefeilscht, gestaunt und gestöbert. Das Schöne liegt oft im Auge des Betrachters.
Ute Jenschur
07.07.2024 - 17:45 Uhr
Da kommt echtes Leben auf den historischen Leonberger Marktplatz, da wird gestöbert, gehandelt und gefeilscht und so manches Schnäppchen findet bei dem Altstadtflohmarkt einen neuen Besitzer, wenn auch nicht unbedingt mit den Verkäufen das große Geld zu machen ist, wie etliche Standbetreiber beklagen. Insgesamt steht weniger Kunst und echt Antikes, sondern viel Krempel zum Verkauf.
Ob Waffeleisen, Bratpfanne, Geschirr, Bücher, Modeschmuck oder Kleidung. Auch Katharina Kreis bietet nach eigenem Bekunden Kleidung und besagten Krempel an ihrem Tisch an. „Halt alles, was sich so ansammelt. Aber für Kleidung will niemand etwas zahlen, selbst hochwertige Stücke gehen nicht weg. Dafür waren die Retro-Lampen und der Reiskocher gleich verkauft.“ Wenige Meter weiter ist ein Stand von Besuchern umlagert. Hier gibt es T-Shirts für einen, Jeans für sechs Euro. Das läuft.
Viele Klamotten wechseln den Besitzer auf dem Altstadtflohmarkt. Foto: Jan Potente
Eine der Power-Shopperinnen auf dem Markt ist Heike Hörmandinger aus Leonberg. Ihre Einkaufstasche ist schon gut gefüllt und unter dem Arm trägt sie ein echtes Schätzchen: einen Flaschenträger aus Holz für Bierflaschen, fast wie neu. „Das gibt ein tolles Geschenk, da kommen verschiedene Sorten Bier hinein und einen neuen Bierflaschenverschluss lege ich auch noch dazu.“ Auch den hat sie auf dem Flohmarkt entdeckt. Selbst verkauft sie nicht mehr auf den Märkten. „Das lohnt sich kaum, die Leute wollen alles geschenkt.“ Sie selbst ist regelmäßig unterwegs. Als Leonbergerin darf der heimische Markt nicht fehlen. „Man findet hier Sachen, die man sonst nicht bekommt und trifft Leute, die man sonst nicht sieht“, lobt sie. Sie entdeckt immer etwas, das sie gebrauchen kann, heute hat sie außer der Biertrage einen singenden Kaktus und eine Kuchenform erstanden. Einen Pokerkoffer hat sie sich zurücklegen lassen, „der ist schwer, den nehme ich dann auf dem Heimweg erst mit“, sagt sie.
So manchem Besucher geht es auch um Nachhaltigkeit. Eine kunstvoll bemalte Platte von Karin Heinsohn ist ein Highlight für die Verkäuferin wie für die Käuferin. Die freut sich über den handgemalten Hecht auf der Fischplatte, und dass sie wiederverwendet wird. Für sie ist es etwas Besonderes und ein schöner Tausch.
Hermann Oberhofer reist sogar aus Würzburg zum Flohmarkt an, das hat aber auch persönliche Gründe. Er teilt sich den Stand mit seinem Schulfreund. Und so bietet der Markt jedes Jahr beste Gelegenheit für ein Wiedersehen. In seiner Auslage gibt es etliches medizinisches Zubehör: Leere Apothekerfläschchen, Glaskolben und Reagenzgläser. Und gleich daneben als Kontrastprogramm stehen etliche Bronzefiguren aus einer Sammlung, die er auflösen möchte.
Tradition seit 1978 – viele Helfer machen es möglich
Eine lange Tradition hat der Altstadtflohmarkt, der vom Jugendhausverein ins Leben gerufen wurde. 1978 ging die Organisation an die Stadtverwaltung über. Trotz einer vom Gemeinderat beschlossenen Gebührenerhöhung verursachte der Flohmarkt ein Defizit. Um den Markt nicht zu verlieren, bot der damalige TSV Eltingen an, die Veranstaltung weiterzuführen. Seit 2020 ist die Geschäftsstellenleiterin Inge Nährich-Radocaj vom heutigen SV Leonberg-Eltingen für die Organisation zuständig, unterstützt von zahlreichen Helfern. 88 Stände sind es diesmal – das macht Arbeit. „Um Viertel nach Fünf stehen schon die ersten Marktbeschicker auf dem Platz, bis 17 Uhr muss dann wieder alles sauber geräumt sein“, sagt Nährich-Radocaj.